Chopin-Konzert mit Kiyomi Kudo Helms
Die unbekannte Seite des Komponisten

Lengerich -

„Der unbekannte Chopin“ hat Kiyomi Kudo Helms ihr Konzert betitelt. Die Pianistin überraschte und begeisterte das Publikum mit einer Auswahl von Kompositionen von Frédérik Chopin, die nur selten zu hören sind.

Dienstag, 13.10.2020, 12:58 Uhr aktualisiert: 14.10.2020, 16:42 Uhr
Mit eher selten gespielten Kompositionen von Chopin begeisterte Kiyomi Kudo Helms das Publikum in Lengerich. Maximilien Greshake unterstützte sie mit versierten Einführungen in die Werke.
Mit eher selten gespielten Kompositionen von Chopin begeisterte Kiyomi Kudo Helms das Publikum in Lengerich. Maximilien Greshake unterstützte sie mit versierten Einführungen in die Werke. Foto: Axel Engels

Chopin von einer ganz anderen Seite – Kiyomi Kudo Helms ist weit über die Grenzen Lengerichs bekannt für ihre exquisiten Chopin-Rezitationen. Ihre Konzerte im Martin-Luther-Haus sind schon Tradition, die Resonanz bei den Musikliebhabern am Sonntagnachmittag dementsprechend groß.

Diesmal hatte sie ganz akribisch aus dem großen Oeuvres von Frédérik Chopin Werke ausgesucht, die man in dieser Kombination wohl nicht im „normalen“ Konzertbetrieb hören kann. „Der unbekannte Chopin“ hatte sie das Programm betitelt und bot auf hohem künstlerischen Niveau dem begeisterten Publikum einen Einblick in Werke, die vielleicht nicht beim breiten Publikum populär sind, aber trotzdem einen ganz besonderen Reiz haben.

Unterstützt wurde sie von Maximilian Greshake, der sich akribisch und mit großem Sachverstand mit den Werken und ihrer Entstehung beschäftigt hat. Seine versierten Einführungen machten den Einstieg in die Werke leichter, bot er einen feinsinnigen Einblick auch in unbekannte Seiten im Leben des großen Komponisten.

Mit den 1893 als Beitrag für das Klavierlehrbuch von Ignaz Moscheles geschriebenen „Trois nouvelles études“ eröffnete Kiyomi Kudo Helms das Konzert. Weniger technisch konzipiert als Opus 10 und 25 sind sie doch typisch für Chopin. Den eher intimeren Charakter wusste Kiyomi Kudo Helms mit kultiviertem Anschlag herauszuarbeiten.

Als filigrane Miniatur erklang die „Ecossaise op. 72 Nr. 3“. Bei den „Variations brillantes op. 12“ brachte Kiyomi Kudo Helms ihre ganze Virtuosität ein. Sehr kon­trastreich gestaltete sie die einzelnen Variationen, kleidete sie in ein authentisches klangliches Gewand.

Mit Temperament und Leidenschaft spielte sie den überaus anspruchsvollen „Bolero op. 19“, der zu den „Lieblingsstücken“ im Repertoire von Arthur Rubinstein zählte und ganz hohe spieltechnische Ansprüche beinhaltet. Dieses 1833 der Mademoiselle la Comtesse Émilie de Flahaut gewidmete Werk zeigt bei aller Lebendigkeit und mediterranen Klangfülle doch starke polnische Elemente. Diese wurden im Spiel von Kiyomi Kudo Helms überaus transparent. Zu keinem Zeitpunkt überzog die sympathische Künstlerin den dynamischen Spannungsbogen, waren selbst starke Kontraste sehr feinsinnig in den Melodiefluss integriert.

Für eine eher intimere Atmosphäre sorgte dann der „Marche funèbre op. 72 Nr. 2“sowie das „Impromputs op. 36 Nr. 2“. Mit einer grandiosen Interpretation der „Tarantella op. 43“ beendete Kiyomi Kudo Helms diesen hoch interessanten Einblick in unbekanntere Werke von Chopin. Sie hat für viele Besucher das „Bild“ von Frédérik Chopin um eine klangmalerische und stimmungsvolle Facette bereichert. Kiyomi Kudo Helms bedankte sich für den fulminanten Applaus mit zwei sehr bekannten Chopin-Etüden aus op. 25 und op. 10. Solch ein Programm hört man selten und Chopin-Interpretationen auf solch hohem Niveau sicherlich auch nicht oft.

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