Nach Problemen im Zugverkehr: Pro Bahn kritisiert Eurobahn / Unternehmen wehrt sich
„Chronische Nichtleistung“

Lengerich/Osnabrück -

Heftige Kritik muss die Eurobahn vom Fahrgastverband Pro-Bahn einstecken. Dass der Wintereinbruch für zahllose Zugausfälle geführt habe, könne nicht der Grund dafür in den vergangenen neun Tagen gewesen sein.

Mittwoch, 17.02.2021, 17:24 Uhr aktualisiert: 17.02.2021, 17:42 Uhr
Schnee und Eis haben an vielen Fahrzeugen der Eurobahn-Flotte teils erhebliche Schäden angerichtet, teilt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mit.
Schnee und Eis haben an vielen Fahrzeugen der Eurobahn-Flotte teils erhebliche Schäden angerichtet, teilt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mit. Foto: LNVG

Dass die Eurobahn Kritik einstecken muss, ist nicht neu. Der Wintereinbruch und die daraus resultierenden Probleme haben nun den Fahrgastverband Pro-Bahn auf den Plan gerufen. Der moniert, dass die Eurobahn-Linien von und nach Osnabrück besonders hart von den Einschränkungen betroffen waren. Darunter die RB 66 über Lengerich und Kattenvenne nach Münster.

„Hat die Eurobahn inzwischen dauerhaft die Segel gestrichen?“, fragt Martin Sturm , Pro-Bahn-Regionalsprecher für Südwest-Niedersachsen, angesichts der massiven Probleme. Am Sonntag habe es etwa auf der Linie RB 61 (Bad Bentheim–Osnabrück–Bielefeld) zwischen mehrstündigen Ausfällen nur vereinzelte Fahrten gegeben, auf der Linie RB 66 (Osnabrück–Münster) nicht einmal das. Dort sei sogar noch am Montag das komplette Angebot storniert worden. Und auf weiteren Linien in Münsterland wie Ostwestfalen-Lippe habe es kaum besser ausgesehen.

Der Experte wundert sich. „An den Schneeflocken, von denen die letzten vor neun Tagen fielen, können die Eurobahn-Ausfälle nicht liegen“, meint Sturm. Ebenso wenig an „nicht verfügbarer Infrastruktur“. Schließlich hätten es andere Unternehmen wie DB Regio und Westfalenbahn auch hinbekommen, ihre Züge wieder planmäßig auf die Reise zu schicken. So mache der RE 2 (Osnabrück–Düsseldorf) „mit blitzsauberen Doppelstockzügen eine sehr gute Figur“. Gleichsam der RE 60 (Braunschweig–Osnabrück–Rheine), „bereits seit Wochenbeginn auffällig zuverlässig auf winterlich geprägter Infrastruktur, die abschnittsweise auch die Eurobahn mit der RB 61 hätte befahren sollen“.

Seinen Ärger über die „an Unzuverlässigkeit nicht mehr zu überbietende Eurobahn“, die seiner Ansicht nach wegen „chronischer Nichtleistung längst abgelöst gehört hätte“, trug der Pro-Bahn-Sprecher auch der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) vor. Und erhielt darauf von deren Angebotsbereichsleiter Falk Fehsenfeld folgende Auskunft: Die Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Niedersachsen seien sehr gravierend. DB Netz und die Eisenbahnverkehrsunternehmen würden allerdings „nach unserem Eindruck rund um die Uhr sehr engagiert daran arbeiten, für den Fahrgast möglichst viele Fahrten anbieten zu können“.

Nachdem in den ersten Tagen der Schnee mit dem Sturm große Probleme bereitet habe, seien es anschließend „die extremen Temperaturen“ von teilweise 25 Grad minus und weniger gewesen, die auch auf Hauptstrecken dazu geführt hätten, dass Weichen immer wieder zugefroren seien.

Bei der Eurobahn lägen die Ursachen derzeit an den Fahrzeugen, so Fehsenfeld weiter. In der Flotte gebe es immer noch sehr viele Ausfälle, die erst „auf den Glatteisregen vor dem Schneesturm“ und dann auf den starken Frost zurückzuführen seien.

Auf Anfrage der WN teilte die Eurobahn-Mutter Keolis am Mittwoch mit: „Es besteht noch ein leicht erhöhtes Arbeitsaufkommen in unseren Werkstätten in Bielefeld-Siecker und Hamm-Heessen. Unsere Fahrzeuge waren derart vereist, dass eine Bewegung der Triebfahrzeuge beziehungsweise leichtes Rütteln bereits zu Schädigungen an Technik und Kabeln führen würde. Nach den Abtauvorgängen haben wir unsere Fahrzeuge in den Werkstätten prüfen lassen, sodass diese technisch einwandfrei und sicher auf die Schiene zur Fahrgastbeförderung zurückgeführt werden konnten.“

Mit DB Regio sei während der Problemphase vereinbart worden, dass der RE 2 vorübergehend auch die Halte der RB 66 in Kattenvenne und Natrup-Hagen stündlich (statt wie sonst üblich zweistündlich) bedienen sollte. Damit scheint Keolis Deutschland einem Vorschlag nachgekommen zu sein, den Pro-Bahn-Sprecher Sturm der LNVG kurz zuvor unterbreitet hatte.

Im Regelbetrieb ist die Regionalbahn 66 wieder seit Dienstag. Mit Blick auf die Folgen des Wintereinbruchs heißt es seitens Keolis: „Für uns als Eisenbahnverkehrsunternehmen ist es eine selbstverständliche Prozedur, Prozesse stets zu prüfen und gegebenenfalls zu verbessern, das ist unabhängig von Ereignissen. Wir haben hierfür ein Managementsystem, das bereichs- und abteilungsübergreifend fungiert. Insbesondere das extreme Wetterereignis hat gezeigt, dass wir innerhalb des Teams unsere Prozesse, Ablaufbeschreibungen und Kommunikation hier bündeln und Sorge dafür tragen, dass wir, und das ist unsere höchste Priorität, stets einen sicheren Schienenpersonennahverkehr anbieten.“

Mit Unverständnis reagiert das Unternehmen auf die Kritik von Pro Bahn. Es sei „befremdlich“, dass ausgerechnet Pro Bahn als Fahrgastverband, der sich für eine Verkehrswende einsetze, „hier fachlich nicht das Ganze betrachtet“. Die Eurobahn habe fortlaufend und „proaktiv“ über die aktuellen Ereignisse informiert. „Die Leistungen, die aufgrund eingefrorener Triebfahrzeuge nicht den Betrieb aufnehmen konnten, wurden von uns mit Ersatzkonzepten versehen, sodass die Fahrgäste an ihr Reiseziel gelangen konnten.“

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Branche und damit auch die Eurobahn während der nun ein Jahr andauernden Pandemie „stets zuverlässigen Service und Leistungspakete bietet“, sei es bedauerlich, dass während einer extremen Wetterlage, „die uns gezwungen hat, den Betrieb einzustellen, wir derartiger Kritik gegenüber gestellt werden“.

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