Gestaltungsleitfaden für die Innenstadt
Der erste Schritt ist getan

Lengerich -

Die Innenstadt attraktiver gestalten. Das ist das Ziel eines Projekts, zu dem die Stadt neben den Kommunalpolitikern insbesondere Händler, Immobilienbesitzer, Werbegemeinschaft und „Offensive“ eingeladen hat. Mit einem Rundgang ist am Dienstagabend der erste Schritt getan worden. Vorgabe dabei: Es soll nichts erzwungen, sondern aus Überzeugung getan werden.

Donnerstag, 20.08.2020, 06:01 Uhr aktualisiert: 20.08.2020, 17:40 Uhr
Erst schauen, dann schreiben: An der Ecke Münsterstraße/Raiffeisenstraße gibt es für die Arbeitskreisteilnehmer viel zu notieren.
Erst schauen, dann schreiben: An der Ecke Münsterstraße/Raiffeisenstraße gibt es für die Arbeitskreisteilnehmer viel zu notieren. Foto: Michael Baar

Das Ziel ist ein Gestaltungsleitfaden für die Innenstadt. Kein einfaches Unterfangen, wie Wilhelm Möhrke am Dienstagabend feststellt. Die Verkehrswege gehören den Kommunen, die Gebäude in der Regel Privatleuten. „Idealerweise wird die Innenstadt so gestaltet, dass am Ende alle davon profitieren: Passanten, Händler und Eigentümer“, beschreibt der Bürgermeister, was der Arbeitskreis Innenstadtgestaltung erreichen will.

Am Dienstagabend hat das Gremium – zu ihm gehören Vertreter der Stadt, der Eigentümer, der WGL und der „Offensive“ – zum ersten Mal getagt. Wobei wesentlicher Bestandteil der Zusammenkunft ein Gang durch die Innenstadt gewesen ist. Den Zweck hat zuvor Joachim Sterl vom Planungsbüro post welters partner (Dortmund) im Gempt-Bistro erläutert: „Schreiben Sie auf, was ihnen auffällt, egal ob positiv oder negativ.“

Und so machten sich über 20 Personen, ausgerüstet mit Klemmbrettern und Kugelschreibern, auf den Weg. Zunächst ein Stück die Münsterstraße runter, dann hoch zum Rathausplatz, durch die Bahnhofstraße Richtung Markt-Karree, am Marktplatz vorbei in die Altstadt und wieder zurück zur Gempt-Halle.

Schon auf den ersten Metern wird deutlich, was Wirtschaftsförderer Jürgen Kohne im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten so zusammenfasst: „Man hängt sich schneller an negativen Beispielen auf, als gelungene Gestaltungen wahrzunehmen.“ Was beim Rundgang Stadtplaner Joachim Sterl immer wieder zum Hinweis veranlasst, auch schöne Optiken auf dem Klemmbrett unter dem Punkt „positiv“ zu vermerken.

Noch etwas wird schon in den ersten Minuten deutlich. Beim langsamen Gehen nimmt man seine Umgebung anders wahr als im Alltagstrott. Und der Blick bleibt nicht nur auf der Ebene des Erdgeschosses, er wandert die Fassaden hoch. Was zu überraschenden Erkenntnissen führt. Beispielsweise, dass der optische Eindruck von Schaufenstern und Werbeschildern für sich betrachtet halbwegs stimmig erscheint, mit Blick auf das gesamte Gebäude aber als nicht passend empfunden werden kann.

Joachim Sterl weiß, warum er diese Route durch die Innenstadt ausgeknobelt hat. Das Büro hat zuvor schon die Grundlagenrecherche für den Arbeitskreis erledigt. Ebenso hat er vor dem Rundgang präsentiert, wie das Ergebnis in Bildern aussehen könnte. Verbunden mit dem deutlichen Hinweis: „Negativbeispiele nehmen wir grundsätzlich immer aus anderen Städten.“ Was er im Gempt-Bistro anhand einer kurzen Präsentation verdeutlicht.

Der Stadtplaner spricht Kleinigkeiten an, mit denen das Erscheinungsbild einer Innenstadt – ohne großen Aufwand – schon gewinnen kann. „Ein einheitliches Bild fängt mit Sonnenschirmen, Stühlen und Tischen an.“ Und auch die Außenwerbung könne zu einer positiven Wahrnehmung beitragen, indem sie zum Gebäude passe und nicht zwingend beleuchtet sein müsse. „Große Buchstaben werben auch und wirken auf vielen Gebäuden stimmiger.“

Was wenige Minuten später beim Blick vom Rathausplatz die Münsterstraße runter leicht bezweifelt wird. „Wie sollen die Passanten denn erkennen, welche Fachgeschäfte dort sind?“, fragen sich einige Arbeitskreismitglieder. Antworten wird es möglicherweise in der nächsten Sitzung des Arbeitskreises geben. Anfang Oktober will das Planungsbüro erste Ansätze für ein Innenstadt-Konzept vorstellen.

Joachim Sterl wie auch Wilhelm Möhrke betonen immer wieder, dass es bei dem Projekt um keine Vorschriften für Händler und Immobilienbesitzer gehe. Dazu fehle eine entsprechende Satzung. Ziel ist ein Gestaltungsleitfaden, der auf freiwilliger Basis von allen Beteiligten getragen wird. Wenn in dem einen oder anderen Fall noch Fördermittel eingeworben werden können, um so besser.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7542615?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker