90-Jähriger wird während einer Reise krank – und verzweifelt fast
„Ich war einfach am Ende“

Freitag, 09.10.2020, 17:36 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 17:52 Uhr
Robert Wagner geht es inzwischen wieder gut. Doch die Erkrankung, die ihn während der Donau-Kreuzfahrt erwischte, hat Spuren hinterlassen. Verreisen will der Lengericher nicht mehr.
Robert Wagner geht es inzwischen wieder gut. Doch die Erkrankung, die ihn während der Donau-Kreuzfahrt erwischte, hat Spuren hinterlassen. Verreisen will der Lengericher nicht mehr. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

67 Jahre war er mit seiner Frau verheiratet. Immer wieder unternahmen sie gemeinsam Reisen. So waren sie unter anderem 2010 auf der Donau unterwegs. In Erinnerung an dieses Ereignis buchte Robert Wagner die 14-tägige Flusskreuzfahrt. Sie führte von Passau bis zum Schwarzen Meer und zurück. Auf dem Hinweg genoss der 90-Jährige das Leben an Bord und die vielfältigen Landschaften, die vorbeizogen. Doch als das Schiff die Rückfahrt antrat bekam er Magenprobleme. Zunächst waren die noch nicht dramatisch. Das änderte sich jedoch am dritten Tag.

„Ich wachte nachts plötzlich schweißgebadet auf“, rekapituliert Robert Wagner die Ereignisse. Mehrere Minuten habe er unter massivem Schüttelfrost gelitten. Er stand auf, um ins Bad zu gehen – und brach zusammen. Seine Hilferufe wurden bald gehört; er wurde wieder ins Bett gepackt. Da sich sein Zustand in der Folge jedoch nicht besserte, entschied die Crew, der Lengericher muss ins Krankenhaus. Das Schiff sei da auf serbischen Staatsgebiet gewesen, sagt der 90-Jährige. Man ließ ihn an Bord, bis Ungarn erreicht war. Dann wurde gestoppt. Am Ufer wartete ein Krankenwagen, der Robert Wagner in eine Klinik in der Stadt Baja brachte.

Nun folgte ein gut zehntägiger Aufenthalt auf der Intensivstation. Das medizinische Personal sei freundlich und kompetent gewesen, habe sogar Deutsch gesprochen. Was dem 90-Jährigen massiv zu schaffen machte, waren andere Dinge: Die ersten Tage habe er in einem Bett auf einem Flur verbringen müssen. Kein Tageslicht, die Lampen waren rund um die Uhr an. „Ich habe kein Auge zubekommen.“

Daran änderte sich auch nichts, als er endlich in ein Mehrbettzimmer kam. Es sei so viel Unruhe, Lärm und Betrieb gewesen, dass an Schlaf nicht zu denken gewesen sei. Zu kämpfen hatte Robert Wagner angesichts seiner Magenprobleme auch mit dem Essen. Morgens und abends habe es immer Weißbrotscheiben mit Wurst gegeben. „Trocken Brot, wie sollte ich das runter bekommen?“ Auch mittags seien die Speisen für ihn kaum geeignet gewesen. So habe er sich während der gesamten Zeit fast ausschließlich von Tee und Suppe ernährt.

Corona setzte dem ganzen noch die Krone auf. Eigentlich, so der betagte Lengericher, hätte er im Krankenhaus auch als Patient eine Maske tragen sollen. Darauf habe ihn das Personal immer wieder aufmerksam gemacht. „Aber darunter konnte ich nicht atmen.“

Dass Robert Wagner trotz allem gesundheitliche Fortschritte machte, dürfte nicht zuletzt an den Infusionen gelegen haben, die er bekam. „Über 30 waren es.“ Schließlich teilten ihm die Ärzte mit, er könne heim. Damit stand der Senior vor dem nächsten Problem. Wie sich herausstellte, war die Abrechnung mit dem Krankenhaus dank Krankenkassenkarte eine einfache Sache. Doch nach einem Telefonat mit seinem Stammreisebüro erfuhr er, dass sein Rücktransport bei der Buchung der Flusskreuzfahrt nicht mit abgedeckt worden war. Eigens wurde eine Reiseagentin in Budapest eingeschaltet. Schließlich die gute Nachricht: Seine Versicherung würde die Kosten übernehmen. „Aus Kulanz haben sie gesagt“, so der Lengericher.

Er vermutet, dieser Service sollte möglichst günstig sein. Denn der Krankentransportwagen, der aus Deutschland geschickt wurde, sei sehr eng und auch laut gewesen. Und die Liege, auf der er nun 14 Stunden verbringen musste, „war richtig hart“. Für den 90-Jährigen bedeutete das noch einmal erhebliche Strapazen. „Ich war wirklich mit meinen Kräften am Ende.“

Obwohl er gefragt habe, ob es nicht möglich sei, ihn in Lengerich erneut ins Krankenhaus zu bringen, sei er nachts samt Gepäck an seiner Wohnung im Altenzen-trum Haus Widum abgesetzt worden. Die beiden Fahrer seien dann sofort wieder weg gewesen. Robert Wagner betätigte den Hausnotruf. Als eine Mitarbeiterin des Hauses erschien, habe die nur erschrocken gesagt „Oh Gott, wie sehen sie denn aus?“. Verwandte wurde benachrichtigt. Schnell war klar, Robert Wagner musste in die Helios-Klinik.

Was für ihn nach der Ankunft dort das Größte war: „Ich habe das erste Mal nach über zehn Tagen wieder richtig gegessen.“ Der 90-Jährige bekam erneut Infusionen, wurde Schritt für Schritt wieder aufgepäppelt. Durch das lange Liegen hatte sich derweil Flüssigkeit in den Beinen angesammelt. Dick und hart seien die gewesen, erzählt der Lengericher, der inzwischen zurück in seiner Wohnung ist. Dank Medikamenten hat sich auch dieses letzte gesundheitliche Problem gelöst.

Eines steht für ihn nun fest. Mit dem vielen Reisen hat es ein Ende, „das habe ich mir geschworen“. Er sagt das daheim auf dem Sofa mit einem zufriedenen Lächeln. „Ich bin einfach nur froh, wieder hier zu sein.“ So soll es nun bleiben.

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