Corona-bedingt lernen viele Kinder nicht schwimmen – der TVL will dem entgegenwirken
Problemlöser Hallenbad?

Lengerich -

Wird es in Lengerich eine große gemeinsame Initiative geben, um zu verhindern, dass zahlreiche Kinder womöglich das Schwimmen nicht lernen? Dem TV Lengerich schwebt so etwas vor.

Sonntag, 17.01.2021, 19:28 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 11:30 Uhr
Wenn Schwimmbäder geschlossen sind, haben Kinder kaum eine Möglichkeit das Schwimmen zu erlernen.
Wenn Schwimmbäder geschlossen sind, haben Kinder kaum eine Möglichkeit das Schwimmen zu erlernen. Foto: dpa/Stephanie Pilick

Der Verein will auf die DLRG-Ortsgruppe und die Bäder- und Wasser GmbH ( BWG ) zugehen, um Lösungen für dieses nach Einschätzung von TVL-Sportkoordinator Frank Neumann gravierende Problem zu erarbeiten. Die Idee, die den Verantwortlichen des Turnvereins vorschwebt: Das Hallenbad während der Freibadsaison weiter betreiben, um dort in möglichst großer Zahl Schwimmkurse anbieten und durchführen zu können.

Um das Thema wissen auch Jürgen Kohne ( DLRG ) und BWG-Betriebsleiter Tilo Frömmel. Jürgen Kohne berichtet, dass bei der DLRG zwar keine Kurse für Nichtschwimmer angeboten werden, zum Programm jedoch Lehrer-Fortbildungen gehören. Und da werde es sicher einen „deutlichen Nachholbedarf“ geben, wenn die Corona-Pandemie entsprechende Aktivitäten wieder zulässt.

Tilo Frömmel befasst sich schon seit Beginn der Krise im vergangenen Frühjahr immer wieder mit dem Gedanken, wie Schwimmkurse organisiert werden können. Für die BWG spiele dabei der Arbeitsschutz für die eigenen Mitarbeiter eine zentrale Rolle. Und dem gerecht zu werden und gleichzeitig einen vernünftigen Schwimmunterricht anzubieten, sei „sehr, sehr schwierig“.

Er erzählt, dass die Nachfrage nach den Plätzen in den Kursen bereits vor Corona groß gewesen sei und es zum Teil auch Wartelisten gegeben habe. Ganz ähnlich sah es nach den Worten von Frank Neumann beim TVL aus. Allein acht Baby-Schwimmkurse in der Schule in der Widum habe es zuletzt gegeben, dazu montags im Hallenbad Wassergewöhnung für Zwei- bis Dreijährige, dann die sogenannte Wasserbewältigung für die etwas Älteren, Seepferdchen-Kurse und schließlich die Schwimmabzeichen-Kurse Bronze, Silber und Gold.

Der Sportkoordinator geht davon aus, dass es aufgrund der bestehenden Einschränkungen einen „gigantischen Nachholbedarf“ geben wird, der mit dem bislang in Lengerich bestehenden Angeboten nicht zu bewältigen sei.

Mögen die Formulierungen von BWG-Betriebsleiter Frömmel auch nicht ganz so wortgewaltig sein, sieht auch er Handlungsbedarf. Ohne schon von der Idee des TVL zu wissen, spricht er gegenüber den WN davon, dass es „eine Option“ sein könnte, Schwimmkurse im Freibad anzubieten. Dabei kennt er natürlich die Nachteile, die das mit sich bringen könnte: Für Kurse gibt es feste Termine, unabhängig davon, wie und ob das Wetter mitspielt. Doch welches Kind wird zum Unterricht unter freiem Himmel kommen, wenn es im Juni womöglich nur 17 Grad sind und regnet? Der Vorteil im Vergleich zum Hallenbad: Die Corona-Arbeitsschutzregeln ließen sich im Freibad leichter umsetzen.

Beim TVL glaubt man, mit dem Angebot von Schwimmkursen im Hallenbad, während nebenan die „normale“ Freibad-Saison läuft, einen guten Gedanken zu haben. Frank Neumann schwebt eine tägliche Nutzung durch TVL, DLRG und BWG von 8 bis 20 Uhr vor. Sollten entsprechend viele Kurse auf die Beine gestellt werden, ließen sich seiner Einschätzung nach durch die entsprechenden Gebühren auch die mit der Hallenbadnutzung einhergehenden Kosten „annähernd tragen“.

Wie auch immer am Ende mit dem Thema umgegangen wird, ein wichtiger Faktor ist das Personal. Tilo Frömmel geht momentan davon aus, dass die Teilnehmerzahl pro Kurs Corona-bedingt erst einmal kleiner sein wird als sonst üblich. Also bräuchte man schon mehr mehr Kapazitäten, um überhaupt das bisherige Niveau zu halten. Für den TV Lengerich stellt Frank Neumann bei der Frage nach den Kursusleitern fest: „Da könnten wir besser aufgestellt sein.“ Allerdings glaubt er auch, dass die Perspektive auf verlässliche und länger andauernde Arbeitszeiten, die der Ausbau des Kursusprogramms nach sich ziehen würde, helfen könnte, den erforderlichen Bedarf zu decken.

Bleibt nun abzuwarten, was bei den von dem Verein angestoßenen Gesprächen mit BWG und DLRG herauskommt. Sollten die Beteiligten auf einen Nenner kommen, scheint der Sprung ins kalte Wasser gewiss. Denn wie gut letztendlich neue und zusätzliche Angebote wahrgenommen werden, wird niemand genau prognostizieren können.

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