Radverkehr in Lengerich: Kreis bessert Konzept nach
Kommt da was ins Rollen?

Freitag, 16.10.2020, 15:52 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 16:01 Uhr
Wer mit dem Fahrrad die Bergstraße Richtung Leeden hochfährt, muss sich die Fahrbahn mit dem Kraftverkehr teilen. In das Radverkehrskonzept des Kreises ist nachträglich der Bau eines Radweges an dieser Strecke aufgenommen worden, nachdem es aus Lengerich entsprechende Rückmeldungen gegeben hat.
Wer mit dem Fahrrad die Bergstraße Richtung Leeden hochfährt, muss sich die Fahrbahn mit dem Kraftverkehr teilen. In das Radverkehrskonzept des Kreises ist nachträglich der Bau eines Radweges an dieser Strecke aufgenommen worden, nachdem es aus Lengerich entsprechende Rückmeldungen gegeben hat. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Aber es gibt auch die andere Seite. Zum Beispiel auf der Osnabrücker Straße nach dem Ortsausgangsschild. Wer auf der Hauptverkehrsader mit seinem Drahtesel den Berg hoch strampelt, wird das kaum als Freude empfinden. Vor allem dann nicht, wenn vor und hinter einem der Kraftverkehr auftaucht und man hofft, dass nun nicht auch noch zum Überholmanöver angesetzt wird. Denn der Mindestabstand von zwei Metern (außerorts) lässt sich dort sicher nicht einhalten.

Eine Aktion wie das „Stadtradeln“, an der, wie berichtet, im September mehr als 500 Menschen teilgenommen haben, lässt erahnen, dass in Lengerich noch einiges an Radfahrer-Potenzial schlummert. Ob es geweckt werden kann, dürfte nicht zuletzt daran liegen, ob die Infrastruktur den Bedürfnissen der Menschen, die mit dem Zweirad unterwegs sind oder sein wollen, angepasst wird.

Im Kommunalwahlkampf haben alle vier im Rat vertretenen Parteien in ihren Programmen angekündigt, sich entsprechend engagieren zu wollen. Bei der SPD heißt es beispielsweise: „Wir setzen uns dafür ein, dass das Fahrrad als Fortbewegungsmittel stärker genutzt wird. Das Lengericher Radwegenetz muss weiter ausgebaut und verbessert werden. Gerade Radwege über den Teuto in Richtung Niedersachsen und in unsere benachbarten Kommunen dienen der Sicherheit und sind ein weiterer touristischer Anreiz.“

Doch da der jeweilige Straßenlastträger für den Radwegebau zuständig ist, wird es kaum reichen, wenn sich die Stadt dieses Thema künftig verstärkt auf die Fahnen schreibt. Ein wichtiger Baustein könnte das Radverkehrskonzept des Kreises sein. Das berücksichtigt die verschiedenen Verantwortlichkeiten und benennt, wo aus Sicht der Experten Bedarfe bestehen.

Vor fast einem Jahr wurde in Lengerich über den Entwurf dieses Konzeptes in der Lokalpolitik beraten. Zudem hatten Bürger die Möglichkeit, sich online zu beteiligen. Danach ging es darum, die Pläne zu überarbeiten, um Einwände und Ideen einzufließen zu lassen.

Udo Schneiders vom Umwelt- und Planungsamt des Kreises ist einer der Fachleute, die das Vorhaben begleiten. Er sagt, dass es gut gewesen sei, dass, wie in Lengerich geschehen, der Entwurf vor Ort „intensiv und kritisch“ durchleuchtet worden ist. Unter anderem sei dabei stärker in den Fokus gerückt worden, dass die Fahrrad-E-Mobilität gerade auch im Bereich des Teuto „ganz neue Möglichkeiten im Alltagsverkehr eröffnet“.

Die Rückmeldungen haben auch konkrete Auswirkungen. Im sogenannten Maßnahmenkataster für Lengerich findet sich zusätzlich zu den zuvor bereits beschriebenen Maßnahmen die Verbindung über die Berg- und Herkenstraße nach Leeden. Dazu heißt es: „Neubau eines Radwegs aufgrund hoher Unfallwahrscheinlichkeiten wegen Kurvigkeit und Sichtbarkeiten.“

Damit erhöht sich die Zahl der Maßnahmen auf insgesamt 15 in Lengerich. Schwerpunkte bleiben die Ladberger und die Tecklenburger Straße, die zu den sogenannten Haupt-/Velorouten im Kreis gehören. Unter anderem geht es in beiden Fällen um den „Neubau eines baulichen Radwegs gemäß der Qualitätsstandards für Haupt-/Velorouten auf drei Meter Breite“.

Bei der Frage, inwieweit mit einer Umsetzung der aufgeführten Projekte überhaupt zu rechnen ist, äußert sich Schneiders offensiver als noch Ende 2019. Damals sagte er, darüber habe am Ende die Politik zu entscheiden. Nun verweist er auf einen Beschluss des Kreistages, dass das Konzept in Abstimmung mit den Straßenlastträgern und den Kommunen umgesetzt werden soll. Schlussendlich wäre es wieder Sache des Kreistages, eine Realisierung abzusegnen. Zu klären bliebe zudem immer auch die Finanzierung der Maßnahmen, sprich wer zahlt. Dazu stellt Scheiders fest, dass Bund, Land und Regionalrat dem Fahrrad inzwischen einen „deutlich höheren Stellenwert“ beimessen als noch vor ein paar Jahren.

Um abzuschätzen, ob ein Vorhaben eine Chance hat, in absehbarer Zeit umgesetzt zu werden, können verschiedene Einordnungen aus dem Maßnahmenkataster helfen. So gibt es Prioritätspunktzahlen und die Prioritätenstufen „hoch“, „mittel“ und „niedrig“ sowie die Programmstufen „Kurzfristmaßnahme“, „Mittelfristmaßnahme“ und „Perspektivische Maßnahme“. Der Bau eines Radweges entlang der Osnabrücker Straße beispielsweise bekommt acht Punkte, wird als „mittel“ eingestuft und als „Perspektivische Maßnahme“. Udo Schneiders warnt allerdings davor, daraus zu einfache Rückschlüsse zu ziehen.

So beinhaltet das Konzept auch kleine Maßnahmen, die sich schnell und unkompliziert abarbeiten lassen. Was aber nichts über deren Wichtigkeit aussage. Ebenso könne es sein, dass ein Vorhaben viel Planungs- und Bauzeit brauche – „etwa der Komplettneubau eines Radweges“ –, also „perspektivisch“ angelegt sei, gleichwohl aber eine hohe Bedeutung habe.

Insgesamt umfasst das Konzept mehr als 600 Einzelmaßnahmen. Als erstes in Angriff genommen wird aktuell bereits das Projekt „Triangel“ im Westen des Kreises. Dafür fließen Bundesmittel. Schneiders spricht noch von zwei, drei anderen Maßnahmen. In Lengerich ist derzeit noch nichts so weit gediehen. Immerhin, Schneiders kündigt an, dass in Kürze mit den Kollegen vom Bauamt des Kreises überlegt werden soll, wo schon recht kurzfristig etwas gemacht werden kann.

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