Wie werden die Corona-Regeln beim Zugfahren eingehalten?
Bahnsteig ist maskenfreie Zone

Lengerich -

In Zügen und auf Bahnhöfen gilt wegen der Corona-Pandemie Maskenpflicht in NRW. Wie genau nehmen es Bahnreisende damit? Die WN haben sich in Lengerich und den von hier abfahrenden RE2 und RB66 umgesehen.

Donnerstag, 06.08.2020, 18:08 Uhr
Ankunft eines Eurobahn-Zuges in Osnabrück. Noch tragen die Reisenden, die ausgestiegen sind, ihre Masken, doch der Griff an den Kopf folgt nach dem Ausstieg meistens schnell, um sie zu entfernen.
Ankunft eines Eurobahn-Zuges in Osnabrück. Noch tragen die Reisenden, die ausgestiegen sind, ihre Masken, doch der Griff an den Kopf folgt nach dem Ausstieg meistens schnell, um sie zu entfernen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Kaum haben die ersten Fahrgäste an Bahnsteig 1 in Lengerich den Regionalexpress 2 verlassen, greifen sie zum Kopf und entfernen ihren Mund-Nasen-Schutz. Es scheint niemandem bewusst gewesen zu sein, dass er damit gegen die Corona-Regeln verstößt. Denn die Maskenpflicht gilt nicht nur im Zug, sondern auch auf dem Bahnsteig und im Bahnhofsgebäude. Das bestätigte am Donnerstag noch einmal die Pressestelle des NRW-Gesundheitsministeriums gegenüber den Westfälischen Nachrichten . Wie genau nehmen es Bahnreisende mit den Vorgaben, die wegen der Pandemie gelten? Die WN wollten es wissen und waren unterwegs mit dem RE2 und der RB66, also jenen Verbindungen, die ab Lengerich zur Verfügung stehen.

Am Montag wurde bekannt, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in einem Schreiben die Deutsche Bahn aufgefordert hat, strikter als bislang auf die Einhaltung der Maskenpflicht in den Zügen zu achten. Am Mittwoch kündigte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst an, dass für Maskenverweigerer in Bus und Bahn sofort 150 Euro Bußgeld fällig werden sollen. Und am Donnerstag vermeldete das Robert-Koch-Institut erstmals seit Mai wieder mehr als 1000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages in Deutschland. Auf der Fahrt mit dem Regionalexpress von Lengerich nach Westbevern scheinen diese Entwicklungen an Einigen vorbeigegangen zu sein.

Die Plätze in den Waggons sind nur zu einem Viertel oder einem Fünftel belegt. Somit ist genug Raum, um zu den Mitreisenden ausreichend Abstand zu halten. Die Zugbegleiterin ist flott da, um die Tickets zu kontrollieren. Eine Handvoll der Personen, die ihr einige Sitzreihen weiter eben noch den Fahrschein vorgezeigt haben, trägt keinen Mund-Nasen-Schutz. Ob die DB-Mitarbeiterin die Verstöße ignoriert hat oder aber ihre ermahnenden Worte wirkungslos geblieben sind? Zu hören war von einer Ermahnung nichts. Niemand der Mitfahrenden stört sich an der Situation.

Auf den Bahnsteigen in Lengerich informiert die Bahn über die Regeln per Aushang. Zudem erinnern auf dem Boden an verschiedenen Stellen Symbole an die Abstandsvorgabe und die Masken. Dass das Tragen verpflichtend ist, wird nicht ausdrücklich gesagt. Auch auf der Internetseite des Unternehmens ist lediglich von „Hygiene-Empfehlungen“ die Rede, nicht von einem Muss. Zudem wird erklärt: „In den Zügen, Bussen und Bahnhöfen der DB gelten die allgemeinen Hygiene-Empfehlungen, die das Robert-Koch-Institut (rki.de) für alle Lebensbereiche ausgegeben hat.“

Auf Anfrage heißt es seitens eines Bahnsprechers: „Ganz klar: Reisende in Zügen und Bussen der Deutschen Bahn sind verpflichtet, Mund und Nase zu bedecken. Sollten sich Fahrgäste nach einer wiederholten Aufforderung weigern, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, können wir dies nicht akzeptieren und holen, wie in allen Konfliktsituationen, die Bundespolizei hinzu.“

Von Westbevern geht es über Kattenvenne und Lengerich mit der Eurobahn nach Osnabrück. Es ist Feierabendzeit, die Sitzplätze, die genutzt werden können, sind komplett belegt. Um anderen nicht zu dicht auf die Pelle zu rücken, stehen manche Fahrgäste. Eine junge Frau hat es sich auf dem Boden bequem gemacht. Alle haben Masken auf und bei allen scheint sie richtig zu sitzen. Freie Nasen sind zumindest nicht zu sehen.

Die Eurobahn konstatiert gegenüber den WN: „Grundsätzlich halten sich die Fahrgäste gut an die Pflicht.“ Weiter wird erläutert, dass das Personal die Vorgabe habe, auf Verstöße hinzuweisen und bei renitenten Fahrgästen vom Hausrecht Gebrauch zu machen. „In sehr schwierigen Fällen wird die Bundespolizei zur Hilfe gerufen, dies musste bisher jedoch sehr selten erfolgen.“

Dass es inzwischen mitunter eng werden kann in den Zügen, stellt das Unternehmen ebenfalls fest. „Das Fahrgastaufkommen steigert sich in den Ferien sukzessive. Wir raten Fahrgästen dazu, Stoßzeiten zu vermeiden.“

Die dritte Fahrt führt von Osnabrück nach Lengerich. Diesmal wieder mit einem RE2. Ähnlich wie bei der Tour nach Westbevern sind die Doppelstockwagen eher schwach besetzt. Platz steht also reichlich zur Verfügung. Ob das der Grund dafür ist, dass es gleich eine ganze Reihe von Mitreisenden gibt, die es beim Thema Maske nicht so genau nehmen? Bei vielen hängt sie unterm Kinn. Manche haben sie beiseite geschoben, um zu essen oder zu trinken.

In einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, ist zu lesen, dass das Unternehmen das Vorgehen in NRW unterstütze, künftig sofort Bußgelder zu verhängen. „Wir sind uns mit der Politik einig, dass wir konsequent gegen die kleine Minderheit vorgehen müssen, die sich weigert, Masken in Bussen und Bahnen zu tragen und damit die überwiegende Mehrheit derjenigen, die Masken tragen, gefährdet“, wird DB-Personenverkehrschef Berthold Huber zitiert.

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