Nach Grenzwertüberschreitung
15-Kilometer-Radius: Greven würde zum Tabu

Lengerich -

Der Inzidenzwert im Kreis Steinfurt steigt. Am Sonntag lag er bei 156,6. Droht nun womöglich die Einführung des 15-Kilometer-Radius? Und was würde das für Lengericher bedeuten? Zum Beispiel, dass Greven ebenso unerreichbar wäre wie die Osnabrücker Innenstadt – gemessen vom Rathausplatz aus.

Sonntag, 10.01.2021, 16:26 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 12:23 Uhr
Nach Grenzwertüberschreitung: 15-Kilometer-Radius: Greven würde zum Tabu
Der 15-Kilometer-Radius vom Rathausplatz in Lengerich aus gemessen. Orte wie Osnabrück, Greven, Ostbevern oder auch Bad Laer wären nicht mehr zu erreichen, sollte der Kreis beim Erreichen der 200er-Marke bei der 7-Tage-Inzidenz die vergangene Woche von den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin besprochene Maßnahme einführen. Foto: Karte: OpenStreetMap Lizenz ODbL 1.0, Stepmap/Grafik: chr

Liegt der Inzidenzwert über 200, soll der Bewegungsradius der im betroffenen Gebiet lebenden Menschen auf 15 Kilometer begrenzt werden. Das ist eine der Verschärfungen, die in der vergangenen Woche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder während der Beratungen über die Corona-Pandemie getroffen hat.

Ab heute gilt in NRW eine neue Schutzverordnung, in der auch dazu Näheres geregelt ist. Demnach haben die kreisfreien Städte und Kreise zu prüfen, wie sie mit der Vorgabe vor Ort umgehen. Es handelt sich somit um eine Kann-, aber keine Muss-Bestimmung. Am Freitag war von der Kreisverwaltung in Steinfurt dazu noch nichts Konkretes zu erfahren. Soviel ist jedoch klar: Die 7-Tages-Inzidenz ist in den vergangenen Tagen im Kreisgebiet gestiegen, am Montag lag der Wert bei 137,2. Und läge man die Messlatte nur für Lengerich an, dann sähe es offenbar noch schlechter aus.

Zwar geben weder Kreis noch Land für einzelne Kommunen den Inzidenzwert für einzeln Kommunen an. Doch in der Stadtverwaltung werden entsprechende Daten gesammelt. Am Freitag wurde die aktuellsten Zahlen den WN auf Anfrage mitgeteilt. Demnach lag die 7-Tages-Inzidenz in Lengerich am vergangenen Donnerstag bei 186,0, am Mittwoch bei 194,7, am Dienstag bei 199,0 und am Montag bei 203,3. Der höchste Wert seit Heiligabend wurde mit 207,6 am zweiten Weihnachtstag erreicht, der niedrigste mit 121,1 am 29. Dezember. Im neuen Jahr lag der Wert bis Donnerstag nie unter den genannten 186,0.

Das sagt die Coronaschutzverordnung

Der Passus in der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW, der sich auf die 15-Kilometer-Radius-Abprache bezieht, lautet wie folgt: „Kreise und kreisfreie Städte, in denen die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bezogen auf 100 000 Einwohner (7-Tages-Inzidenz) nach den täglichen Veröffentlichungen des Landeszentrums Gesundheit über einem Wert von 200 liegt, prüfen die Erforderlichkeit über diese Verordnung hinausgehender zusätzlicher Schutzmaßnahmen und können diese im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales anordnen. Die angeordneten Maßnahmen sind fortlaufend zu überprüfen und aufzuheben, wenn die Infektionszahlen nachhaltig deutlich unter den Wert von 200 absinken.

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Sollte es wirklich soweit kommen, dass die 7-Tages-Inzidenz im gesamten Kreis über 200 steigt und die Verantwortlichen die 15-Kilometer-Regel zur Anwendung bringen, könnte das für den ein oder anderen durchaus spürbare Einschränkungen mit sich bringen. Abseits notwendiger Fahrten wie die zum Arbeitsplatz oder zu einem Arzt wäre für Lengericher – gemessen ab dem Rathausplatz – beispielsweise die Osnabrücker Innenstadt nicht mehr zu erreichen, etwa 500 Meter vor dem Wall wäre Schluss. Ebenfalls außerhalb des Radius lägen Greven, Ostbevern und Riesenbeck sowie die Ortskerne von Glandorf und zum Teil Saerbeck.

Immerhin: Die Zahl der aktuell Infizierten ist von Samstag auf Sonntag nach Angaben des Kreises in Lengerich von 63 auf 55 zurückgegangen, die der Neuinfizierten nur um vier gestiegen. Ein vergleichsweise niedriger Wert. An „Spitzentagen“ registrierte die Stadt zuletzt zwölf (vergangenen Donnerstag) beziehungsweise 14 Neuinfizierte (Silvester).

So wird gerechnet

Die 7-Tages-Inzidenz benennt die Zahl der Neuinfektionen über sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Ein Beispiel für Lengerich. Der Wert 186 vom Donnerstag ergibt sich aus dem Aufsummieren der Zahl der Neuinfizierten seit dem  Neujahrstag. Das waren 43 laut Auswertung der Stadtverwaltung. Lengerich hat rund 23 100 Einwohner. Um nun die Bezugsgröße 100.000 zu erreichen, multipliziert man also 43 mit 4,32. Das Ergebnis 186. 

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