Ob Schmutzwasser oder Regen:
Viele Wege führen zur Gebühr

Lengerich/Tecklenburger Land -

Für eine Durchschnitts-Vier-Personen-Haushalt hat der Bund der Steuerzahler die Abwassergebühren errechnet. Je nach Kommune kommen unterschiedliche Berechnungsansätze zur Geltung.

Donnerstag, 06.08.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 18:08 Uhr
Wenn die Feuerwehr Keller leerpumpen muss, ist eindeutig zu viel Niederschlagswasser in zu kurzer Zeit aufgetreten.
Wenn die Feuerwehr Keller leerpumpen muss, ist eindeutig zu viel Niederschlagswasser in zu kurzer Zeit aufgetreten. Foto: Keblat

Für eine Durchschnittsberechnung ist eine konstante Größe unerlässlich. Der Bund der Steuerzahler setzt bei der Berechnung der Abwassergebühren auf einen Vier-Personen-Haushalt, der 200 Kubikmeter (m³) Frischwasser im Jahr verbraucht und auf einem Grundstück mit 130 Quadratmetern (m²) versiegelter Fläche lebt.

Auf dieser Basis ergeben sich erhebliche Unterschiede in den Kommunen im Kreis Steinfurt. Im Durchschnitt hat der Musterhaushalt 639,50 Euro zu bezahlen. Für Schmutz- und für Niederschlagswasser. Ladbergen (779,10 Euro), Lienen (805 Euro) und Tecklenburg (799,30 Euro) liegen deutlich höher. In Lengerich berappt der Musterhaushalt dagegen nur 578 Euro.

Wer einen großen Garten hat, kann über einen verplombten Zähler Frischwasser dafür nutzen.

Petra Drischel, Stadt Tecklenburg

Woher die Unterschiede rühren? Das fängt schon bei den Gebührensätzen fürs Schmutzwasser an. In Ladbergen werden für jeden m³ 3,72 Euro in Rechnung gestellt, in Lienen 3,70 Euro und in Tecklenburg 3,34 Euro. Mit 2,50 Euro je m³ liegt Lengerich deutlich darunter.

Dafür stellt die Stadt für jeden Kubikmeter Niederschlagswasser 0,60 Euro in Rechnung. In Lienen (0,50 Euro) und Ladbergen (0,27 Euro) ist dieser Gebührensatz niedriger. In Tecklenburg werden je m³ Niederschlagswasser 1,01 Euro als Gebühr kassiert. Einen anderen Weg beschreitet die Gemeinde Mettingen beim Niederschlagswasser. Dort werden pauschal 33 Euro in Rechnung gestellt.

Während man durch sparsamen Verbrauch beim Schmutzwasser relativ geringe Mengenreduzierungen erreichen kann, sieht das beim Niederschlagswasser anders aus. Die vergangenen beiden Jahre waren nicht nur warm, sondern auch trocken. „Das wirkt sich bei der Gebührenkalkulation aus“, bestätigt Petra Drischel. „Allerdings erst mit Verzögerung“, fügt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Tecklenburg und Geschäftsführerin der TGE (Tecklenburger Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft) im Gespräch mit den WN hinzu.

Trockene Sommer wirken sich in den Folgejahren bei der Niederschlagswassergebühr aus

Grundsätzlich basiere die Berechnung der Schmutzwassergebühr auf der Menge, die an Frischwasser aus der Leitung gezapft wird. Wobei es Ausnahmen geben könnte. Als Beispiel nennt sie einen Außenwasserzähler. „Wer einen großen Garten hat, kann über eine solchen verplombten Zähler Frischwasser dafür nutzen. Diese Mengen fallen dann ja nicht als Schmutzwasser an“, erläutert Petra Drischel.

Einfluss auf die Gebührensätze hat auch der Weg, den die Kommunen beschreiten bei der Abschreibung ihrer Kläranlagen. „Wir setzen den Anschaffungswert an“, erläutert Birgit Voß. Möglich wäre auch, den Wiederbeschaffungszeitwert bei der Abschreibung anzusetzen, erklärt die kaufmännische Leiterin der Stadtentwässerung Lengerich. Ein Blick in die Liste des Steuerzahlerbundes zeigt, dass beide Formen etwa gleich oft genutzt werden.

Bei Kreisstraße reichen wir die Rechnung fürs Niederschlagswasser an den Kreis weiter.

Birgit Voß, Stadt Lengerich

Damit nicht genug: In die Kalkulation der Gebühren fürs Schmutzwasser fließt auch der Zinssatz ein, mit dem die Kommune als Ertrag aus dem eingesetzten Eigenkapital rechnet. In Lengerich sind das 4,6 Prozent. Ladbergen und Lienen bringen nach Angaben des Steuerzahlerbundes 5,56 Prozent in Ansatz, die Stadt Tecklenburg glatte sechs Prozent. Und: Zinsen für Fremdkapital können zusätzlich in die Kalkulation einfließen. Das ist in Lengerich (1,97 Prozent) und Tecklenburg (1,93 Prozent) der Fall.

Beim Niederschlagswasser werden alle Grundstückseigentümer herangezogen. Nicht nur Privatleute, auch die Stadt. Schließlich mache der Regen keinen Unterschied, wohin er fällt, schmunzelt Birgit Voß. Auf öffentlichen Flächen sei dann halt die Kommune in der Gebührenpflicht. Wobei die Stadt Lengerich nicht komplett auf diesen Kosten sitzenbleibt. „Bei Kreisstraßen reichen wir die entsprechende Rechnung weiter an den Kreis Steinfurt“, berichtet sie.

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