Was sagen Bürger zu den neuen Corona-Entscheidungen?
Zustimmung mit Einschränkungen

Lengerich -

Grundsätzlich Zustimmung, aber im Detail gibt es hier und da auch massive Kritik. Das ist der Tenor der Antworten, die die WN von Passanten auf die Frage bekamen, was sie von der Verlängerung des Lockdowns bis mindestens Ende Januar und den damit verbundenen verschärften Regeln halten.

Mittwoch, 06.01.2021, 17:22 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 18:36 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt ihre Maske ab, um über die am Dienstag beschlossenen Maßnahmen zu informieren
Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt ihre Maske ab, um über die am Dienstag beschlossenen Maßnahmen zu informieren Foto: Michael Kappeler/dpa

Lockdown mindesten bis Ende Januar, und das verbunden mit Regeln, die teilweise noch schärfer sind als die bisherigen. Die Westfälischen Nachrichten wollten am Mittwoch von Passanten in der Lengericher Innenstadt wissen, wie sie über die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder getroffene Entscheidung denken. Der Tenor: Grundsätzlich Zustimmung, aber im Detail gibt es hier und da zum Teil auch massive Kritik.

Mehrfach zu hören ist, dass viel früher in der jetzt gezeigten Deutlichkeit hätte gehandelt werden sollen. Ein 68-jähriger Lengericher verweist darauf, dass beispielsweise in Frankreich im Verlauf der Pandemie zu beobachten gewesen sei, welchen Erfolg strenge Ausgangsbeschränkungen haben können. Allerdings wolle er nicht sagen, dass er enttäuscht sei. Der Mann verweist auf das demokratisch-föderale System in Deutschland, in dem es eben üblich sei, dass Findungsprozesse so ablaufen – und das sei letztendlich auch gut so. Eine Sichtweise, die der Mann äußert, obwohl er einen Sohn hat, der seinen Worten zufolge schwer unter einer Corona-Infektion zu leiden hatte. „Er konnte zeitweise nicht mehr die Treppe rauf und runter“, so geschwächt sei er gewesen.

Zu denen, die noch härtere Maßnahmen mitgetragen hätten, gehört ebenfalls ein 36-Jähriger. Die Familie habe alle sozialen Kontakte schon seit Längerem „komplett runtergefahren“, erzählt er. Auch wenn er als Selbstständiger von den Beschränkungen stark betroffen sei, stehe er für einen rigiden Kurs bei der Bekämpfung der Pandemie. „Ich bin bereit, Opfer zu bringen, es geht schließlich um das Wohl aller“, sagt der Lienener mit Blick auf hohe Todeszahlen in Deutschland und die Situation in den Krankenhäusern.

Etwas anders ist die Sicht einer 45-Jährigen. Auch sie vertritt die Meinung, dass gegen Corona etwas getan werden muss. Aber momentan werde „die Wirtschaft vor die Wand gefahren“ und damit gingen „viele Existenzen kaputt“. Deshalb hätte sie sich Entscheidungen gewünscht, die genauer der jeweiligen Situation gerecht würden. Als Beispiel nennt die Bad Iburgerin die Hotelbranche, in der es gute Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus gegeben habe. Dennoch seinen fast alle Häuser dicht.

„Weshalb haben die auf und die nicht?“ Diese Frage stelle sie sich immer wieder, wenn sie in der Stadt unterwegs sei, erzählt eine 82-jährige Frau. Die Seniorin sagt, sie lebe allein. „Und dann weiß ich schon, zu wem ich gehe und mit wem diese Person dann wieder Kontakt hat.“ Eine Gefahr für die eigene Gesundheit sehe sie deshalb keine. Als das Gespräch Richtung Kita- und Schulschließungen schwenkt, erinnert sich die Lengericherin an ihre Kindheit. Erst mit acht Jahren sei sie in die erste Klasse gekommen, Schuld daran seien Krieg und Flucht gewesen. „Das haben wir alles überstanden.“

Als zu weitgehend empfindet eine 74-Jährige die neue Vorgabe, dass sich ein Haushalt nun nur noch mit einer weiteren Person treffen darf. „Ein Ehepaar sollte doch wenigstens ein anderes sehen können“, meint die Passantin. Und auch die ausgedehnten Schließungen von Geschäften, aber auch Museen und Zoos sieht die Lengericherin skeptisch. Dort, wo klar sei, dass ausreichend Platz ist, sollte aus ihrer Sicht mehr möglich sein. Dabei schaut die Lengericherin durchaus sorgenvoll auf die Infektionsgefahr und die eigene Situation. „Meine Kinder kommen nur noch getestet zu mir.“

Mit dem Lockdown und den daraus resultierenden Folgen hat eine 56-Jährige keine Probleme, das sei „schon in Ordnung“. Handlungsbedarf sieht die Frau aber beim Impfen. Da reiche es nicht, wenn im Kreis Steinfurt allein am FMO ein Impfzentrum aufgebaut worden ist. „Es müsste in jedem Ort mindestens eins geben.“ Wie, fragt sie, sollen denn sonst gerade Ältere, die womöglich auch kein Auto haben, einen Termin wahrnehmen. Also warum nicht die Gempt-Halle oder die Sporthallen in der Stadt dafür nutzen?

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7754368?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker