Kleine Umfrage: Fitness-Angebote und Corona
Die Einsamkeit des Sports

Lengerich -

Fitness-Studios gibt es mit unterschiedlichen Angeboten. In den aktuellen Corona-Zeiten ist ihnen eines gemein: sie haben geschlossen. Was sagen die Betreiber zur derzeitigen Situation?

Dienstag, 01.12.2020, 06:34 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:59 Uhr
Wie eine Verkaufsausstellung sehen die meisten Fitness-Studios in diesen Tagen aus. Dann wäre aber wenigstens etwas los....
Wie eine Verkaufsausstellung sehen die meisten Fitness-Studios in diesen Tagen aus. Dann wäre aber wenigstens etwas los....

Jens Schniedenharn fühlt sich „ein bisschen alleine gelassen.“ Da wird er in der Branche nicht der Einzige sein: „Wegen Unzufriedenheit gehen viele Mitglieder zurzeit und kommen wohl nicht wieder. Und wegen der Corona-Unsicherheit können wir keine Werbung machen. Die Soforthilfen der Regierung sind große Versprechungen, von denen noch nicht viel umgesetzt wurde.“ Er betreibt das Center of Martial Arts in Lengerich – Kampfsport in erster Linie, aber auch viele Fitnesskurse werden dort angeboten.

Mit dem Beginn des Teil-Lockdowns Anfang November mussten sie schließen, Kurse finden nur noch online statt.

Die gleiche Situation beschreibt Christian Mathews aus dem Vorstand des TV Lengerich: „Wir haben schon im ersten Lockdown unsere Mitglieder und Kunden per Youtube-Videos erreicht, jetzt bieten wir feste Termine über Zoom an.“

Und das komme gut an: „Die Videos wurden in der Spitze bis zu 1200 mal geklickt, in den ersten Übungseinheiten hatten wir 30 bis 35 Personen im Zoom-Chat.“ Vier Programme werden angeboten, unter anderem Bauch- und Stabilisationstraining sowie spezielle Gymnastik im Senioren-Bereich. Circa 2500 Mitglieder zählt der TV Lengerich insgesamt. Auch das vereinseigene Fitnessstudio wird gut frequentiert – in normalen Zeiten. „Normalität“ herzustellen war die Aufgabe des TVL Mitte des Jahres: „Als wir im Sommer wieder öffnen durften, hatten wir ein großes Konzept ausgearbeitet: Abstände markieren, Geräte desinfizieren, reichlich lüften und vieles mehr.“ Viel Geld und Zeit wurde in das Konzept gesetzt, Mathews sagt: „Das Konzept war super, die Mitglieder haben sich sicher gefühlt – auch die Älteren.“

Denn genau diese stehen in einigen Bereichen besonders im Vordergrund: „Wir legen einen besonderen Fokus auf den Gesundheitssport. Natürlich haben wir dann auch viele Menschen aus der Risikogruppe dabei. Das lief bis Ende November auch gut.“ Seit Mitte November durfte der Rehasport wieder geöffnet werden, aber auch Seniorinnen und Senioren machten sich mit der Technik vertraut und nehmen regelmäßig am Online-Training teil. Weitere Infos zu den Terminen gibt es übrigens auf der Homepage des Vereins – zu diesen Angeboten dürfen auch Nicht-Mitglieder kommen, so Matthews.

Etwas anders sieht die Situation beim „Center of Martial Arts“ aus. Auch das Studio bietet Online-Kurse an. Da die Einrichtung vermehrt auf Kampfsport ausgerichtet ist, würde Solo-Training in den eigenen vier Wänden aber nur bedingt Sinn machen. Schniedenharn sagt: „Ich kann die Mitglieder verstehen, die es komisch finden, wenn sie alleine vor der Kamera in die Luft boxen müssen. Von denen verlieren wir zurzeit einige.“

Techniken und Konditionen könnten zwar trainiert werden – das gesamte Training vollkommen zu ersetzen sei durch die Distanz-Stunden aber unmöglich: „Da fehlt einfach der persönliche Kontakt. Das ist alles sehr schade.“

Auch im Dezember dürfen sie nicht öffnen, Schniedenharn befürchtet aber noch mehr: „Eine Öffnung im Januar ist nicht realistisch. Das Problem werden wir noch länger haben.“

Eher zweifelnd sieht er den Entscheidungen entgegen: „Es ist nachgewiesen, dass sich niemand in Fitnessstudios angesteckt hat. Wir alle haben viel Zeit und auch Geld in Hygienekonzepte gesteckt. Vielleicht sollte man auch individueller entscheiden, was geschlossen und was offen bleiben kann.“

Genug lüften, Desinfektionsmittelspender und abgesteckte Bereiche zum sicheren Einhalten des Abstandes – an all dies hatte auch seine Einrichtung gedacht. Ein Beispiel für die Kosten: „Die teuren Kampfsportmatten, bei denen ein Quadratmeter etwa 30 Euro kostet, sind durch das Abkleben des Bandes verhunzt worden. Aber daran denkt kaum jemand.“

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