Geplante Moschee-Erweiterung: Anwohner schalten Juristen ein
Es regt sich Widerstand

Lengerich -

Ohne Nebengeräusche wird sie wohl nicht vonstatten gehen, die geplante Erweiterung und Modernisierung der Ditib-Moschee an der Münsterstraße. Anwohner äußern Bedenken und haben eine Anwaltskanzlei eingeschaltet.

Dienstag, 28.07.2020, 16:43 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 16:14 Uhr
Für die Ditib-Moschee an der Münsterstraße gibt es Baupläne. Dabei geht es vor allem um eine Umgestaltung der Gebetsräume, um künftig ausreichend Platz während der Freitagsgebete zu haben, sagen die Verantwortlichen.
Für die Ditib-Moschee an der Münsterstraße gibt es Baupläne. Dabei geht es vor allem um eine Umgestaltung der Gebetsräume, um künftig ausreichend Platz während der Freitagsgebete zu haben, sagen die Verantwortlichen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Gegen die geplante Modernisierung und Erweiterung der Moschee an der Münsterstraße regt sich in der Nachbarschaft Widerstand. Anwohner haben eine Anwaltskanzlei beauftragt, die beim Kreis Steinfurt die Bauantragsunterlagen angefordert hat. Zudem liegt in Steinfurt inzwischen auch schon eine Stellungnahme der Juristen zu dem Projekt vor.

Darin wird zwar nicht das Recht der Ditib-Gemeinde bestritten, in Lengerich eine Moschee mit Minarett zu bauen. Am jetzigen Standort stehe einer Genehmigung jedoch das Denkmalrecht entgegen. Zur Begründung wird darauf verwiesen, dass sich in der unmittelbaren Umgebung mehrere Baudenkmäler befinden. Das Erscheinungsbild dieser Ackerbürger-Fachwerkhäuser, so die Kanzlei, werde durch das Vorhaben beeinträchtigt, da sie nichts mit den Symbolen der islamischen Kultur und damit auch nicht mit einem Minarett gemein hätten.

Weiter stellt die Kanzlei fest, dass der Immissionsschutz gegenüber der Nachbarschaft nicht gewahrt würde. Eine größere Moschee dürfte zu einem größeren Einzugsbereich führen, so die Prognose. Während des Ramadans gebe es auch nachts und frühmorgens Gebetszeiten, was Lärmbelästigungen durch Moscheebesucher nach sich ziehe. Bereits jetzt klagen Anwohner beispielsweise über zuschlagende Autotüren und Unterhaltungen auf der Straße zu später Stunde. Im Bauantrag sei bislang nicht ausreichend beschrieben, welche Regelungen bei Veranstaltungen in der Moschee gelten. Zudem bedürfe es eines umfassenden Lärmgutachtens

Als unzureichend wird die Erschließung des Grundstücks über die Münsterstraße bewertet. Angeführt wird in diesem Zusammenhang beispielhaft ein Feuerwehreinsatz im Mai 2019 an der Ecke Münsterstraße/Uhlandstraße. Seinerzeit wurde es für den Gelenkmastwagen der Feuerwehr so eng, dass er ein am Fahrbahnrand abgestelltes Auto erst nach mehrmaligem Vor- und Zurücksetzen passieren konnte. Dabei kam es zu einem Blechschaden.

Aktuell soll es so sein, dass der Kreis die Ditib-Gemeinde aufgefordert hat, Unterlagen nachzureichen – unter anderem mit genaueren Aussagen zum Zweck des Minaretts, zum Einsatz von Lautsprechern und zu den Betriebszeiten. Dabei geht es nicht nur um die täglichen Gebete, sondern auch um die Koranschule, Gemeindefeste, Beerdigungen und Hochzeiten.

Aus Steinfurt heißt es auf Anfrage der WN zum aktuellen Stand, dass die Verwaltung keine weiteren Unterlagen erhalten habe „und der Bauantrag somit als zurückgenommen gilt“. Es könne aber jederzeit ein neuer gestellt werden.

Die Ditib-Gemeinde will an ihren Plänen nichtsdestotrotz festhalten, versichert der Vorsitzende Bahattin Aydemir . Er spricht von einem Projekt, das „für alle Lengericher“ in Angriff genommen werde. „Die Tür ist für jeden offen“, die Gemeinde verstehe sich als Teil der Stadt.

Als wesentlichen Grund für die Baumaßnahme führt er an, dass der Gebetsraum beim Freitagsgebet – es ist das wichtigste der gesamten Woche – an seine Kapazitätsgrenzen stoße. Während ansonsten oft nur drei bis fünf Besucher zu den Gebetszeiten im Haus seien, seien es freitags bis zu 80. Profitieren sollen von der Modernisierung sowohl Männer als auch Frauen, die beim Freitagsgebet in getrennten Bereichen zusammenkommen.

