Ausstellung in der LWL-Klinik zeigt Bilder aus den frühen 1970er-Jahren
„Brutale Realität“ in der Psychiatrie

Dienstag, 15.09.2020, 17:23 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 17:38 Uhr
Die Psychiatrie-Patienten mussten in übervollen Bettensälen schlafen.
Die Psychiatrie-Patienten mussten in übervollen Bettensälen schlafen. Foto: Karl Klucken, 1970/71 (Archiv- und Dokumentationszentrum LWL-Klinik Warstein)

„Erst durch die 1971 gestartete westdeutsche Psychiatrie-Enquete-Kommission kam ein Diskurs über Sofortmaßnahmen zur Humanisierung der Krankensituation in Gang. Kommissionsmitglied Eberhard Kluge, der die Leitung des Westfälischen Landeskrankenhauses Warstein – heute: LWL-Klinik – innehatte, prägte diese Diskussion maßgeblich mit“, erläutert Professor Dr. Franz-Werner Kersting , Historiker im LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. „In der Warsteiner Psychiatrie entstanden 1970/71 durch eine Aktion des Pflegers und Amateurfotografen Karl Klucken 122 Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die die ‚brutale Realität‘ zeigen.“

Franz-Werner Kersting erarbeitete aus diesem Fotobestand zusammen mit Nicola Willenberg , Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) der Uni Münster, im digitalen Sommersemester mit fünf Studierenden die Ausstellung. „Die Dokumentation ist eine Form der zeitgenössischen Psychiatriekritik, die nicht primär von außen kam, sondern von innen, aus der ‚totalen Institution‘ selbst. Das Foto-Setting veranschaulicht, wie und warum sich bestimmte Motive in das Bildgedächtnis der Psychiatrie eingeschrieben haben“, betont Nicola Willenberg.

Die Auswahl der Warsteiner Fotos ist laut Pressemitteilung erstmals für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich. Aufnahmen aus der Lengericher LWL-Klinik und zeitgenössische Filme ergänzen die Ausstellung.

Gezeigt werden die Fotos in der AFO-Wissenschaftsbox im Rahmen der „Expedition Münsterland“, deren Ziel es ist, Geschichte und Öffentlichkeit in der Region zusammenzuführen. Die Box befindet sich auf dem Gelände vor dem Hauptportal der LWL-Klinik, Parkallee 10.

Interessierte haben bis Montag täglich die Möglichkeit, sich die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr anzuschauen. Die Volkshochschule bietet eine Führung am Freitag, 18. September, um 16 Uhr an. Eine Anmeldungen ist erforderlich (E-Mail info@vhs-lengerich.de,  0 54 81/ 93 88-0). Die Teilnahme kostet fünf Euro, das Geld wird am Container eingesammelt

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