Hannah-Arendt-Gymnasium
Experimente im Lockdown

Lengerich -

Positive Erfahrungen hat das Hannah-Arendt-Gymnasium nach eigenen Angaben mit den Experimentiersets gemacht, die an die Jahrgangsstufen 5 bis 9 ausgegeben worden sind. Gefördert werden sollen so Eigentätigkeit und Fingerfertigkeit im Kontrast zum tippen einer Taste am Computer.

Dienstag, 23.02.2021, 16:14 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 16:52 Uhr
Mit Kabeln und Lämpchen im Bereich Elektrizitätslehre experimentieren statt nur Tasten am Computer zu drücken. Darauf setzen die Experimentiersets
Mit Kabeln und Lämpchen im Bereich Elektrizitätslehre experimentieren statt nur Tasten am Computer zu drücken. Darauf setzen die Experimentiersets Foto: HAG

Bei der Übergabe der Halbjahreszeugnissen haben die Schülerinnen und Schüler des Fachs Physik in der Sekundarstufe 1 des Hannah-Arendt-Gymnasiums ( HAG ) einen kleinen Kasten bekommen. Dieser enthielt Experimentiermaterial für einfache, ungefährliche Versuche, die zu Hause gemacht werden können, heißt es in einer Pressemitteilung.

Neben einem kleinen Set zum Thema Magnetismus für die Klassen 5 wurden auch Experimentierboxen zur Elektrizitätslehre, der Optik und der Wärmelehre an die Kinder bis einschließlich des 9. Jahrgangs ausgeteilt. Mit diesem Material lasse sich Unterricht realisieren, der die Grundlage naturwissenschaftlichen Denkens trotz des Lockdown weiterhin vermittelt durch naturwissenschaftliche Experimente, die selbst gemacht werden, schreibt das HAG.

Das Arbeiten mit Experimentierboxen im Physikunterricht hat am Gymnasium eine lange Tradition. Sie setzt bei dem an, was eine wesentliche Grundbedingung für guten Unterricht ist: das individuelle Erleben und das eigene Tun. Neben der Beziehung zur Lehrkraft und der Interaktion mit den Lernenden ist die Beziehung zum Lerngegenstand entscheidend für die Neugier und die Offenheit, sich mit Neuem zu beschäftigen. Gleichzeitig bietet der Umgang mit den Experimenten nach Angaben des HAG eine dringend notwendige Abwechslung zur Arbeit am Computer.

Die Digitalisierung des Unterrichts berge die Gefahr, dass Kinder ihre Eigentätigkeit und Fingerfertigkeit vernachlässigen und ihr Tun auf das Tippen auf der Tastatur reduzieren. Insofern bieten die Sets nicht nur eine Ergänzung zur Entwicklung der Feinmotorik der Kinder, sondern eine Abwechslung von der Arbeit am Rechner. Gleichzeitig kosten die Experimentiersets wenig und macht den Kindern großen Spaß. Das zeige sich nicht nur an den Reaktionen der Schülerinnen und Schüler im Unterricht, sondern auch an der Tatsache, dass bei der Rückgabe der Kästen in den vergangenen Jahren nur sehr selten Teile fehlten oder beschädigt waren, heißt es im Bericht.

Der Ansatz individueller Arbeit an eigenen Bausätzen wird auch im Informatikunterricht der Mittelstufe gepflegt. Seit geraumer Zeit nutzen die Schüler den Calliope-Mini, einen programmierbaren Mikrocontroller, mit dem sich eine Vielzahl an grundlegenden Programmierungen ausführen lassen. Auf diese Weise bleibe die Verbindung zwischen der Theorie und erlebter Praxis des Programmierens erhalten.

Der Ansatz der Experimentierbox am HAG sei auch deshalb bemerkenswert, weil gegenwärtig viel über den Mangel an Schulen berichtet wird: das Manko digitaler Ausstattung von Schulen, Versäumnisse bei der Fortbildung der Lehrenden oder die fehlende digitale Ausstattung der Schüler. Es fehle die Frage, welche Unterrichtsmethoden sich trotz Lockdown bewähren oder die Arbeit am PC ergänzen können. Dabei sei die Analyse von Krisen nicht nur nützlich, insofern sie Schwachstellen aufzeigt – beispielsweise den eklatanten Mangel an schultauglichen stabilen digitalen Plattformen –, sondern sie weise gleichzeitig auf bewährte Verfahrensweisen des Unterrichts, die in den Fokus rücken.

Die Kurzfristigkeit des Lockdowns vor Weihnachten hat dem Gymnasium nach eigenen Angaben Schwierigkeiten bei der Versorgung der Schüler mit Material bereitet. Entgegen der wiederholten Ankündigung aus Düsseldorf, die Schulen würden nicht geschlossen, wurde die Schließung vor Weihnachten über das Wochenende vollzogen. Ein solches Ad-hoc-Vorgehen mache die Bereitstellung von Experimentiermaterial oder programmierbaren Mikrocontrollern praktisch unmöglich. Die Ankündigung der Vergabe der Zeugnisse an der Schule sei wie eine Einladung gekommen, das bewährte Konzept trotz Lockdown umzusetzen – auch wenn das Zusammenstellen und Packen von über 270 Experimentiersets eine zeitraubende, logistische Aufgabe für die Fachschaft Physik war. „Die aber hat sich gelohnt“, schreibt das HAG.

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