Land unterstützt Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“
Finanzmittel für einen Juristen

Lengerich -

Das Land unterstützt die Arbeit des Lengericher Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“. Das Geld soll zur Finanzierung einer halben Juristenstelle verwendet werden. Der Verein berät Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa, die in der Fleischindustrie, in der Logistik, in der Gebäudereinigung und anderen Branchen arbeiten.

Donnerstag, 05.11.2020, 12:57 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 13:00 Uhr
Die Fleischindustrie gehört zu jenen Branchen, die der
Die Fleischindustrie gehört zu jenen Branchen, die der Foto: dpa

Das Land unterstützt die Arbeit des gemeinnützigen Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ mit der Finanzierung einer halben Juristenstelle. Laut Pressemitteilung ist die Unterstützung auf zwei Jahre ausgelegt. Der Bescheid darüber ist Anfang der Woche bei den Verantwortlichen eingegangen.

Der Verein berät Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa, die in der Fleischindustrie, in der Logistik, in der Gebäudereinigung und anderen Branchen arbeiten und „häufig ausgebeutet und abgezockt werden“, wie es seitens des Vereins heißt. Die Beratungen, die kostenlos sind, befassen sich mit Pro-blemen wie vorenthaltenem Lohn, nicht gewährtem Urlaub oder Kündigung im Krankheitsfall, aber auch mit Mietwucher, Verstößen gegen Arbeitsschutzbestimmungen oder Höchstarbeitszeiten. Die Betroffenen werden, wenn nötig, bis vor Gericht begleitet und vertreten.

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Düsseldorf hatte die Förderung in Aussicht gestellt und angeschoben, um in einem Pilotprojekt den Ansatz des Lengericher Vereins hervorzuheben und auf seine Wirksamkeit hin zu überprüfen. „Einen Juristen, der als Arbeitsrechtler langjährige Erfahrungen mitbringt und die Sache unseres Vereins im Sinne der Klienten voll unterstützt, haben wir bereits gefunden“, sagt Heiner Verhorst, selbst Jurist und Vorstandsmitglied. Er zeigt sich überzeugt: „Die Förderung durch das Land erhöht deutlich unsere Schlagkraft.“ Zudem betont er, dass das Ministerium sehr interessiert an den Erfahrungen des Vereins sei.

Pfarrer Peter Kossen wählt als Vorsitzender des Vereins deutliche Worte: „Die Sklaventreiber und Abzocker der Arbeitsmigranten in der Region und darüber hinaus können sich warm anziehen. Bisher galt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Das ist vorbei! Wir machen die Betroffenen stark, damit sie ihre Rechte einklagen können.“

„Aktion Würde und Gerechtigkeit“ wurde Anfang 2019 gegründet und hat nach eigenen Angaben mehr als 200 Mitglieder. „Der Missbrauch von Werkvertrags- und Leiharbeit zum Zweck von Lohn- und Sozialdumping empört unsere Mitglieder und ehrenamtlichen Mitarbeiter täglich von Neuem. Menschen werden angemietet, verschlissen und dann entsorgt – wie Maschinenschrott“, sagt Heiner Verhorst. „Wir wollen dazu beitragen, dass sie hier gute Arbeit und menschenwürdige Wohnungen finden und dass ihre Integration gelingt.“

Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres Aufgabenfeld des Vereins. Das Unrecht und die Verantwortlichen beim Namen zu nennen, moderne Sklaverei sichtbar zu machen und die Untätigkeit des Staates zu skandalisieren, sei ganz wichtig, heißt es weiter. „Gerade jetzt, da die CDU/CSU-Bundestagsfraktion das versprochene und überfällige Arbeitsschutzkontrollgesetz für die Fleischindustrie verzögert und mit der weiteren Ermöglichung der Leiharbeit ein großes Schlupfloch einbaut, braucht es die Sensibilisierung und den Druck der Öffentlichkeit“, erläutert Peter Kossen. „Der Sieg der Leiharbeits-Lobby wäre ein Skandal! Die Bevölkerung erwartet, dass der mafiöse Sumpf der Menschenschinderei endlich ausgetrocknet und die Arbeitsmigranten wirksam geschützt werden vor Ausbeutung und Mietwucher.“

Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ ist überregional tätig und arbeitet zusammen mit Beratungsstellen ähnlicher Ausrichtung. Die Arbeit des Juristen im Rahmen der Vereinstätigkeit soll auch den Kooperationspartnern zugutekommen. Das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium, das den Verein nun unterstützt, wird von Karl-Josef Laumann geführt. Der CDU-Politiker sprach im Mai 2019 bei der offiziellen Vorstellung von „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ in Lengerich und sagte bereits da seine Unterstützung zu.

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