Schuldneratlas: Quote in Lengerich vergleichsweise hoch
Ziemlich stark in den Miesen

Lengerich -

10,42 Prozent der Lengericher über 18 Jahre sind überschuldet. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem „Schuldneratlas 2020“. Ein, bezogen auf den Kreis Steinfurt und das Münsterland, hoher Wert.

Donnerstag, 04.02.2021, 05:13 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 05:20 Uhr

Jahr für Jahr ermittelt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform den „Schuldneratlas Deutschland“. Ermittelt wird darin, wie viele Bürger in den Städten und Gemeinden von Flensburg bis Oberstdorf von Überschuldung betroffen sind. Für Lengerich lässt sich, wenn es positiv formuliert werden soll, für 2020 feststellen, dass der Schuldneranteil an der Gesamtbevölkerung unter dem NRW-Durchschnittswert von 11,63 Prozent liegt. Doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Sowohl mit Blick auf die gesamte Bundesrepublik als auch bei Betrachtung des Münsterlandes und des Kreises Steinfurt fällt die Bewertung negativer aus.

„Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“ Laut Schuldenatlas 2020 trifft das auf 10,42 Prozent der Lengericher ab 18 Jahren zu. Bundesweit sind es 9,87 Prozent, im Münsterland 8,43 Prozent und im Kreis Steinfurt 8,71 Prozent. Allein für zwei Postleitzahlgebiete in Rheine wurden im Kreis Steinfurt höhere Werte ermittelt als in Lengerich.

Immerhin: Wie in vielen anderen Kommunen auch, hat die Corona-Pandemie in Lengerich im vergangenen Jahr nicht zu einem Anstieg der Schuldnerquote geführt. 2019 lag sie bei 10,46 Prozent (2018: 10,37 Prozent).

Warum steht Lengerich so vergleichsweise schlecht da? Wahrscheinlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Verena Riegel, Geschäftsführerin Creditreform Münster, führt eine Reihe von Punkten an, die hohe Schuldnerquoten erklären können. Strukturwandel und hohe Arbeitslosigkeit gehören dazu, treffen auf Lengerich aber nicht zu. Weiter verweist sie auf ein oft zu beobachtendes Stadt-Land-Gefälle – also die Tendenz, dass je größer eine Kommune ist, die Zahl der Menschen, die überschuldet sind, steigt. Das hänge unter anderem mit den höheren Lebenshaltungskosten zusammen. Die Höhe der Einkommen und der Kaufkraft sind nach den Worten Riegels ebenfalls ein Kriterien, die es zu berücksichtigen gilt. Lengerich liegt da im NRW-Vergleich eher im hinteren Mittelfeld. Zudem verweist die Expertin auf eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr verstärkt habe – und das gerade auch bei Jüngeren: Es geht ums schlichte Haushalten beziehungsweise den fehlenden Überblick über Ausgaben und Einnahmen. Handyverträge seien da für viele einst „der Einstieg“ gewesen. Inzwischen gehöre der „Urlaub auf Pump“ ebenfalls in diese Kategorie. „Der Klassiker ist, wenn dann die Waschmaschine kaputt geht.“

Riedel spricht davon, dass es eben Menschen gebe, die ihre finanziellen Belastungen „auf Kante nähen“, um so die Möglichkeit zu haben, „am Konsum teilzunehmen“.

Alles in allem sei jedoch zu beobachten, dass die Zahl der überschuldeten Personen im Münsterland abgenommen habe. Dies sei wohl vor allem der – bis zum Corona-Ausbruch – guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt geschuldet. Im Schuldneratlas für das Münsterland gehört Lengerich laut dem Bericht neben Steinfurt, Lotte, Ahlen, Beckum, Isselburg und dem Osten Bocholts zu den Gebieten mit „erhöhter Schuldnerdichte“; als „Schuldnerbrennpunkte“ werden Münsters Norden, Ahlens Süden sowie Gronau und Rheine genannt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7798761?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker