Wie Lengericher die Corona-Pandemie bewerten
Unterstützung für verschärfte Regeln

Donnerstag, 15.10.2020, 17:17 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 15:58 Uhr
Das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Berlins Bürgermeister Michael Müller (links) und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder am Mittwochabend an neuen Corona-Maßnahmen verkündete, bewerteten Lengericher Bürger am Donnerstag weitgehend positiv.
Das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Berlins Bürgermeister Michael Müller (links) und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder am Mittwochabend an neuen Corona-Maßnahmen verkündete, bewerteten Lengericher Bürger am Donnerstag weitgehend positiv. Foto: dpa

Die Westfälischen Nachrichten wollten am Tag, an dem das Robert-Koch-Institut mit 6638 Neuinfektionen einen neuen Rekordwert vermeldet hat, von Passanten wissen, wie sie mit der Pandemie umgehen und was sie von den Beschlüssen halten, die am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder vereinbart hat. Die Mutter eines kleinen Kindes beschrieb mit ihrer humorigen Analyse eine durchaus verbreitete These: In einem Ort wie Lengerich ist das Risiko, dass Corona zuschlägt, wesentlich geringer als in großen Städten.

Aktuell sprechen dafür auch die Zahlen des Kreises. Die Behörde teilte am Donnerstag mit, dass in Lengerich momentan niemand nachweislich infiziert ist. Ebenso ist es in Tecklenburg. In Ladbergen sind es zwei, in Lienen sieben Personen.

Vielleicht ein Grund dafür, dass zwar fasst alle Befragten sagten, sie würden sich über die Ausbreitung des Virus und die Folgen schon Gedanken machen, aber das Wort „Sorgen“ verwendet lediglich eine 87-Jährige. Sie betont, dass sie morgens als erstes in der Zeitung nach den aktuellen Fallzahlen in Lengerich und Umgebung schaue und dass sie für „strenge Maßnahmen“ zur Bekämpfung der Pandemie sei. Dann erzählt die Seniorin Trauriges: Zwei Verwandte habe sie bereits durch das Virus verloren. Dass es gleichwohl Menschen gibt, die gegen die Einschränkungen demonstrieren oder sogar die Gefahren leugnen, „kapiere ich überhaupt nicht“.

Wenig weiter sitzen eine 77-Jährige und die 26-jährige Schwiegertochter zusammen. Die jüngere der beiden Frauen erzählt, dass sie erst zwei Wochen aus dem Urlaub auf Kreta zurück sei. Schön und entspannend sei es auf der Mittelmeerinsel gewesen – trotz Corona. „Es gab keine großen Einschränkungen.“ Übereinstimmend sprechen die Lengericherinnen bei den Corona-Regeln von einem „Gewöhnungseffekt“, der inzwischen eingetreten sei. „Ich habe in jeder Jacke eine Maske griffbereit“, nennt die 77-Jährige ein Beispiel. Und da sie zusammen mit der Familie „oben auf dem Berg“ wohne – „jeder hat seine eigene Wohnung“ – und sie ansonsten kaum Kontakte habe, sehe sie für sich keine große Infektionsgefahr.

Bei einem 40-Jährigen scheint es zunächst so, als ob er Corona für ein nicht so großes Problem hält. Denn bei der Frage nach der Einschätzung der Lage verweist der Lengericher darauf, dass es ja auch immer wieder Tausende Grippe-Tote im Land gebe. Doch damit will er nur erklären, warum er sich in Bezug auf die eigene Person eher wenig Gedanken macht. Ansonsten, sagt der Mann, sei er dafür, dass es klare und harte Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gibt. Konkret meint er, dass es angesichts der erwartbar steigenden Zahlen jetzt im Herbst zuvor im Sommer keine umfangreichen Erleichterungen hätte geben sollen. „So haben wir nun dieses Hin und Her“ statt einer stringenten Strategie.

„Es war zu befürchten“, kommentiert ein 64-Jähriger die stark steigenden Zahlen in Deutschland ähnlich. Weil diese Entwicklung so eingetreten sei, sei es auch richtig, dass die Politik am Mittwoch gehandelt habe. Ohnehin, so seine Einschätzung, könne man angesichts der teils dramatischen Entwicklungen in den Nachbarländern, der medizinischen Kapazitäten in Deutschland und auch der recht robusten wirtschaftlichen Lage froh sein, hier zu leben.

Unterwegs war gestern auch Renate Hüttemann. Die stellvertretende Bürgermeisterin ging mit einem Enkelsohn durch die Stadt. Zu den Entscheidungen in Berlin meint sie, es sei gut gewesen, dass die Kanzlerin den Ernst der Lage noch einmal sehr deutlich gemacht habe. Hüttemann spricht von „Respekt“, den sie in Bezug auf die Gefahren durch das Corona-Virus habe. Wichtig sei es, dass die Menschen aufeinander Rücksicht nehmen. „Es wäre fatal, wenn wir aufgrund von Fahrlässigkeit zu einem Hotspot würden.“ Ihr Eindruck: In Lengerich verhalten sich die meisten Bürger vernünftig und sind diszipliniert.

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