Dorothe Rahe Pittmann über die Lage in den USA
„Aktuell sind wir führungslos“

Lengerich/Camarillo -

Dass radikale Anhänger des noch amtierenden US-Präsdienten Donald Trump am 6. Januar das Kapitol in Washington gestürmt haben, habe sie nicht überrascht, sagt Dorothe Rahe Pittmann im Gespräch mit den WN. Die gebürtige Lengericherin lebt seit 20 Jahre in den Vereinigten Staaten.

Dienstag, 12.01.2021, 06:02 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 14:56 Uhr
Trump-Unterstützer stürmen das Kapitol. Es ist ein Tag, der vieles zum Vorschein gebracht hat, sagt die Lengericherin Dorothe Rahe Pittmann. Vieles kam für die 48-Jährige nicht überraschend.
Trump-Unterstützer stürmen das Kapitol. Es ist ein Tag, der vieles zum Vorschein gebracht hat, sagt die Lengericherin Dorothe Rahe Pittmann. Vieles kam für die 48-Jährige nicht überraschend. Foto: imago images/ZUMA Wire

Ein stark tätowierter Mann mit Mikrofon, einer Büffelmütze und der Flagge der USA steht inmitten der Herzkammer der amerikanischen Demokratie. Inmitten des Kapitols. Und mit ihm eine Vielzahl weiterer Anhänger des amtierenden US-Präsident Donald Trump . Kurz zuvor überwanden sie die aufgebauten Zäune und bewaffnete Sicherheitskräfte. Ihr Weg durch die Büros der Abgeordneten sorgt für Chaos im Epizentrum der Politik und löst weltweite Bestürzung aus. An diesem Tag soll eigentlich über die zukünftige Präsidentschaft Joe Bidens abgestimmt werden. Es wird ein Fiasko, dass die USA in Schockstarre versetzt. So sieht es auch die in den USA lebende Lengericherin Dorothe Rahe Pittmann. Sie sagt: „Für mich kam das nicht überraschend.“

Die Wähler von Trump sind gefährlich.

Dorothe Rahe Pittmann

Die 48-Jährige, mit der die WN bereits Ende Oktober über die damals bevorstehenden Wahlen in den USA sprachen, nimmt selten ein Blatt vor den Mund: „Ich glaube, wir sind näher an einem Bürgerkrieg dran, als viele das für möglich halten.“ Bereits vor den Wahlen – deren Ausgang mit dem Sieg Bidens für Erleichterung sorgte – prognostizierte sie: „Diese Wahlen werden noch Proteste auslösen. Die Wähler von Trump sind gefährlich. Sie tragen Waffen und werden sie im Notfall auch benutzen.“

Ein Sturm auf das Kapitol, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, sei für sie Ausdruck gesellschaftlicher Spaltungen im Land, die durch Trump befeuert und durch Biden aufgelöst werden müssten. Ob er dafür der richtige Mann ist, mag sie nicht beurteilen, sagt aber: „Er hat viele sehr gute Mitarbeiter um sich. Das Kabinett ist multikulturell und das ist wichtig für unser Land.“

Unruhen in Gegenden, wo überwiegend Republikaner leben

Während des Telefonates mit den Westfälischen Nachrichten rudert sie, die seit 20 Jahren in den Staaten lebt, ein wenig zurück: „Vielleicht nicht ein Bürgerkrieg im ganzen Land. Aber auf jeden Fall weitere Unruhen im Mittleren Westen.“

Also dort, wo vermehrt Stimmen an die Republikaner gingen und wo laut Pittmann, die im Bundesstaat Kalifornien lebt, „unreflektierte Menschen mit zahlreichen Waffen und einem großen Stolz auf ihr Land“ wohnen würden.

Über den Wahlsieg Bidens sei sie – auch zwei Monate später – sehr erleichtert: „Zwischendurch war es ja wirklich eng. Wieder einmal enger, als wir uns das alle hätten vorstellen können. Außerdem zog sich die Zeit bis zur Feststellung des Endergebnisses sehr lang. Das war keine gute Zeit für uns.“ Als Wochen im Zeichen von Angst, Ungewissheit und gar Depressionen bezeichnete sie das Warten auf den endgültigen Sieg Bidens.

Die Zeit, bis das Wahlergebnis vorlag, war nicht gut.

Dorothe Rahe Pittmann

Dieser soll nun – am 20. Januar – offiziell ins Amt eingeführt werden. Normalerweise ein Akt mit Tausenden Zuschauern. Dieser wird wohl 2021 – auch wegen der Corona-Pandemie – kleiner ausfallen: „Wie es vonstatten gehen wird, wissen wir noch nicht, aber ich hoffe, dass sie es im kleinen und vor allem sicheren Rahmen abhalten werden.“ Nach einem Augenblick des Grübelns sagt sie: „Wenn ich Biden wäre, würde ich Angst vor möglichen Angriffen haben.“

Aussagen wie diese unterstreichen den Ernst der Lage in den USA. Auch wenn Noch-Präsident Trump aus dem Weißen Haus ausziehen muss, sagt die Lengericherin: „So viele haben wieder für ihn gestimmt. So viele wollen sich gegen die neue Regierung auflehnen. Das ist wirklich sehr gefährlich und endet nicht einfach, wenn er weg ist.“ Sie hoffe außerdem, dass Trump „ins Gefängnis wandert: Dafür gibt es nun wirklich genug Gründe.“

Hoffnung auf Besserung mit dem Präsidenten Joe Biden

Stichwort Hoffnung: Mit der Präsidentschaft Bidens verbindet sie auch eine Besserung in der aktuellen Situation rund um Corona. Sie sagt: „Die Lage ist wirklich schlimm. Schlimmer, als noch im Oktober. Die Zahlen steigen weiter immens an, trotzdem diskutieren manche weiter über Öffnungen, beispielsweise von Schulen.“ Ihre Familie würde sich weiterhin sehr zurückhalten: „Zum Glück hat es von uns noch keinen erwischt.“

Auch in den USA wird nun gegen das Virus geimpft, Dorothe Rahe Pittmann sagt aber auch: „Das läuft chaotisch ab. Es wurde zwar schon mit dem Impfen angefangen, aber man hat noch sehr wenig Informationen über all das.“ Der Grund: „Trump will nun besonders gut abtreten. Es dreht sich alles nur um diesen Machtwechsel. Dahinter verschwinden gerade viele wichtige und notwendige politsche Entscheidungen.“ Sie kommt zu dem Schluss: „Momentan sind wir führungslos.“ Einzig die Hoffnung auf Besserung helfe.

 

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