21-Jähriger Lengericher wegen Vergewaltigung angeklagt
Gefühlschaos und Sex

Lengerich/Ibbenbüren -

Verhandelt wurde gegen einen jungen Lengericher wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung. Am Ende wurde er freigesprochen – wegen zu vieler Differenzen in den Aussagen und Erinnerungslücken der Zeugin, so der Richter am Amtsgericht Ibbenbüren.

Dienstag, 29.09.2020, 18:35 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 16:54 Uhr
Das Amtsgericht Ibbenbüren
Das Amtsgericht Ibbenbüren Foto: Wilhelm Schmitte

In einem Fall von sexueller Nötigung vor dem Amtsgericht Ibbenbüren musste das Gericht entscheiden, wer von den beiden Beteiligten die glaubhaftere Version vortrug. Unbestritten war allein die Tatsache, dass es in der Nacht vom 20. auf den 21. September 2019 zu sexuellen Handlungen gekommen ist. Aber selbst über den Zeitpunkt – schon um 20 Uhr oder erst gegen Mitternacht - gab es offenbar unterschiedliche Auffassungen.

Die Staatsanwaltschaft warf dem jungen Mann vor, seine Ex-Freundin in der Tatnacht in seiner Wohnung vergewaltigt zu haben. Die beiden hätten sich über eine Datingplattform kennengelernt und ein dreimonatiges Verhältnis begonnen. Da der Mann zu dieser Zeit als Soldat bei der Bundeswehr diente und häufig abwesend gewesen sei, habe die damals 18-Jährige die Beziehung beendet. Sie habe aber weiter einen freundschaftlichen Kontakt zu ihm aufrechterhalten wollen.

Am Tatabend habe sie ihn besucht, später sei sie müde gewesen und habe sich – nur leicht bekleidet – auf sein Bett gelegt. Danach hätte sich der Beschuldigte dazu gelegt und sie sexuell bedrängt. Mehrfach habe sie „nein“ gesagt, der Mann habe aber nicht von ihr abgelassen.

Dies geht jedenfalls aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervor. Die Hauptverhandlung fand auf Antrag der als Nebenklägerin auftretenden Geschädigten zum größten Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In einem über siebenstündigen Verhandlungsmarathon versuchte das Gericht den Sachverhalt zu klären und die Aussagen der Parteien richtig zu werten.

Der Angeklagte machte zunächst von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, ob es später Einlassungen von ihm gab, ist nicht bekannt. Da keine forensischen Beweise vorhanden waren, kam es ausschließlich auf die Zeugenaussage der Geschädigten an. Einer jungen Frau im „Gefühlschaos“, wie der Vorsitzende Richter es später bezeichnete. Die über vierstündige, sicher belastende Befragung musste mehrfach unterbrochen werden, damit sich die Zeugin wieder fangen konnte.

Am Ende stand dann auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Freispruch für den Angeklagten. „Es ist keine konkrete Tat nachweisbar“, so der Richter in seiner ausführlichen Urteilsbegründung. Er legte dar, dass es zu viele Differenzen in den Aussagen der Zeugin gegeben habe. „Es gibt auch zu viele Erinnerungslücken, wie zum Beispiel, hat sie sich ausgezogen oder hat das der Täter gemacht, fand die Tat um 20 oder um 24 Uhr statt.“

Das Gericht müsse die Gesamtmotivation der Zeugin zur Zeit der Tat im Blick behalten, so der Richter: „Lebte sie in einer „On/off Beziehung. Glaubte sie an Freundschaft ohne Sex. Hatte sie zeitgleich noch andere Bekanntschaften und welche Signale sendete sie aus?“ Am Ende habe die Glaubwürdigkeit der Zeugin einfach nicht ausgereicht, deshalb der zwangsläufige Freispruch.

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