klr-Gelände: Investor und Betreiber stellen Pläne vor
Eine Residenz für Senioren

Lengerich -

Mit der Cureus GmbH und der Mediko Gruppe äußern sich jetzt der Investor und der zukünftige Betreiber zu den Plänen für das klr-Gelände. Dort sollen zwei Gebäude für eine sogenannte Seniorenresidenz entstehen. Damit, so Bürgermeister Wilhelm Möhrke, entwickle sich Lengerich zu einem bedeutenden Gesundheitsstandort im Münsterland.

Dienstag, 05.01.2021, 18:04 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 17:22 Uhr
So sollen die beiden Gebäude aussehen, die bis zum Frühjahr 2022 gebaut werden.
So sollen die beiden Gebäude aussehen, die bis zum Frühjahr 2022 gebaut werden. Foto: Arne von Hörsten

Nachdem es bereits lange Spekulationen und Gerüchte über die Zukunft des klr-Geländes gegeben hatte und zuletzt der Kreis bestätigte, dass eine Baugenehmigung vorliegt, äußern sich nun die an dem Großprojekt Beteiligten ausführlich zu ihren Plänen. Demnach wird die Cureus GmbH (Hamburg) an der Schulstraße den Bau einer Seniorenresidenz realisieren. Den Betrieb übernimmt dann die Mediko Gruppe (Winsen an der Aller).

Zur Höhe des Investitionsvolumens machen die Beteiligten keine Angaben. Die Mediko Gruppe wird das Objekt langfristig nutzen, über die genaue Dauer des Mietverhältnisses wird nach Mediko-Angaben noch verhandelt. „Auch am Standort in Lengerich streben wir eine langfristige Vertragslaufzeit an“, teilt das Unternehmen auf WN-Anfrage mit.

Die Bebauungsplanung des 9000 Quadratmeter großen Areals sehe zwei Gebäude mit unterschiedlichen Nutzungskomponenten vor, „um ein umfangreiches, modulares Dienstleistungsangebot für Senioren anbieten zu können“, heißt es in der Pressemitteilung. Dafür stünden insgesamt 8600 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche zur Verfügung.

In einem der beiden Gebäude sollen auf drei Etagen 80 stationäre Pflegeplätze „im Einzelzimmerstandard“ sowie im zusätzlichen Staffelgeschoss zehn Apartments für Service-Wohnen untergebracht werden. Zudem sehen die Planungen im Erdgeschoss ein Café, einen Friseursalon und ein Fußpflegestudio vor; diese Einrichtungen sollen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Das Café übernimmt Betreiber Mediko. Für die Angebote Friseur und Fußpflege werden externe Kooperationspartner gesucht. „Gerne können sich Interessenten bereits jetzt bei uns melden“, sagt Geschäftsführerin Susanne Thon .

Das zweite Gebäude, an der östlichen Seite des Grundstückes gelegen, sei als Apartmenthaus mit drei Etagen plus Staffelgeschoss konzipiert und verfüge über weitere 29 Service-Wohnungen sowie zehn Plätze für außerklinische Intensivpflege, informieren Investor und Betreiber weiter. Im Erdgeschoss dieses Hauses werde eine Tagespflegeeinrichtung mit 18 Plätzen angesiedelt sein.

Die Architektur des Komplexes soll „sich harmonisch in die umliegende Wohnbebauung einfügen“. Besondere Aufmerksamkeit werde auf die Gestaltung der Außenanlagen gelegt. Großzügige Frei- und Grünflächen sollen den künftigen Bewohnern Aufenthaltsqualität und Orte der Begegnung bieten. Komplettiert wird die Bebauung durch 63 Pkw-Stellplätze.

