Bewährungsstrafe für 41-Jährigen
Spritztour im Drogenrausch endet auf dem Feld

Lengerich/Tecklenburg -

Einen Cocktail aus Kokain, Morphium und Kodein hatte ein 41-Jähriger im Blut, als er während einer Spritztour einen Unfall baute. Er musste sich nun vor Gericht verantworten.

Sonntag, 28.02.2021, 18:48 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 14:24 Uhr
Nach einem Unfall musste sich ein Lengericher nun vor Gericht verantworten.
Nach einem Unfall musste sich ein Lengericher nun vor Gericht verantworten. Foto: dpa

Mit einem Totalschaden endete die nächtliche Spritztour eines 41-jährigen Mannes aus Lengerich im September vergangenen Jahres. Für diese Fahrt musste er sich am Freitag vor dem Amtsgericht in Tecklenburg verantworten.

Bei dem Unfall auf der Ringeler Straße war nicht nur der Pkw der Eltern des Angeklagten schwer beschädigt worden, an einem Leitpfosten und der Böschung entstand ein geschätzter Schaden von rund 700 Euro. Da der Mann bei der polizeilichen Unfallaufnahme desorientiert wirkte, wurde die Entnahme einer Blutprobe angeordnet. Diese ergab, dass der Unfallverursacher einen Cocktail aus Kokain, Morphium und Kodein intus hatte.

Folgerichtig lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft auf „Vorsätzliche Verkehrsgefährdung“. Diese wird laut § 21 Straßenverkehrsgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet. Da dem Mann schon vor längerer Zeit der Führerschein entzogen worden war, rundete die zusätzliche Anklage wegen „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ – ebenfalls mit bis zu einem Jahr Strafandrohung – die Sache ab.

Fahren ohne Fahrerlaubnis

„Ich bekenne mich schuldig,“ so lautete die Antwort auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob der Angeklagte sich zur Sache äußern wolle. Er habe Kokain konsumiert und sei dann auf die Idee verfallen, sich das Auto der Eltern für eine Spritztour „auszuleihen“. Nach einer Weile sei er wohl am Steuer eingeschlafen und erst auf dem Feld wieder aufgewacht.

Der Mann gab an, seit seinem 14. Lebensjahr drogenabhängig zu sein. Zunächst habe er Haschisch konsumiert, später vor allen Heroin und Kokain. Einhergehend mit der Drogensucht kam der Mann durch Beschaffungskriminalität immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Davon zeugten die zahlreichen Vorstrafen wegen Diebstahls und ähnlicher Delikte. Offen gab der Mann zu, weiterhin Drogen zu konsumieren. Den Vorschlag der Staatsanwältin, als Teil des Schuldspruchs zwingend eine Therapie vorzugeben, lehnte der Angeklagte ab. „Ich bin substituiert und habe das im Griff“, lautete sein überraschendes Statement. Seine Arbeitsstelle gebe ihm den unbedingt nötigen Halt – bei einer weiteren Therapie würde er diese verlieren.

So lautete der Schuldspruch am Ende sieben Monate auf Bewährung, bei einer Bewährungszeit von drei Jahren. Außerdem verhängte der Richter eine Geldbuße von 1000 Euro zu Gunsten der Staatskasse und verlängerte die Sperrfrist für den Wiedererwerb des Führerscheins um weitere zwei Jahre. „Die Strafe ist angemessen“, befand der Angeklagte zum Abschluss und der Vorsitzende Richter hatte noch einen guten Rat für den Mann: „Als alter Hase wissen sie, dass der Konsum von Drogen nicht strafbar ist, aber die Grenze zur Straftat ist da fließend. Wenn sie diese überschreiten, wandern sie sofort ins Gefängnis und müssen ihre Strafe absitzen.“

Substitution in der Drogentherapie bedeutet, die Droge durch einen anderen Stoff zu ersetzen. In der Behandlung von zum Beispiel Heroinabhängigen ist die Substitution mit dem Ersatzstoff Methadon gebräuchlich, gelegentlich wird auch Codein eingesetzt. Hilfsangebot unter www.kmdd.de/infopool-und-hilfe/hilfe-und-beratung.

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