Jugendarbeit: Stadt soll Sozialraumanalyse vorbereiten
Bloß kein negativer Zungenschlag

Lengerich -

In Lengerich hat die CDU vor über einem Jahr vorgeschlagen, dass die Stadt prüft, unter welchen Bedingungen ein Streetworker eingestellt werden könnte, der sich um Jugendliche kümmert. Über das Thema ist seitdem mehrfach diskutiert worden. Klar ist: Der Streetworker wird vorerst nicht kommen. Dafür soll eine sogenannte Sozialraumanalyse in Angriff genommen werden, die die Jugendszene untersucht.

Sonntag, 29.11.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:58 Uhr
Die Situation an der Pumptrack-Anlage hat im Sommer einige Anwohner auf den Plan gerufen. Die Stadt reagierte und stellte unter anderem ein Schild auf, auf dem Öffnungszeiten festgelegt sind und der Konsum von Alkohol und Rauschmitteln untersagt wird.
Die Situation an der Pumptrack-Anlage hat im Sommer einige Anwohner auf den Plan gerufen. Die Stadt reagierte und stellte unter anderem ein Schild auf, auf dem Öffnungszeiten festgelegt sind und der Konsum von Alkohol und Rauschmitteln untersagt wird. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Vor über einem Jahr hat die CDU-Ratsfraktion den Antrag gestellt, dass die Stadt prüfen soll, „in welcher Form und mit welchem Aufwand die Position eines ,Streetworkers‘ in Lengerich geschaffen werden kann“. Seitdem wurde vor allem im Ausschuss Soziales, Generationen, Sport eine Menge über das Thema diskutiert. Nun scheint es langsam konkret zu werden. Allerdings ist ein Streetworker erst einmal nicht in Sicht. Stattdessen soll in Form einer sogenannten Sozialraumanalyse untersucht werden, wo sich Jugendliche in Lengerich aufhalten, warum sie die entsprechenden Treffpunkte aufsuchen und wie sie dort(von Anwohnern) wahrgenommen werden.

Deutlich wurde während der jüngsten Debatte im Sozialausschuss, welch sensibles Terrain offenbar betreten wird. Insbesondere Andreas Kuhn betonte mehrfach, dass der „ordnungspolitische Aspekt“ nicht zu sehr in den Fokus gerückt werden dürfe und Jugendliche nicht als „Störfaktor“ definiert werden sollten. Dem widersprach niemand.

Klar ist indes auch, dass es in Lengerich ein paar Orte gibt, an denen Jugendliche zumindest von einigen Anwohnern als eben dieser „Störfaktor“ wahrgenommen werden. Erst im September sprach Bürgermeister Wilhelm Möhrke davon, dass die Situation an der kurz zuvor eingeweihten Pumptrack-Anlage „eskaliert“ sei. Insbesondere über Lärmbelästigungen wurde seinerzeit geklagt.

Ähnliche Diskussionen gab es auch schon an anderer Stelle, etwa beim Spielplatz an der Grundschule Intrup. Auch der Schulhof der Bodelschwingh-Realschule wurde zumindest in der Vergangenheit immer wieder einmal als problematisch eingeordnet. Und wenn sich junge Leute an der Stadtsparkasse treffen, empfinden das offenkundig nicht alle Lengericher als Zusammenkünfte, die ihnen gefallen.

Iris Echterhoff vom Kreis-Jugendamt, die der Stadt beim Projekt Sozialraumanalyse beiseite steht, sagte, dass externe Experten zunächst einmal nichts anderes täten, als genau zu schauen, was in der Kommune passiert. „Im besten Fall“ gebe es dann Handlungsempfehlungen: Sollte ein Streetworker eingestellt werden oder nicht? Sollte es mehr Angebote für Jugendliche geben? Sollte verstärkt der Dialog gesucht werden? Sollte das Jugendzentrum seine Öffnungszeiten erweitern? Antworten auf diese und andere Frage könnte die Analyse schlussendlich liefern. Dabei machte sie aber auch klar, dass je weiter die Aufgabenstellung gefasst wird, desto höher der finanzielle Aufwand für die Stadt ausfalle. In der Sachdarstellung für den Ausschuss nennt die Verwaltung eine Summe von maximal 21 000 Euro, zuvor war von 10 000 Euro die Rede. Vom Kreis könnte ein Zuschuss von 4000 Euro kommen.

Die Ausschussvorsitzende Sandra Kätker (Bündnis 90/Die Grünen) resümierte, dass es nun darum gehe, „den Blickwinkel zu ändern“. Im Vordergrund stehe für sie die Frage, was Jugendliche in Lengerich brauchen.

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