Weiter heißt es, dass die Mediko Gruppe etwa 80 bis 100 Arbeitsplätze schaffen will. „Wir freuen uns über den neuen Standort und sind überzeugt, dass wir den Senioren in Lengerich ein attraktives Wohnumfeld wie auch moderne und innovative Dienstleistungen anbieten können“, betont Susanne Thon. Sie stellt fest, dass es „mit großen Anstrengungen verbunden“ sei, gute und qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. „Besonders Pflegefach- und Hilfskräfte sind auf dem Arbeitsmarkt sehr umworben. Wir sind dennoch positiv optimistisch, dass es uns gelingen wird, Mitarbeiter aus Lengerich und Umgebung zu motivieren.“

Zum Fortgang an der Schulstraße erläutert Kay Grünewald, Projektleiter für die Cureus GmbH: „Mit dem Beginn der Rohbauarbeiten rechnen wir im April 2021, die Fertigstellung und Übergabe an den Betreiber soll dann nach nur etwa einem Jahr Bauzeit im Frühjahr 2022 erfolgen.“ Demnach wurde die Baugenehmigung im November erteilt, im Dezember begannen die Abrissarbeiten.

Zufrieden zeigt sich Bürgermeister Wilhelm Möhrke über das Ende des jahrelangen Stillstands auf dem Areal: „Mit der Cureus GmbH und der Mediko Gruppe wurden hervorragende Partner gefunden, die auf dem ehemaligen klr-Gelände ein modernes und hochwertiges Bauprojekt umsetzen. Es ergänzt das gute Pflege- und Wohnangebot in Lengerich und der Region.“ Er, die Lokalpolitik und die Verwaltung seien stolz auf die hohe Qualität der Gesundheitsversorgung in der Region. Lengerich entwickele sich damit immer mehr zu einem bedeutenden Gesundheitsstandort im Münsterland.

In der Pressemitteilung wird weiter betont, dass der Grundstücksverkäufer dem Bürgermeister besonders danke. Gewürdigt werde die „professionelle Moderation der Interessenlagen der verschiedenen Beteiligten mit einer zielgerichteten Lösung für eine so wichtige Entwicklung an diesem Standort“. Vermittelt hat den Grundstücksverkauf der Immobilienexperte Detlev Höhn. Als Lengericher dürfte er mit den örtlichen Gegebenheiten und der schwierigen Gemengelage, die sich rund um das klr-Gelände über Jahre entwickelt hatte, bestens vertraut gewesen sein.

Die Firma klr Mediapartner Druck und Medien GmbH war 2011 in die Insolvenz gegangen. Noch im selben Jahr war das Inventar versteigert worden. Der Gebäudekomplex gehörte allerdings nicht zur Insolvenzmasse.

Der Eigentümer hätte die Immobilie in der Folge wohl gerne veräußert. Offenbar waren mehrfach Discounter bereit, sich dort anzusiedeln. Doch das war von Politik und Verwaltung nicht gewollt. Um die Geschäfte in der Innenstadt zu schützen, wurde das Grundstück jenen Bereichen zugeordnet, bei denen die sogenannte „Lengericher Liste“ zum Tragen kommt. Damit war für Aldi, Lidl und Co. die Tür zu. Die Stadt setzte das auch juristisch durch.

Der Stillstand hatte zur Folge, dass der Gebäudekomplex immer mehr verfiel. Unbefugte verschafften sich immer wieder Zutritt. Es kam zu Sachbeschädigungen, Schmierereien und auch Bränden. Was wiederum zu der Forderung seitens der Lokalpolitik führte, dass es einen besseren Schutz vor „unerwünschten Besuchern“ geben müsse.

Ende 2017 sah es zwischenzeitlich schon einmal so aus, als ob die lang ersehnte Lösung endlich gefunden war. Bürgermeister Möhrke verkündete im Dezember, dass es einen Investor für das klr-Areal gebe. Doch schon bald folgte die Ernüchterung. Wie zu hören war, zog sich der Interessent seinerzeit aufgrund finanzieller Probleme wieder zurück.

Beginnen im Frühjahr, wie angekündigt, die Rohbauarbeiten, hat dieses Kapitel der Lengericher Stadtgeschichte endgültig ein Ende gefunden.

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