Ab 17. August Regelbetrieb in Kindertagesstätten
Eine verzwickte Situation

Lengerich -

Was bedeutet die Wiederaufnahme des Regelbetriebs in den Kindertagesstätten ab 17. August für die Träger? Die WN haben bei DRK, AWO und evangelischem Kirchenkreis nachgefragt, die den Großteil der Kitas in der Stadt betreiben.

Donnerstag, 30.07.2020, 05:51 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 16:14 Uhr
Ein Mädchen malt ein Mandala. In den Kindertagesstätten soll ab 17. August wieder der Regelbetrieb laufen.
Ein Mädchen malt ein Mandala. In den Kindertagesstätten soll ab 17. August wieder der Regelbetrieb laufen. Foto: dpa

Am kommenden Montag beginnt das neue Kindergartenjahr. Zwei Wochen später, am 17. August, soll in den nordrhein-westfälischen Kitas wieder der Regelbetrieb aufgenommen werden. Das gab die Landesregierung am Dienstag bekannt. Was bedeuten diese zwei Termine für die Einrichtungen vor Ort? Die WN haben bei DRK , AWO und evangelischem Kirchenkreis nachgefragt, die den Großteil der Kindergärten in Lengerich betreiben.

Dass die Aufnahme der neuen Kinder anders sein wird als üblich, daran lässt Gudrun Baackmann keine Zweifel aufkommen. Sie ist beim Kreisverband des Roten Kreuzes für das Qualitätsmanagement in den elf Kitas zuständig. Alle Eltern seien über die besondere Situation informiert worden; je nach Situation werde versucht, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Zugleich müsse darauf geachtet werden, einen gestaffelten Betrieb zu organisieren, bei dem alle Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen eingehalten werden können.

Für Eltern, die beide berufstätig sind, ist die Stundenreduzierung schon eine Herausforderung.

Gudrun Baackmann (DRK)

Gibt es sonst die Wahl zwischen 25, 35 und 45 Stunden Betreuung pro Woche, ist das Paket wegen der Corona-Pandemie auf 15, 25 und 35 Stunden abgespeckt worden. Beispielsweise für Eltern, die beide berufstätig sind, sei diese Reduzierung schon eine Herausforderung, stellt Baackmann fest. Gleichwohl reagierten die Eltern „sehr verständnisvoll“.

Baackmann stellt weiter fest, dass es den Neulingen unter diesen Bedingungen sicher schwerer gemacht werde, sich einzugewöhnen. Also ist die Rückkehr zum Regelbetrieb zu begrüßen? Die Frau vom DRK-Kreisverband meint, es sei schwierig dazu etwas zu sagen. Gut sei natürlich, dass es die Möglichkeit gebe, sogenannte Alltagshelfer einzustellen. Sie sollen Erzieher bei der Umsetzung der Hygienevorschriften unterstützen, aber auch bei zeitaufwendigen Dingen wie Schuhe der Kinder an- und ausziehen. Sie seien aber kein Ersatz für die pädagogischen Fachkräfte. Und von denen seien einige nicht im Einsatz, weil sie zur Corona-Risikogruppe gehören. Die Personalsituation sei also angespannt, was auch durch Verschiebungen nicht zu kompensieren sei. Und die Lage würde sich noch weiter verschärfen, sollte im Herbst eine Krankheitswelle (Grippe, Erkältungen) kommen. Eine Lösung für dieses Problem sieht Baackmann noch nicht.

Bis zum 17. August gibt es nur die reduzierten Stundenpakete

Ein Punkt, den auch Arnd Rutenbeck anspricht. Bis zum Herbst, sagt der Geschäftsführer des Kindergartenverbundes des Kirchenkreises, könne das Ganze dank der Hilfe durch die Alltagshelfer sicher überbrückt werden. Doch danach werde es komplizierter. Rutenbeck wünscht sich deshalb eine klare Entscheidung durch das NRW-Familienministerium.

Zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs Mitte August ist das Meinungsbild beim Geschäftsführer zwiegespalten. „Ich sehe das Risiko, aber ich sehe auch die Nöte der Eltern.“ Mit dem Verweis auf das Risiko bezieht sich Rutenbeck nicht zuletzt auf die jüngste Warnung von Lothar Wieler. Der Leiter des Robert-Koch-Instituts hatte am Dienstag – also an dem Tag, an dem das Familienministerium die Rückkehr zum Regelbetrieb verkündete – angesichts steigender Infektionszahlen vor einem flächendeckenden Corona-Ausbruch in Deutschland gewarnt.

Ich sehe das Risiko, ich sehe aber auch die Nöte der Eltern.

Arnd Rutenbeck (Evangelischer Kindergartenverbund)

Rutenbeck weiß aber auch, dass viele Mütter und Väter zunehmend Probleme haben, die fehlenden Betreuungsstunden in den Kitas aufzufangen. „Der Urlaub ist weg, Kinderkrankentage aufgebraucht und die Mehrstunden bei der Arbeit abgebaut“, so der Mann vom Kirchenkreis. Bislang hätten Erziehungsberechtigte und Kindergärten durch viele Gespräche meist Lösungen gefunden. „Gefühlt waren 98 Prozent der Eltern zufrieden.“ Doch das werde nun zunehmend schwieriger.

Mit Blick in die Zukunft bringt der Geschäftsführer noch einen weiteren Punkt zur Sprache. Das Besetzen der Helferstellen funktioniere aktuell gut. So gebe es beispielsweise Bewerbungen von Studenten, die nicht wie gewohnt an den Unis sind, oder von Menschen, die in der Gastronomie oder im Eventbereich momentan keine Arbeit haben. Aber sollte es darum gehen, die Kollegen, die zur Risikogruppe gehören, zeitlich befristet zu ersetzen, werde das schwierig. Denn der Erzieher-Arbeitsmarkt sei leergefegt.

Der Arbeitsmarkt für Erzieher ist leergefegt

Ursprünglich sollte der Regelbetrieb in den Kindertagesstätten erst ab September wieder aufgenommen werden. Dass es jetzt 14 Tage früher losgehen soll, heißt für Birgit Gedenk, „dass verbindliche Vorgaben vom Land“ kommen müssen.

Von der Möglichkeit, Alltagshelfer einzustellen, will die Fachbereichsleiterin des Arbeiterwohlfahrt-Unterbezirks, zuständig für ab Montag 22 Kitas im Kreis Steinfurt, keinen Gebrauch machen. Zum einen müssten diese Aushilfen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Zum anderen, und das ist für sie entscheidend, habe der große Zusammenhalt in den Teams dafür gesorgt, dass Belastungsspitzen in den zurückliegenden Monaten abgefedert werden konnten. „Die Kitas haben es alle super bewältigt“, hat sie ein dickes Lob.

Vom Land müssen verbindliche Vorgaben kommen.

Birgit Gedenk (AWO)

Eine Rolle habe dabei sicher auch gespielt, dass Kolleginnen und Kollegen, die einer Risikogruppe zugezählt werden, vorzeitig freiwillig in Kindertagesstätten zurückgekehrt seien.

Keine Infektionen

In den Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen sind seit Anfang Juni insgesamt 45 Corona-Infektionen bei Kindern und 28 bei Mitarbeitern gemeldet worden. Das hat das NRW-Familienministerium am Dienstag mitgeteilt. In den 28 Kitas des evangelischen Kirchenkreises, den elf des DRK-Kreisverbandes und den vier der AWO in Lengerich hat es bislang keinen einzigen Fall gegeben. Seit dem 8. Juni haben die Kitas in Nordrhein-Westfalen wieder für einen eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet. Zu einer „Cluster“-Bildung oder Infektionsketten sei es bisher in keiner der rund 10 500 Kindertageseinrichtungen gekommen, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP).

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Positive Zustimmung habe es auch von vielen Eltern gegeben, berichtet sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Einige hätten sogar an reduzierten Betreuungszeiten festgehalten, weil sie gemeinsam mit ihren Kindern etwas unternehmen wollten.

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