Mann muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten
Ehebett wird zum Tatort

Tecklenburger Land -

Der Angeklagte ist weitgehend geständig und laut Gutachterin voll schuldfähig. Seit Freitag wird vor dem Landgericht ein Fall von sexuellem Kindesmissbrauch verhandelt. Dem Mann aus dem Tecklenburger Land werden fünf Taten zur Last gelegt.

Freitag, 19.02.2021, 17:20 Uhr aktualisiert: 21.02.2021, 15:00 Uhr
Am Landgericht Münster wird der Kindesmissbrauchs-Prozess verhandelt.
Am Landgericht Münster wird der Kindesmissbrauchs-Prozess verhandelt.

Seit Freitag muss sich ein Mann aus dem Tecklenburger Land wegen des fünffachen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor der achten Großen Strafkammer des Landgerichts Münster verantworten. Der Mittfünfziger räumte die ihm von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegten Taten zum Prozessauftakt weitgehend ein. Opfer sollen die drei Enkeltöchter seiner Frau gewesen sein.

Das fragliche Geschehen spielte sich laut Anklage zwischen August 2016 und Dezember 2017 in einem großen Haus ab, in dem drei Generationen in drei Haushalten unter einem Dach lebten. Der Mann vergriff sich an den Mädchen demnach zum einen im Arbeitszimmer, wenn er dort mit ihnen zum Spielen vor dem Computer saß, zum anderen im Ehebett, wenn seine Frau neben ihm schlief oder aber im Badezimmer war, während eines der Stief-Enkelkinder bei ihm lag.

Obwohl er den Mädchen gesagt haben soll, dass das Geschehene geheim bleiben müsse, andernfalls „etwas Schlimmes“ passiere, wurden Mutter und Großmutter im Dezember 2016 erstmals aufmerksam. Damals hätten zwei der Kinder weinend in der Badewanne gesessen und auf Nachfrage berichtet, dass ihr Stiefgroßvater sie „komisch“ anfasse und streichle.

Die Ehefrau des Angeklagten sagte dazu, dass sie und ihre Tochter „konsterniert“ gewesen seien und nicht gewusst hätten, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Zudem betonte sie: „Ich habe von den Geschehnissen nichts mitbekommen.“ Die Mutter der Kinder rekapitulierte in ihrer Aussage, dass ihre Mutter Richtung Kinder geäußert habe, sie hätten wohl „etwas falsch verstanden“. Mit den Anschuldigungen der Mädchen konfrontiert, habe der Stiefgroßvater sein Handeln jedoch eingestanden. Allerdings wurde seinerzeit nicht genauer geklärt, was der Angeklagte gemacht hatte. Danach, so die Ehefrau, sei „alles ganz normal weitergegangen“. Die Mutter berichtete, dass sie die Kinder in der Folge immer wieder gefragt habe, ob der „Opa“ sie noch anfasse. Das sei wieder und wieder verneint worden.

Anscheinend völlig überraschend sprach dann kurz vor Weihnachten 2017 das jüngste Kind von einer Missbrauchstat des Stiefgroßvaters. Wieder räumte der Mann das ihm Vorgeworfene ein. Laut der Mutter der Mädchen soll er ihr gegenüber aber auch Sätze wie „Ich habe nichts getan, was die Kinder nicht wollten“ von sich gegeben haben.

Konsequenzen hatte all das zunächst nicht. Erst als sie mit ihren Kindern ausgezogen sei und damit Abstand zur Familie gewonnen habe, habe sie den „Mut zur Anzeige“ aufgebracht, erklärte die Mutter vor Gericht. Die erfolgte im August 2019.

Eine Gutachterin bescheinigte dem nicht vorbestraften Mann, eine „unauffällige sexuelle Entwicklung“. Sie habe ihn als „freundlich, zugewandt und höflich“ erlebt. Die angeklagten Taten ordnete sie als „pädosexuelle Gelegenheitshandlungen“ ein. Anzeichen für eine Schuldunfähigkeit gebe es keine.

Gegen Ende des ersten Verhandlungstages rückten Staatsanwalt und Nebenklage nach Rücksprache mit dem Gericht vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs ab. Der lasse sich selbst bei einer Aussage eines der betroffenen Mädchen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht klar nachweisen, nachdem auch der Angeklagte entsprechende Details aus der Anklage als „nicht der Wahrheit entsprechend“ von sich gewiesen hatte. Deutlich wurde aber auch, dass es wohl mehr als die fünf Taten gegeben hat, die nun als „einfacher“ Kindesmissbrauch eingeordnet werden.

Geprägt war der Verhandlungstag immer wieder von starken Emotionen. Der Angeklagte war sichtlich angespannt und hatte vor allem zu Beginn Probleme, die Fassung zu wahren. Die Mutter der Kinder musste bei ihrer Aussage ebenso weinen wie die Großmutter und Frau des geständigen Täters. Die Mutter berichtete, dass die Mädchen, nachdem sie selbst während des Tatzeitraums noch ein inniges Verhältnis zu ihrem Stiefgroßvater gehabt hätten, inzwischen hofften, dass der ins Gefängnis müsse. Zwei ihrer Töchter haben ihren Worten zufolge erhebliche psychische Probleme bis hin zu Suizidgedanken. Nachdem sie ursprünglich ein tiefes Vertrauensverhältnis zum Angeklagten gehabt habe, sei jetzt „kein Kontakt mehr denkbar“. Den haben die Kinder auch nicht mehr zur Großmutter.

Der Prozess soll kommende Woche fortgesetzt werden. Dann ist wohl auch ein Urteil zu erwarten.

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