Schulprojekt „Extra.Klasse“ sucht neue Bleibe
Leidtragende sind die Schüler

Lengerich -

Das liebe Geld – eine wichtige Frage für Alex Weghorst, Nicole Moldenhauer, Heike Schmidtmeier und Dr. Werner Peters. Die vier sind Teil des Teams, das sich für das Projekt „Extra.Klasse“ engagiert. Derzeit können Räume in der ehemaligen Bodelschwingh-Realschule genutzt werden. Doch das Gebäude wird Mitte nächsten Jahres abgerissen. Jetzt wird eine neue Bleibe gesucht. Und Geld. Für die Miete.

Mittwoch, 09.12.2020, 17:36 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 17:40 Uhr
Das Projekt „Extra.Klasse“ nutzt derzeit noch Räume in der ehemaligen Bodelschwingh-Realschule. Doch das Gebäude wird mit Ablauf des Schuljahres abgerissen. Projektleiter Axel Weghorst, Klassenlehrerin Heike Schmidtmeier, Sozialpädagogin Nicole Moldenhauer und Gesamtschulleiter Dr. Werner Peters suchen deshalb neue Räume, um das erfolgreiche Projekt fortsetzen zu können.
Das Projekt „Extra.Klasse“ nutzt derzeit noch Räume in der ehemaligen Bodelschwingh-Realschule. Doch das Gebäude wird mit Ablauf des Schuljahres abgerissen. Projektleiter Axel Weghorst, Klassenlehrerin Heike Schmidtmeier, Sozialpädagogin Nicole Moldenhauer und Gesamtschulleiter Dr. Werner Peters suchen deshalb neue Räume, um das erfolgreiche Projekt fortsetzen zu können. Foto: Erhard Kurlemann

„Extra.Klasse“ heißt ein Schulprojekt in Lengerich, um das andere Kommunen die Stadt bestimmt beneiden. „Wir kümmern uns um Kinder und Jugendliche, die den Bezug zur Schule verloren haben“, erläutert der Leiter Axel Weghorst. Das vom Kreis finanziell unterstützte Vorhaben richtet sich an Schüler aus der Region, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligung oder zur Überwindung individueller Entwicklungskrisen auf Unterstützung im schulischen Zusammenleben angewiesen sind. „Derzeit sind das etwa 25 junge Menschen aus Lengerich, Tecklenburg, Ladbergen und Lienen sowie Einzelne aus Lotte, Westerkappeln, Greven und Saerbeck.“ Aktuell können für das Projekt Räume der Bodelschwingh-Realschule genutzt werden.

Jetzt suchen die Verantwortlichen eine neue Bleibe. „Mit Ablauf des Schuljahres wird das Gebäude abgerissen.“ Verschiedene Objekte seien bereits besichtigt worden, berichtet Dr. Werner Peters . „Es gibt Probleme, die Mietkosten zu decken“. Der Kreis investiert 20 000 Euro pro Jahr; das Team – Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter – ist vorhanden. „Ich gehe mal davon aus, dass es sich um eine Übergangsregelung von etwa einem Schuljahr handeln wird“, konkretisiert Peters.

Er könne sich dann vorstellen, dass das Projekt im Gebäude der ehemaligen Gutenberg-Schule gut aufgehoben sei. „Es gibt Überlegungen, dort die VHS und das Jugendzentrum unterzubringen.“ In wieweit das tatsächlich konkret werden könne, könne er allerdings nicht einschätzen.

„Der Bedarf für unsere Arbeit ist vorhanden“, sagt Heike Schmidtmeier, Klassenlehrerin der Klasse 9, in der die Schüler in Langzeitpraktika Erfahrungen in der Berufswelt sammeln sollen. „Alle bestätigen, das die Arbeit wichtig und gut ist.“ Nur: Das für die Arbeit notwendige Geld fehlt trotzdem; andere offizielle Stellen verwiesen auf die „freiwillige Leistung“, die durch das Projekt entstehe.

Dass „Extra.Klasse“ Potenzial besitzt, eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, zeigte sich im vergangenen Schuljahr, als 14 von 19 Jugendliche nach erfolgreichen Prüfungen einen Schulabschluss in der Tasche hatten (WN berichteten).

Nicole Moldenhauer ist als Sozialpädagogin in den Klassen 7 und 8 tätig. „Wir bekommen immer wieder Anfragen, ob wir noch Schüler aufnehmen können. In unserer Lage können wir keine Zusagen geben, eben weil die Zukunft des Projektes unsicher ist.“ Das sei für alle Beteiligten unbefriedigend. „Schuldistanz hat immer eine Geschichte. Und durch unsere Arbeit bemühen wir uns, ganz nah dran zu sein an den Kindern und Jugendlichen“. Ziel sei, sie wieder in eine Regelschule zu integrieren – und „ihnen so auch eine Perspektive zu geben.“

Gesamtgesellschaftlich betrachtet sei der finanzielle Aufwand für das Projekt gering, betont Werner Peters. „Eine fast lebenslange Unterstützung kommt der Gesellschaft viel teurer“. Und: „Das Angebot durch das Projekt kann eine normale Schule nicht leisten.“ Das Ergebnis könne sich in vielen Fällen sehen lassen: „Wir holen die Schüler in die Schule zurück.“

Inzwischen gibt es den Verein Extra.Bildung e. V.. „Der gewährleistet das, was das Projekt ‚Extra.Klasse‘ extra macht“, sagt Nicole Moldenhauer. Es gehe darum, die Persönlichkeiten der Kinder und Jugendlichen zu entwickeln, sie in Werkräumen sich einfach mal ausprobieren zu lassen, um so etwa die eigenen Stärken kennenzulernen – „alles wichtige Dinge, die für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben notwendig sind.“

Über den Verein als „juristische Person“ könne theoretisch auch das Mietverhältnis abgewickelt werden „wenn wir genügend Geld auf dem Konto hätten“, sagt Peters. „Wir haben uns in der Vergangenheit einige Räume angeschaut, hätten sogar Favoriten“. Letztendlich aber fehle es nur am notwendigen Geld.

Informationen zum Projekt und zur Arbeit des Vereins gibt Nicole Moldenhauer (E-Mail Nicole@moldenhauer-online.de).

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