pax christi ehrt Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ mit Papst Johannes XXIII.-Preis
Kämpfer für gerechte Arbeit

Lengerich/Münster -

Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ setzt sich für die Rechte von Arbeitsmigranten ein. Die christliche Friedensbewegung „pax christi“ würdigt das mit der Verleihung des Papst Johannes XXIII.-Preises. Der Verein ist vom Lengericher Pfarrer Peter Kossen gegründet worden.

Mittwoch, 28.04.2021, 16:30 Uhr aktualisiert: 28.04.2021, 16:40 Uhr
Der Vorstand des Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ (von links): Hermann Lütkeschümer (Schatzmeister), Mariya Kromova (Beisitzerin), Peter Kossen (Vorsitzender), Saskia Wanke (Beisitzerin) und Dr. Gisbert Stalfort (zweiter Vorsitzender).
Der Vorstand des Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ (von links): Hermann Lütkeschümer (Schatzmeister), Mariya Kromova (Beisitzerin), Peter Kossen (Vorsitzender), Saskia Wanke (Beisitzerin) und Dr. Gisbert Stalfort (zweiter Vorsitzender). Foto: Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“

Der Papst Johannes XXIII.-Preis 2021 wird an den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ in Lengerich verliehen. Dieser Preis wird von pax christi Münster seit 2011 alle zwei Jahre verliehen. Er ist für Personen und Organisationen im Bistum Münster bestimmt, die sich im Sinn des Konzilspapstes für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen, so die Organisation.

Ziel sei, die Grundintention der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ mit ihrem Engagement in die heutige Zeit zu übertragen: „Freude und Hoffnung“. Trauer und Angst der Menschen, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, seien auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi, schreibt die christliche Friedensbewegung .

Der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ setze sich für die Rechte von Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus Ost- und Südosteuropa in der hiesigen Fleischindustrie ein, erläutert Maria Buchwitz , Diözesanvorsitzende von pax christi Münster. Lange bevor die Realität dieser Menschen im Zug der Corona-Pandemie viel mediale Aufmerksamkeit bekam, habe der Verein die oft prekären und menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen aufgedeckt, angeklagt und sich für ein (Arbeits-) Leben in Würde und Gerechtigkeit stark gemacht.

Nachdem sich im vergangenen Jahr mehrere Schlachthöfe als Corona-Hotspots erwiesen hatten, wurden die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie öffentlich diskutiert. Dabei waren die Zustände auf Schlachthöfen bezüglich Werksverträgen und Leiharbeit mit Lohn- und Sozialdumping lange bekannt. Dazu gehören beispielsweise Zwölf-Stunden-Schichten, Sechs- bis Sieben-Tage-Wochen und Bezahlung unter dem Mindestlohn sowie fehlender Krankenversicherungsschutz.

Dass der Verein – gegen viele Widerstände – einen wichtigen Kampf gekämpft hat, soll mit der Verleihung des Johannes XXIII.-Preises gewürdigt werden. Er arbeite an der Veränderung ungerechter Arbeitsstrukturen. Vor Kurzem haben Bundestag und Bundesrat das sogenannte Arbeitsschutzkontrollgesetz für die Fleischindustrie verabschiedet. Damit sei seit dem 1. Januar dieses Jahres verboten, in Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben Mitarbeitende über Werksverträge anzustellen. Beschlossen wurden zudem einheitliche Kontrollstandards und höhere Bußgelder. Die elektronische Aufzeichnung der Arbeitszeit in der Fleischindustrie wird laut Bericht zur Pflicht.

Allerdings werde es weiterhin große Wachsamkeit brauchen, damit diese Regelungen wirklich umgesetzt und nicht unterlaufen werden. Dies hat sich die „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ zur Aufgabe gemacht. Sie ist davon überzeugt, dass das Thema der gerechten und würdevollen Arbeit einen zentralen Stellenwert in einer sich immer weiter globalisierenden Wirtschaft erhalten muss.

Der Preis soll nach Angaben von pax christi mithelfen, die Aufmerksamkeit für dieses Thema hochzuhalten. Für den Preisbeirat war es ein Anliegen, mit der Verleihung des Preises an den Verein auf einen weiteren Zusammenhang von Würde und Gerechtigkeit in der Fleischindustrie aufmerksam zu machen: auf die Lieferkette sowie darauf, wie in Amazonien Würde und Leben vieler Bauernfamilien und indigener Völker verletzt werden durch die Rodung riesiger Flächen für Soja. Dieser Tierfutter-Anbau zeige den direkten Zusammenhang von Zerstörung des Regenwaldes, weltweitem Klimawandel und der hiesigen Fleischindustrie sowie dem Fleischkonsum.

In einer ersten Reaktion bekundete Pfarrer Peter Kossen, Initiator und Inspirator der „Aktion Würde und Gerechtigkeit“, im Namen des Vorstandes seine große Freude über diesen Preis. Er sieht in ihm „eine große Ermutigung für unser Engagement für die Arbeitenden in Großschlachtereien, die Ausbeutung und Ausgrenzung erfahren, damit sie nicht weiterhin wie ‘Wegwerfmenschen‘ behandelt werden“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7940035?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Nachrichten-Ticker