Bewährungsstrafe und Geldbußen für vier junge Männer
Mit Baseballschlägern zum Gespräch

Lengerich/Lienen -

Angeblich wollten die Beschuldigten mit dem Geschädigten nur ein Gespräch führen. Dabei kamen aber offensichtlich Baseballschläger zum Einsatz. Die Angeklagten bestritten das, aber der Richter schenkte ihnen keinen Glauben und verurteilte sie zu Bewährungsstrafen und Geldbußen.

Donnerstag, 24.09.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 06:55 Uhr
Das Amtsgericht Tecklenburg.
Das Amtsgericht Tecklenburg. Foto: Michael Baar

Um einen Fall von gefährlicher, gemeinschaftlicher Körperverletzung ging es jetzt vor dem Amtsgericht Tecklenburg. Vier jungen Männern aus Lengerich und Lienen wurde vorgeworfen, sich gemeinschaftlich verabredet zu haben, um zwei in Lengerich wohnhafte Männer zu verprügeln. Die Verhandlung fand im großen Saal des Landgerichts Münster statt. Im Amtsgericht Tecklenburg – bei vier Angeklagten und ebenso vielen Verteidigern – hätten die Hygienevorschriften nicht eingehalten werden können.

Am Abend des 3. November 2019 öffnete der Geschädigte einem der Angeklagten arglos die Haustür, nachdem dieser ihn zu einem Gespräch vor die Tür gebeten hatte. Dort stand der Geschädigte plötzlich nicht einem, sondern vier bis fünf Männern mit Baseballschlägern gegenüber. Sie wollten nicht reden, sondern prügeln.

Alkohol, Testosteron und verletzte Männlichkeit

Sein ihm zu Hilfe eilender Bruder wurde ebenfalls angegriffen und verletzt. Erst als die Mutter der beiden laut schreiend aus dem Haus rannte, ergriffen die Angreifer die Flucht. So schilderte jedenfalls übereinstimmend die – als Zeugen geladene – Familie die Tatnacht.

Die Version der vier Angeklagten unterschied sich davon deutlich. Zwar sei es richtig, dass sie vor dem Haus in Lengerich aufgetaucht seien, aber nur, um zu reden und einen vorherigen Streit aus dem Weg zu räumen. Baseballschläger seien dabei nicht mitgeführt worden.

Im Verlauf der Beweisaufnahme wurde deutlich, dass die jungen Männer schon des Öfteren in Streit geraten waren. Immer ging es dabei um Alkohol, Testosteron und verletzte Männlichkeit. „Er hat meine Freundin beleidigt“, reichte offensichtlich aus, um körperliche Auseinandersetzungen zu rechtfertigen. Mit Erstaunen registrierte der Vorsitzende Richter auch ein „Duell eins gegen eins“ zwischen einem Geschädigten und einem der Angeklagten in den Nachtstunden auf dem Schulhof der Bodelschwingh-Realschule.

Zeugenaussage der Mutter sehr glaubhaft

Bei dieser Faktenlage kam der Bewertung der Zeugenaussagen eine zentrale Bedeutung zu. Besonders die Frage, ob Baseballschläger mitgeführt wurden oder nicht, musste über eine Verurteilung entscheiden. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass die Verteidiger versuchten, die Zeugenaussagen in diesem Punkt zu erschüttern. Dies gelang nicht. Der Vorsitzende Richter verurteilte die vier bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getretenen Männer zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten zuzüglich Geldbußen zwischen 1500 und 2000 Euro.

Er begründete sein Urteil unter anderem damit, dass besonders die Zeugenaussage der Mutter sehr glaubhaft gewesen sei. Dagegen lasse der Ablauf der Tat die Einlassungen der Angeklagten unglaubwürdig erscheinen. Gegen das Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.

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