Frühlingswetter lockt Tausende in den Teutoburger Wald
Zurück bleiben Berge von Müll

Lengerich -

Kaum ist das Wetter schön, werden die Wanderwege im Teutoburger Wald, speziell die Route „Canyon Blick“ von Erholungsuchenden überlaufen. Zurück bleiben dann Berge von Müll.

Montag, 19.04.2021, 17:26 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 17:34 Uhr
Wanderer im Naturschutzgebiet abseits des Weges (links), Picknick auf den Wiesen am Südhang des Teuto, Müll am Wegesrand und jede Menge Einwegverpackungen im Generationenpark (rechts von oben)
Wanderer im Naturschutzgebiet abseits des Weges (links), Picknick auf den Wiesen am Südhang des Teuto, Müll am Wegesrand und jede Menge Einwegverpackungen im Generationenpark (rechts von oben) Foto: Renate V. Scheiper/Freia Rieser

Wurst, Käste und weitere Lebensmittel, schön verpackt in einer Tüte – sieht aus wie das Resultat eines Besuchs im Supermarkt. Ist es wohl auch. Was nicht passt ist der Ort, an dem Freia Rieser diesen Fund gemacht hat: im Teutoburger Wald. „Das ist kein Einzelfall“, sagt die Lengericherin im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten . Seit Jahresbeginn mache sie immer wieder die Beobachtung, dass Erholungsuchende ihren Müll einfach im Wald liegen lassen.

Was sie besonders fuchst, denn als Mitarbeiterin der Tourist-Information im Alten Rathaus will sie Besuchern eigentlich die Schönheiten der Stadt nahe bringen. Doch speziell auf den Wanderwegen, insbesondere der Teutoschleife Canyon Blick, störe immer häufiger achtlos weggeworfener Müll das Bild der Natur, hat sie festgestellt.

Aus den geplanten eineinhalb Stunden fürs Müllsammeln sind drei geworden.

Freia Rieser

Doch beim Beklagen der Zustände hat es Freia Rieser nicht belassen. „Ich habe mich mit einem blauen Müllsack und einem Picker auf den Weg gemacht“, erzählt sie. Flaschen, Dosen, Tüten, Salatverpackungen – ihre Aufzählung der Fundsachen gleicht einer Einkaufsliste für ein Picknick, bei dem es an nichts fehlen soll. Damit nicht genug. In den Büschen findet sie gefüllte Hundekot-Beutel, die von den Herrchen oder Frauchen offenbar dorthin gepfeffert worden sind.

Eineinhalb Stunden hat Freia Rieser für ihre Müllsammelaktion einkalkuliert. „Am Ende war ich drei Stunden unterwegs“, bilanziert sie. Der Müllsack war bis an den Rand gefüllt. Als sie den Parkplatz erreicht, reißt die Tüte. „Das hatte ja gerade noch gefehlt“, stellt sie mit unüberhörbarer Ironie fest.

Schilder „Naturschutzgebiet“ werden nicht beachtet

Unbemerkt ist ihre Säuberungsaktion nicht. Sie sei von vielen Spaziergängern angesprochen worden. „Die fanden das alle toll, was ich mache“, beschreibt sie die Reaktionen. Auf ihre Rückfrage, ob die Menschen es denn gut fänden, dass so viel Müll in der Natur zurückgelassen werde, erntet sie nur noch Schweigen.

Das Gelände am Canyon ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen – mit entsprechenden Schildern. Als die Touristik-Expertin eine Frau, die aus dem Naturschutzgebiet herauskommt, darauf anspricht und auf das Betretungsverbot hinweist, erntet sie nur eine schnippische Antwort: „Da kommen noch 20 Leute hinter mir.“

Wenn das Wetter schön ist, so wie am vergangenen Wochenende, werden die Grasflächen südlich des Teutoburger Waldes zu Picknickwiesen umfunktioniert. Decken werden ausgebreitet, die Vorräte ausgepackt und verzehrt oder einfach nur die wärmende Sonne genossen. Radler stellen ihren Drahtesel gleich daneben ab. Alles in einem Bereich, der Landschaftsschutzgebiet ist. Was aber niemanden zu stören scheint, wie Renate Scheiper beobachtet hat.

Kommentar

Naturschutz wird mit Füßen getretenDie Wanderwege im Teutoburger Wald verkommen immer mehr zu einer Müllhalde. Die unheilvolle Entwicklung hat mit Beginn der Corona-Pandemie eingesetzt. Bei einigermaßen trockenem Wetter suchen Tausende dort Erholung.

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Dass sie am Sonntag einen Spaziergang auf dem Wanderweg um den Canyon unternommen hat, bezeichnet sie im Nachhinein als „unbedacht“. Die „reinste Völkerwanderung“ habe sich über den Weg gewälzt. Gruppen von bis zu 20 Personen, alle ohne Mundschutz. Die Lengericherin befürchtet, dass bis zum Sommer alles weggetrampelt sein wird und nicht mal mehr Schafe dort einen Grashalm finden werden.

Doch nicht nur auf den Wanderwegen ist der Müll zu einem Problem geworden. Freia Rieser hat das Wegwerf-Phänomen auch im Generationenpark an der Gempt-Halle entdeckt. „Da liegt wahnsinnig viel Einwegmüll“, gibt sie ihre Eindrücke wieder. Die Kolleginnen und Kollegen vom Baubetriebshof könnten gar nicht alles wegräumen, was weggeworfen werde. „Dann kämen die zu nichts anderem mehr.“

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