Für die Nachbarschaft werde sich die Situation künftig verbessern, versichert Bahattin Aydemir und verweist darauf, dass freitags bislang die Fenster geöffnet werden müssen, um für ausreichend Belüftung zu sorgen. Darauf könne man künftig verzichten. Durch eine Kuppel werde sich die Raumhöhe deutliche vergrößern. Zudem solle für eine Schalldämmung gesorgt werden. Zum geplanten Minarett sagt der Gemeindevorsitzende, dass es nicht höher sein werde als das bestehende Gebäude. Er verspricht zudem, die Außenfassade des gesamten Gebäudes optisch einheitlich zu gestalten – und zwar in der Art, wie sich jetzt bereits der vordere Teil präsentiert.

Befürchtungen, die Erweiterung werde mehr Besucher in die Münsterstraße zur Folge haben, tritt Bahattin Aydemir entgegen. „Wir würden uns darüber natürlich freuen“, sagt er. Aber das Potenzial sei einfach nicht da, ähnlich wie bei den christlichen Kirchen sei der Trend eher rückläufig.

Ende Juni hat es bereits ein Gespräch – der Bürgermeister spricht von einem „Runden Tisch“ – zu dem Thema gegeben, an dem Vertreter der Ditib-Gemeinde, Anwohner, Verwaltung samt Bürgermeister und Lokalpolitiker teilgenommen haben. Nachbarn der Moschee bemängeln, dass sie über das Vorhaben von der Stadt zu spät unterrichtet worden seien. „Wir fühlen uns außen vor gehalten“, heißt es. Deutlich gemacht worden sei auch, dass aus Sicht der kritischen Anlieger der Standort „nicht zukunftsfähig“ sei, somit ein Umzug an einen geeigneteren Standort in der Stadt, wo ein größeres Grundstück zur Verfügung stehen würde, die bessere Lösung wäre.

Betont wird in diesem Zusammenhang, dass die Skepsis in Bezug auf die Baupläne nichts mit Islam- oder Fremdenfeindlichkeit oder ähnlichen Motiven zu tun habe. Aber es seien eben auch die „kulturellen Wurzeln“ der Anlieger im Entscheidungsprozess zu respektieren, die seien an der Münsterstraße vielen „sehr wichtig“. Betroffene betonen vor diesem Hintergrund, sie wünschten sich bei derartigen Entscheidungen „mitgenommen“ zu werden.

Bürgermeister Wilhelm Möhrke sagt, er verstehe es gut, wenn Anlieger bei einem Bauprojekt in der Nachbarschaft Sorgen haben. Bei einem Moschee-Bau werde das wohl noch deutlicher als in anderen Fällen, „da nicht klar ist, was auf die Nachbarschaft zukommt“. Er weist aber die Kritik zurück, dass die betroffenen Bürger nicht beizeiten informiert worden seien. Die Stadt sei mit ihnen „schon seit einiger Zeit“ im Gespräch. Zudem verweist der Bürgermeister darauf, dass nicht die Stadt, sondern der Kreis für die Erteilung der Baugenehmigung zuständig ist.

Nicht teilen kann Möhrke nach eigenen Worten die Einschätzung, dass der Charakter der Münsterstraße bedroht ist. „Die islamische Gemeinde ist ein Teil unserer Stadtgesellschaft. Sie ist mit der Moschee immerhin schon seit rund 30 Jahren dort ansässig.“ Weiter betont er: „Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte und Pflichten haben, egal welcher Religion, Herkunft. Lengerich war in früherer Zeit eine ,Ackerbürgerstadt‘. Dies ist Lengerich schon seit langer Zeit nicht mehr. Ich bin stolz auf unsere vielfältige Kultur und ich bin auch stolz auf die Toleranz in Lengerich.“

Für berechtigt hält er aber den Einwand, dass es durch den Verkehr zu Problemen kommen kann. Er stellt fest, dass auch die Vertreter der islamischen Gemeinde über den Parkverkehr nicht glücklich seien und die Situation verbessern wollen. „Erste Ideen wie die Nutzung eines W&H-Parkplatzes oder von öffentlichen Parkflächen an der Gempt-Halle wurden gemeinsam entwickelt.“

Wer Fragen zur geplanten Modernisierung und Erweiterung der Moschee hat, kann sich an Bahattin Aydemir wenden ( 01 57/ 87 86 1274)

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