DRK-Kreischef Johannes Hille geht in den Ruhestand
Beim Suchdienst fing alles an

Tecklenburger Land -

Seit 37 Jahre arbeitet Johannes Hille nun für einen der größten Wohlfahrtsverbände in Deutschland, die letzten 17 Jahre an der Spitze des DRK-Kreisverbands Tecklenburger Land. Ende dieses Monats geht der gebürtige Ibbenbürener in Ruhestand.

Donnerstag, 19.11.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 20.11.2020, 17:46 Uhr
Johannes Hille war 17 Jahre lang Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Tecklenburger Land. Ende November geht er mit 64 Jahren in den Ruhestand
Johannes Hille war 17 Jahre lang Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Tecklenburger Land. Ende November geht er mit 64 Jahren in den Ruhestand Foto: Linda Braunschweig

Ein Leben so ganz ohne Deutsches Rotes Kreuz ? Johannes Hille weiß noch nicht so recht, wie das werden wird. 37 Jahre arbeitet er nun für einen der größten Wohlfahrtsverbände in Deutschland, die letzten 17 Jahre an der Spitze des DRK-Kreisverbands Tecklenburger Land. Als dessen Vorstandsvorsitzender geht der gebürtige Ibbenbürener Ende dieses Monats in Ruhestand. Seine bisherige Stellvertreterin Bernadette Wiegand übernimmt.

Hille fing 1983 als Sachbearbeiter im Suchdienst beim DRK an. Da hatte er eine Ausbildung zum Kaufmann im Autohaus Deitert und acht Jahre als Soldat in Münster schon hinter sich. Zufällig habe der damalige DRK-Chef an der Tankstelle, wo Hilles Vater arbeitete, diesem von der vakanten Stelle berichtet, erinnert sich Hille. So landete er beim Kreisverband, arbeitete sich durch die verschiedenen Abteilungen, wurde stellvertretender Geschäftsführer und übernahm dann „einen richtig guten Verband“.

Damals habe er sich vorgenommen, jeden Ortsverein einmal im Monat zu besuchen, sagt Hille schmunzelnd. „Das habe ich nicht mal ansatzweise geschafft.“ So viel war zu tun. Haupt- und Ehrenamt ist wohl nirgends so eng und umfangreich verflochten wie beim Roten Kreuz. „Mein Ehrenamt“ wie Hille die vielen Aktiven in den 22 Ortsvereinen nennt, sei ihm stets das Wichtigste gewesen. Das Hauptamt aber ist es, das der heute 64-Jährige mit seinem Team in den vergangenen 17 Jahren deutlich ausgebaut hat.

170 Mitarbeiter übernahm Hille, als er 2003 die Nachfolge von Wolfgang Peukert antrat. Heute sind es knapp 700. Die Zahl der Kindergärten ist von fünf auf elf gewachsen – zwei davon in Lengerich –, das Wohnen für Menschen mit Behinderung ist hinzugekommen und 100 Mitarbeiter sind allein in der Integrationshilfe tätig, drei Kleidershops (einer in Lengerich) gehören heute zum Angebot, das DRK arbeitet in 33 Gebäuden. „Das macht mich auch ein bisschen stolz“, sagt Hille. Wobei er unterstreicht, dass das DRK die Bedarfe nie „geschaffen“ habe, sondern diese vorhanden waren und der Kreisverband dann darauf reagierte.

„Menschen helfen“ sei stets sein Grundsatz gewesen, sagt Hille. Gleichzeitig musste er zusehen, dass das Ganze auch wirtschaftlich blieb. 20 Millionen Euro Umsatz hat der Kreisverband mit seiner GmbH heute.

In den 17 Jahren an der Spitze des Kreisverbands gab es einige Höhepunkte. Gefragt nach einem Tiefpunkt, muss Hille nicht lange überlegen: Die Vorfälle im Kindergarten Weltentdecker in Ibbenbüren, die ein Fernsehbeitrag 2018 aufdeckte. Die Folgen sind ihm nur zu gut in Erinnerung.

Was aber überwiegt, sind die guten Erinnerungen und das schöne Gefühl, mit den Mitarbeitern und dem Ehrenamt eine Menge bewegt zu haben. Hille geht davon aus, dass der Wachstumsprozess beim Kreisverband weitergeht. Allein schon im Bereich Wohnen, wo das DRK bereits heute 100 Menschen mit Behinderung ein weitgehend eigenständiges Leben ermöglicht.

Dass es so gut läuft, hänge nur an den handelnden Personen, sagt Hille und lobt alle Mitarbeiter, aber vor allem seine Sekretärin Tatjana Hofmann, die ihm in all den Jahren eine wichtige Stütze gewesen sei. 40-Stunden-Wochen sind auf der Position unrealistisch.

Immer wieder tief beeindruckt ist Johannes Hille vom großen Einsatz der Ehrenamtlichen, sei es, wenn es darum geht, binnen Tagen eine Unterkunft für Flüchtlinge zu schaffen, oder den Bundeswettbewerb in Erster Hilfe nicht nur drei Mal zugewinnen, sondern ihn auch in Ibbenbüren auszutragen. Deshalb ist für Hille klar: „Das Ehrenamt braucht die finanzielle Unterstützung.“

Neben dem Ehrenamt hing Hilles Herz auch an der Lettland-Hilfe – 25 Mal ist er dort gewesen – und an der Altkleidersammlung. Dass er all das nun in Bernadette Wiegands Hände geben kann, gibt ihm ein „gutes Gefühl“. Es müsse jemand an der Spitze stehen, der „weiß, wie wir ticken“.

Auch wenn es beim DRK viele Möglichkeiten gebe, ist für Hille klar: „Ich gehe ganz“, damit seine Nachfolgerin ihren Job machen könne. Radfahren, wandern, schwimmen, Zeit für die Familie, die „zu kurz gekommen ist“, das hat Hille sich vorgenommen, wenn er am Freitag nächster Woche im ganz kleinen Kreis den Schlüssel für das Haus an der Groner Allee in Ibbenbüren abgibt.

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