Über den Ursprung der Bezeichnung Smanforde
Brücke überspannt kleine Furt

Lengerich -

Woher kommt die Bezeichnung Smanforde? Hat sie etwas mit dem südschwedischen Småland zu tun, das durch die Kinderbücher von Astrid Lindgren bekannt geworden ist? Oder spielt Schmand eine Rolle bei der Herkunft des Namens?

Freitag, 05.02.2021, 12:45 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 12:50 Uhr
Das Wort Smanforde bedeutet ursprünglich vermutlich kleine Furt oder Durchgang. Auf der Autobahn 1 ist es die Bezeichnung für eine der drei Talbrücken im Bereich des Teutoburger Waldes. Das Foto zeigt die alte Talbrücke im Jahr 2015.
Das Wort Smanforde bedeutet ursprünglich vermutlich kleine Furt oder Durchgang. Auf der Autobahn 1 ist es die Bezeichnung für eine der drei Talbrücken im Bereich des Teutoburger Waldes. Das Foto zeigt die alte Talbrücke im Jahr 2015. Foto: Michael Baar

Wenn man über die Bundesautobahn 1 durch das Tecklenburger Land fährt, so kommt man unweigerlich über eine Talbrücke, an der eine Tafel mit der Aufschrift „Smanforde“ angebracht ist. Der Name der Überführung geht auf einen Flurnamen zurück, der auch im Namen des unterhalb gelegenen Weges Smanforden amtlich festgehalten wird. So mancher Pkw- oder Lkw-Fahrer fühlt sich bei dieser Benennung vermutlich an das südschwedische Småland erinnert, das in Deutschland vor allem durch die Kinderbücher von Astrid Lindgren (1907–2002) bekannt geworden ist. Und mit dieser Anknüpfung liegt man gar nicht so falsch, wie zu zeigen sein wird.

Man könnte allerdings auch meinen, die Form Smanforde sei durch den Ausfall des Lautes D entstanden, wie es öfter im regionalen Plattdeutschen vorkommt, etwa bei Rüde und Rü’e, Lüde und Lü’e, Kinder und Kinner, Linde und Linne und so weiter. Dann wäre Smanforde ursprünglich ein Smandforde gewesen und der Flurname zu niederdeutsch Smand ‚Schmand, Milchrahm, Sahne‘, heute auch ‚saure Sahne‘, zu stellen.

Zwar gibt es zahlreiche Flurbezeichnungen in Westfalen, die mit Nahrungsbegriffen wie Schmand (Schmandpott) Butter (Botterhööksken, Botterwisken, Bottergatt, Botterkamp), Fett (Fettpott, Fettwäide), Speck (Spekkwiiske), Schinken (Schinkenkamp), Mettwurst (Mettwoast), Pfannkuchen (Pannekooken) oder Brot (Brootwiise) gebildet sind, wie die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Piirainen (1943–2017) für das Westmünsterland nachweisen konnte. Meistens sind damit ertragreiche Ländereien gemeint.

Allerdings sprechen die historischen Belege für Smanforde gegen eine solche Erklärung. Denn der Flurname ist bereits sehr alt und lässt sich bis in das Hochmittelalter zurückverfolgen. Nach bisherigem Kenntnisstand ist er erstmals in einem Güterregister verzeichnet, das von dem Osnabrücker Dompropst Lentfried zwischen 1188 und 1209 abgefasst wurde. Damals kamen aus „Smauorden“ (lies u = v) 16 Pfennige als Abgabe an das Domkapitel. 1541 erscheint dann in einem Tecklenburger Lehnsregister „dat hus thon Smanvorde in parochia Lengerke“, also das Haus zum Smanforde im Kirchspiel Lengerich, mit dem der Adelige Johan Grothus vom Tecklenburger Grafen belehnt worden war. Hiermit ist eindeutig das heutige Smanforde gemeint, das westlich der Ortslage Leeden liegt, aber noch zur Lengericher Bauerschaft Exterheide gehört.

Anhand der Belege wird deutlich, dass der Flurname niemals ein D besessen hat, weshalb der Anschluss an Schmand wegfällt. Daher ist eine andere Deutung vorzuschlagen. Der zweite Teil der Zusammensetzung ist eindeutig mittelniederdeutsch vôrde ‚Furt, Durchgang, Pass‘. Damit wurde also entweder das Tal zwischen der Margarethenegge beziehungsweise Leedener Berg und der gegenüberliegenden Anhöhe oder aber eine Furt durch die dort fließende Elsebike bezeichnet.

Doch um welche Art Durch- oder Übergang handelte es sich? Was meint der erste Teil des Flurnamens Sman-? Hier ist ein altes Wort anzusetzen, das es im Mittelniederdeutschen (1250–1650) in dieser Form schon nicht mehr gegeben hat, das aber noch im Althochdeutschen vorkam (belegt im 9. Jahrhundert) und somit auch für das sprachverwandte Altniederdeutsche anzusetzen ist: smah ‚klein, gering‘. Heute ist der Begriff noch in schmählich erhalten – allerdings mit negativer Bedeutungsverschiebung zu ‚gering an Wert, schändlich, verächtlich‘.

Das gemeingermanische Wort gab es ferner im Altnordischen und steckt ebenfalls im Namen der oben erwähnten südschwedischen Provinz Småland, das einfach ‚kleines Land‘ bedeutet. Die Smanforde ist also die ‚kleine Furt‘, der ‚kleine Durchgang‘. Das N in Smanforde erklärt sich dadurch, dass wohl ursprünglich eine gebeugte Form „to der smahen vôrde“, also: zu/bei der kleinen Furt, dem kleinen Durchgang anzusetzen ist. Durch die Autobahnbrücke ist dieser kleine Flurname zuletzt recht groß geworden.

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