Diskussion über Schaffung einer Streetworker-Stelle
Kreis empfiehlt eine Analyse

Lengerich -

Braucht die Stadt Lengerich einen Streetworker? Einen Antrag, das zu prüfen, hatte die CDU-Fraktion im Oktober 2019 gestellt. In der Sitzung des Ausschusses Soziales, Generationen, Sport hat es am Mittwochabend einen deutlichen Hinweis gegeben, wie die Antwort zu finden ist.

Freitag, 28.08.2020, 19:24 Uhr
Im Lengericher Jugendzentrum arbeiten drei hauptamtliche Mitarbeiter. Braucht es zusätzlich noch einen Streetworker? Diese Frage stellt sich die Lokalpolitik.
Im Lengericher Jugendzentrum arbeiten drei hauptamtliche Mitarbeiter. Braucht es zusätzlich noch einen Streetworker? Diese Frage stellt sich die Lokalpolitik. Foto: Michael Baar

Iris Echterhoff vom Kreis-Jugendamt warnte davor, „blind einen Streetworker einzustellen“. Unabdingbarer erster Schritt aus Sicht der Fachfrau ist eine Sozialraumanalyse. Bevor sie erläuterte, was sich dahinter verbirgt, sprach sie Verwaltung und Politik ein Lob aus: „Die Förderung der offenen Jugendarbeit, egal ob Streetworker oder stationär, ist wichtig.“ Längst nicht jede Kommune im Kreis engagiere sich in der Form wie Lengerich, verwies sie auf drei Hauptamtliche im Jugendzentrum.

Die Analyse beginne damit, dass man sich entscheide, welcher Schwerpunkt gesetzt werden soll. Die Auswahl ist nicht klein. Soll es das Ehrenamt sein, (öffentlicher) Raum für Jugendliche, junge Familien, Neuzugezogene und Alteingesessene, Generationen im Dialog, Mobilität, Vereinsleben, Beteiligungsmöglichkeiten, Digitalisierung? Man könne auch mehrere Punkte kombinieren, fügte sie hinzu.

Das weitere Vorgehen: Daten zusammentragen; Beratung, was das Projekt mit welchen Methoden wann ermitteln soll; Ergebnisse zusammenstellen und Schlussfolgerungen ziehen. Am Beispiel der Vorgabe öffentlicher Raum präzisierte sie diese Schritte. Wo halten sich Jugendliche auf? Warum sind sie da? Welche Angebote für welche Altersgruppe gibt es? Wie stark werden diese Angebote genutzt? Sind diese Angebote allen Kindern und Jugendlichen bekannt?

„Am Ende kann bei der Sozialraumanalyse auch herauskommen, dass ein Streetworker nicht erforderlich ist“, betonte sie, dass ein unvoreingenommenes Herangehen an diese Aufgabe eminent wichtig sei. Iris Echterhoff empfahl zudem, dass sich die Stadt bei der Analyse Expertenwissen von außerhalb heranhole.

Was angesichts von Kosten in anderen Kommunen – zwischen 10 000 und 23 000 Euro – für eine Sozialraumanalyse unweigerlich zu der Frage von Andreas Kuhn (SPD) führte, „warum wir von außen jemanden drauf gucken lassen sollen wenn wir doch drei Experten im Jugendzentrum haben?“. Klare Antwort von Iris Echterhoff: „Das wäre, als wenn sie ihre eigene Arbeit analysieren müssten.“

Und auch der Idee des Sozialdemokraten – „Könnte man nicht das mit einem Streetworker ausprobieren und dann das Ergebnis analysieren?“ – schob sie einen Riegel vor, indem sie an die Arbeitsplatzbeschreibung eines Streetworkers erinnerte. „Die Analyse ist wie eine Supervision, der Blick von außen“, assistierte Anne Engelhardt. Zudem, so die Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, habe das JZ-Team so viel zu tun, dass es da nicht noch eine Analyse machen könne.

Schließlich verständigte sich der Ausschuss darauf, dass erst die Fragestellung erarbeitet und dann jemand für die Analyse gesucht werden soll. Für eine entsprechende Projektgruppe schlug Iris Echterhoff vor, dass aus der Verwaltung und dem Ausschuss Mitglieder benannt werden sollten. Fürs Jugendamt sei sie bereit mitzuarbeiten. Ein Beschluss blieb am Mittwoch aus. „Wir müssen das erst noch mal in der Fraktion beraten“, erläuterte Andreas Kuhn. Eine Einschätzung, die von den anderen Parteien bestätigt wurde.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7555644?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker