Karl-Heinz Horstkotte war 36 Jahre im Stadtrat
Der Start war kein Zuckerschlecken

Dienstag, 13.10.2020, 17:36 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 16:00 Uhr
Karl-Heinz Horstkotte daheim. Seine Familie habe sein politisches und gewerkschaftliches Engagement immer mitgetragen. „Dafür bin ich ebenso dankbar wie für das vertrauen, dass mir die Menschen in meinem Wahlkreis die ganzen Jahre hindurch geschenkt haben.“
Karl-Heinz Horstkotte daheim. Seine Familie habe sein politisches und gewerkschaftliches Engagement immer mitgetragen. „Dafür bin ich ebenso dankbar wie für das vertrauen, dass mir die Menschen in meinem Wahlkreis die ganzen Jahre hindurch geschenkt haben.“ Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Bei der Kommunalwahl im September trat der 73-Jährige nicht mehr an. Vergangene Woche wurde er, zusammen mit weiteren scheidenden Ratsmitgliedern, von Bürgermeister Wilhelm Möhrke offiziell verabschiedet. Rückblickend auf die mehr als dreieinhalb Jahrzehnte, die er sich für die Stadt und deren Bürger engagiert hat, sagt er im Gespräch mit den WN : „Es hat Spaß gemacht, nicht immer, aber doch meistens.“

Dabei war der Start nicht gerade ein Zuckerschlecken. Karl-Heinz Horstkotte ist alter Gewerkschafter, war bei Dyckerhoff , wo er als Starkstromelektriker arbeitete, seit 1979 und bis zu seinem Ruhestand Betriebsratsvorsitzender, hatte darüber hinaus weitere Ämter in der IG Chemie/IG BCE inne. 1978 habe ihn ein Genosse gefragt, ob er nicht auch der SPD beitreten wolle. Horstkotte sagte ja.

Bis zum Ratsmandat war es da noch ein bisschen hin. Zunächst einmal sei damals für Neue wie ihn Plakatekleben und ähnliches angesagt gewesen. 1984 wagte er den entscheidenden Schritt; in einer Kampfkandidatur setzte er sich gegen den bisherigen Kandidaten im Wahlbezirk Grundschule Hohne durch. Der 73-Jährige erinnert sich noch gut an die entscheidende Parteiversammlung in der Mühle. 200 bis 250 Menschen seien dabei gewesen, er musste eine Rede halten „und ich war übernervös“. Schließlich galt es für den noch recht jungen Mann, sich gegen einen etablierten Parteifreund durchzusetzen. „Da ging es wesentlich rauer als heutzutage.“ Doch offenbar überzeugte Horstkotte dort wie auch später bei den Wahlen die Bürger in seinem Wahlkreis.

Über seine erste Periode im Rat sagt der Hohner, dass er zunächst einmal zugehört und sich dabei ein Bild vom Ganzen gemacht habe. Während einer Fraktionssitzung kam es einmal zu einer Ausnahme von dieser Regel, „ich ergriff das Wort und erntete böse Blicke“. Dass es recht streng zuging und die Hierarchien klar waren, lässt sich auch an einem anderen Beispiel ablesen: Bei den Zusammenkünften der Fraktion habe es praktisch immer eine 100-prozentige Anwesenheit gegeben. „Urlaub musste beim Fraktionsvorsitzenden angemeldet werden.“ Wer die nötige Disziplin nicht mitbrachte, musste mit Konsequenzen rechnen, denn, so Horstkotte, „damals konnte man sich die Kandidaten für den Rat noch aussuchen“.

All das habe er so aus der Gewerkschaftsarbeit nicht gekannt, „das war schon eine Umstellung“. Vor den Kommunalwahlen 1989 sei er deshalb durchaus „wankelmütig“ gewesen, ob er weitermachen sollte oder nicht. Doch es habe auch Appelle an ihn gegeben, wieder anzutreten – und so kam es dann. Nach dem Urnengang wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Über die Jahre arbeitete Horstkotte in vielen Ausschüssen mit, wurde Mitglied beziehungsweise stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke und bei der Bäder- und Wasser GmbH, saß im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse. Er wisse gar nicht mehr, welche Funktionen er alle inne gehabt habe, versichert der Polit-Ruheständler. Wichtiger als Ämter seien ihm ohnehin die Ergebnisse der Arbeit gewesen. Auf die Frage, was denn wichtige und gute Projekte gewesen seien, nennt er beispielhaft den Teutopark an der A1 und das Gewerbegebiet Lohesch, die Umwandlung der Gempt-Halle in einen Veranstaltungsort und zuletzt die Entscheidung, für die Gesamtschule einen Neubau zu errichten.

Bei der Analyse der Ist-Situation schaut Karl-Heinz Horstkotte vor allem auf die Gebiete Lengerichs abseits des Zentrums. Für Hohne stellt er fest, dass ein gleichwertiger Ersatz für die abgerissene Fußgänger- und Fahrradbrücke auf jeden Fall kommen müsse. Mit Blick auf das große Ganze konstatiert er, dass mehr als die Hälfte der Lengericher nicht direkt in der Stadt wohnt, sondern in den Ortsteilen. Bei allen wichtigen Investitionen im Kern der Kommune, dürften Politiker und Verwaltung – Horstkotte nennt ausdrücklich auch den Bürgermeister – das nicht außer Acht lassen. Um dem Gefühl der Vernachlässigung vorzubeugen, könnten die Parteien dort beispielsweise regelmäßig Bürgerversammlungen abhalten oder der Bürgermeister zur Sprechstunde einladen. Denn die Nähe zu den Bürgern, das habe er in 36 Jahren Stadtrat gelernt, sei das A und O in der Lokalpolitik.

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