LWL-Klinik: Ausschuss stimmt für Bauvorhaben / Blutbuche wird gefällt
„Bedeutsame Verbesserung“

Lengerich -

Erwartungsgemäß hat der Gesundheits- und Krankenhausausschuss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für ein 31,5 Millionen Euro teures Neu- und Umbau-Vorhaben an der Lengericher LWL-Klinik gestimmt. Abschließend wird am 19. März über das Projekt entschieden. Baustart soll Anfang 2022 sein.

Freitag, 05.02.2021, 17:40 Uhr
Der Vergangenheit angehören wird dieses Bild der LWL-Klinik in einigen Jahren. Allerdings bleiben die Kernbereiche der alten Bausubstanz mit dem prägnanten Hauptgebäude erhalten.
Der Vergangenheit angehören wird dieses Bild der LWL-Klinik in einigen Jahren. Allerdings bleiben die Kernbereiche der alten Bausubstanz mit dem prägnanten Hauptgebäude erhalten. Foto: Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Die Klinik Lengerich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) soll einen Neubau für 120 Betten sowie den Umbau der Denkmalgebäude 4 und 5 erhalten: Der LWL-Gesundheits- und Krankenhausausschuss hat in seiner Sitzung am Donnerstag seine Zustimmung zu diesen Plänen mit einem Finanzvolumen von 31,5 Millionen Euro gegeben. Sie werden auch noch nach baufachlichen und finanziellen Aspekten in weiteren Ausschüssen diskutiert. Der LWL-Landschaftsausschuss entscheidet am 19. März abschließend über das Bauprojekt.

„Mit dem Baubeschluss haben wir einen substanziellen und kraftvollen Einstieg in die bereits 2019 beschlossene, strategische Standortentwicklungsplanung für die LWL-Klinik Lengerich“, so LWL-Krankenhausdezernent Professor Dr. Meinolf Noeker . Der Baustart ist laut LWL für Anfang 2022 geplant. Jetzt beginne aber bereits die intensive Vorbereitung, „zumal dieser erste Bauabschnitt in der Standortentwicklungsplanung der LWL-Klinik Lengerich den umfangreichsten darstellt“.

Mit dem Umbau der Gebäude 4 und 5 und der Errichtung des Neubaus will man Räumlichkeiten schaffen, mit denen die Behandlungsangebote und Prozesse weiter verbessert werden. So ist nach Auskunft von Noeker die bauliche Konzentration auf das Kerngelände der Klinik nicht nur energieeffizienter und wirtschaftlicher, sondern bedeute vor allem für Patienten, Besucher und Mitarbeiter verkürzte Wegezeiten.

„Im Neubau sollen ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungsangebote sowie Aufnahmeprozesse und Therapieangebote zusammengeführt werden. Das wird eine bedeutsame Verbesserung für unsere Patientinnen und Patienten sowie die Mitarbeitenden sein“, berichten Dr. Christos Chrysanthou, der Ärztliche Direktor.

Die Pläne sehen vor, im Neubau die Behandlungsschwerpunkte mit psychia­trischer, psychotherapeutischer und psychosomatischer Orientierung zu konzentrieren. Spezielle Angebote für Menschen mit sogenannten affektiven Erkrankungen, Traumafolgestörungen und psychosomatisch erkrankte Patienten sind dort vorgesehen. Mit dem Neubau werden nach LWL-Angaben zugleich 23 Tagesklinikplätze auf den Stationen eingerichtet.

Im Neubau sollen zudem ein Fortbildungszentrum und ein öffentlich zugängliches Café mit Blick auf den Innenhof angesiedelt werden. Der vorhandene, denkmalgeschützte Innenhof bleibe in seiner Struktur erhalten und werde durch die Neubaumaßnahmen aufgewertet, so der Landschaftsverband.

Die neu gestalteten Parkplatzflächen in unmittelbarer Nähe zum Neubau und Denkmalschutzbereich tragen, so Helmut Gesmann vom LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb, zu einer Verbesserung der bestehenden Situation bei. Sämtliche Gebäude und Therapieangebote können demnach vom zentralen Parkplatz barrierefrei und rollstuhlgerecht erreicht werden. Gesicherte Fahrradstellplätze sollen den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität unter anderem durch E-Bikes fördern.

„Wir haben bei den Planungen in besonderer Weise Aspekte des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit sowie die Anforderungen an den Denkmalschutz berücksichtigt“, erläutert Thomas Voß , Kaufmännischer Direktor der LWL-Kliniken Lengerich und Münster.

Eine schwierige Entscheidung betraf die rund 80 Jahre alte Blutbuche im Innenhof der Klinik, die im zukünftigen Baufeld eines Anbaus im kommenden zweiten Bauabschnitt stehe. In einer Petition hatten sich Klinik-Mitarbeitende und Lengericher Bürger für deren Erhalt eingesetzt (WN, 2. Februar). „Dieser vitale Baum ist geradezu ein Sinnbild für die Schönheit unserer Natur am Standort Lengerich. Trotzdem mussten wir uns nach Abwägung aller Anforderungen an Behandlungsauftrag, Denkmalschutz, Naturschutz und wirtschaftliche Aspekte schweren Herzens zu der Erkenntnis durchringen, dass die Blutbuche nicht gehalten werden kann“, berichtet Thomas Voß. Der Gärtnermeister der LWL-Klinik Lengerich, Christian Jenner, will aber, wie berichtet, den Genpool der Blutbuche erhalten. Aktuell würden bereits Rotbuchen-Schösslinge mit Trieben der 80 Jahre alten Lengericher Rotbuche veredelt. „Wir sind froh, dass die Blutbuche in den Sämlingen weiterleben wird und wir zu gegebener Zeit die Nachkommen an prominenter Stelle im Park pflanzen können“, betont Voß.

Seit vergangenem Oktober laufen bereits die Abbrucharbeiten der Häuser 21, 22, 23 und 29 am nördlichen Rand des Klinikparks – aus artenschutzrechtlichen Anforderungen in den Wintermonaten außerhalb der Brut- und Nistzeiten von Wildvögeln.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7802590?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker