Dauerthema Corona und Schulen: Das berichten Schulleiter
Erst mal Temperatur messen

Lengerich -

Schulen und Corona, das ist in den Medien derzeit ein Dauerbrenner. Kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Nachricht zu dem Thema für Schlagzeilen sorgt. Doch wie sieht es vor Ort aus? Die WN haben mit drei Lengericher Schulleitern gesprochen.

Samstag, 14.11.2020, 05:42 Uhr aktualisiert: 14.11.2020, 05:50 Uhr
Freitagmittag am Schulzentrum. Unterrichtsschluss, der Bus kommt. Von Abstandhalten keine Spur, stattdessen Gedränge am Eingang. Das Problem ist lange bekannt, Abhilfe lässt aber weiter auf sich warten.
Freitagmittag am Schulzentrum. Unterrichtsschluss, der Bus kommt. Von Abstandhalten keine Spur, stattdessen Gedränge am Eingang. Das Problem ist lange bekannt, Abhilfe lässt aber weiter auf sich warten. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Von montags bis freitags jeden Morgen das selbe Prozedere. Erst kommen die Dritt- und Viertklässler um 8.15 Uhr und stellen sich vor Unterrichtsbeginn zum Messen der Körpertemperatur auf, dann um 8.30 Uhr die Kinder der ersten und zweiten Klassen. Das ist eine der Maßnahmen, die an der Grundschule Intrup eingeführt worden sind, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Verpflichtend ist das nicht an den Bildungseinrichtungen des Landes. Schulleiter Roland Hennig spricht vom „gesunden Menschenverstand“, den man in seinem Haus walten lasse, als es um die Umsetzung der Idee ging.

Es ist ein Beispiel dafür, dass abseits all der Vorgaben, die von der Landesregierung kommen, und all der Diskussionen, die derzeit über die Schulen und ihre Rolle in der Corona-Pandemie geführt werden, vor Ort versucht wird, das Beste aus der Situation zu machen.

Fast täglich gibt es derzeit Neues. Eine kleine Aufzählung aus dieser Woche: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer gab bekannt, dass die Weihnachtsferien zwei Tage eher anfangen, um die Ansteckungsgefahr vor dem Fest zu verringern. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sprach sich für eine Maskenpflicht im Unterricht auch an Grundschulen aus. Und der Deutsche Lehrerverband vermeldete, dass sich mehr als 300 000 Schüler in Quarantäne befinden. Zugleich warnte Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Verbandes, davor, an Schulen die Schutzmaßnahmen lascher zu handhaben als in anderen Bereichen.

Wie sehen all das Roland Hennig und seine Kollegen Angelika Elsermann (Hannah-Arendt-Gymnasium) und Dr. Werner Peters (Gesamtschule)? Im Gespräch mit den WN machen die drei Schulleiter unter anderem eines deutlich: Das Recht auf Bildung sei ein hohes Gut. Und sie sagen übereinstimmend, dass die Stimmung sowohl unter den Schülern als auch in den Kollegien trotz aller Einschränkungen gut sei. Es habe sich, so ihre Einschätzung, so etwas wie ein Corona-Alltag an den Schulen eingespielt. Gleichwohl wird die Gesamtsituation teilweise durchaus kritisch gesehen.

So möchte Peters an seiner Schule am liebsten „Hybrid-Unterricht“ einführen. Das hieße, die eine Hälfte der Schüler befindet sich im Präsenzunterricht, die andere daheim im Homeschooling. Das würde nach Ansicht des Schulleiters einiges vereinfachen, zum Beispiel für mehr Distanz in den Klassenräume sorgen und so eine Maskenpflicht während des Unterrichts obsolet machen. Getestet werden soll dieses Modell noch in diesem Monat an einem Tag, erzählt Peters. Bewährt es sich wie gewünscht, hofft er darauf, dass auch die Politik ihren Segen gibt für den Hybridunterricht.

Sie schaue von Tag zu Tag, nennt Angelika Elsermann ihr Rezept für die Corona-Zeit. Den früheren Beginn der Weihnachtsferien sieht sie „ganz entspannt“, auch wenn nun Klausuren verlegt werden müssen. Bislang habe die Pandemie das Schulleben nicht hart getroffen. Zwei, drei Schüler seien zwischenzeitlich zwar positiv getestet worden, gravierende Folgen habe das aber nicht gehabt. Die Fälle seien in den Ferien aufgetreten und „die Schüler haben sehr verantwortungsvoll reagiert“.

Nach den Erfahrungen des Frühjahrs, als die Schulen in Deutschland wochenlang geschlossen waren, so ihre Einschätzung, sei jetzt bei vielen Schülern die Freude groß, Präsenzunterricht zu haben – und so auch viele soziale Kontakte. Ob das so bleibt? Elsermann und ihre Kollegen wollen ungern spekulieren. Die HAG-Leiterin sagt jedoch, dass das Gymnasium aufs Homeschooling vorbereitet sei.

Auf Nummer sicher geht man in Intrup ebenfalls. Jüngst erst habe er Arbeitshefte bestellt, die die Schüler daheim für den Unterricht verwenden können, konstatiert Roland Hennig. Er hofft jedoch, dass das nicht notwendig wird. Zu den weiteren Maßnahmen, die die Schule vor 14 Tagen aus eigenem Antrieb und nach Absprache mit der Schulaufsicht eingeführt hat, gehört die Entscheidung, dass die Klassen ausschließlich von ihren Klassenlehrern unterrichtet werden. Sollte dann ein Infektionsfall auftreten, könnten fällig werdende Quarantänen zumindest begrenzt werden, so der Plan.

Wenig hält Hennig vom Karliczek-Vorschlag, die Maskenpflicht auch an Grundschulen einzuführen. Er nennt das ein „No-Go“, glaubt, dass es gerade bei den Jüngsten „nicht gut geht“.

Werner Peters berichtet bereits von Problemen durch die Maskenpflicht bei den Älteren. Besonders über Kopfschmerzen würden Schüler klagen, „und bei den meisten halte ich das für glaubwürdig“. Das wiederum führe dazu, dass die Konzentration leide. In Verbindung mit den zeitaufwendigen Hygienemaßnahmen führe das dazu, dass der Lehrstoff nicht so zügig wie sonst üblich durchgenommen werden könne.

Zum Thema Lüften stellen die Schulleiter fest, dass das recht ordentlich klappe, allerdings macht Peters auch dabei leichte Einschränkungen – und prophezeit für den Winter, dass die Schüler dann mit dicken Jacken und Schals im Unterricht sitzen werden. Wenn sie denn noch kommen können und dürfen.

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