Kalkabgrabung: Industrie soll Abstriche machen
Kompromiss in Sicht

Lienen/Lengerich -

Ökologie kontra Ökonomie. Beim Abbau von Kalkgestein kommt dieser klassische Konflikt sofort durch. In Sachen Abgrabung scheint jetzt alles auf einen Kompromiss hinauszulaufen. Die Kalk- und Zementindustrie muss Abstriche machen, darf aber weiter abgraben.

Donnerstag, 23.08.2012, 09:08 Uhr

Hier Arbeitsplätze, dort Natur. Bei der Kalkabgrabung prallen diese Gegensätze erbittert aufeinander. Die Zement- und Kalkindustrie möchte in Lengerich und Lienen insgesamt 54 Hektar (teilweise wertvoller Buchenwald) abgraben. Naturschützer und eine Reihe von Bürgern leisten Widerstand, möchten am liebsten das Ende einläuten.

Wie in solchen Konfliktsituationen üblich, läuft alles auf einen Kompromiss hinaus. Der Industrie wird von ihren Forderungen eine Menge abgestrichen, es gibt Auflagen und Gebote – und der Abbau geht die nächsten Jahre weiter.

Die Gemeinde Lienen hat die Gelegenheit, Stellung zum Regionalplan Münsterland zu nehmen. Darin geht es um die Abgrabungsbereiche Lienen (28 Hektar) und Lengerich (26 Hektar). Bereits mehrfach haben sich Rat und Ausschüsse mit dem Thema beschäftigt. Jetzt geht es in die Endphase. Am Montag (27. August) will der Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss eine von der Verwaltung vorgeschlagene Stellungnahme diskutieren und dem Rat eine Empfehlung übermitteln. Das Schreiben geht danach an die Bezirksregierung Münster. Dort fällt die Entscheidung, ob und in welchem Umfang eine weitere Abgrabung im Teuto stattfindet. Die Gemeinde Lienen ist neben vielen anderen Behörden und Institutionen zu einer Stellungnahme aufgerufen.

Im Augenblick sind die Rohstoffvorräte für Calcis bis zum Jahr 2017 und für Dyckerhoff bis etwa 2027 gesichert.

Blick in die Historie: 1997 sind auf Vorschlag eines Gutachters die heute im Regionalplan dargestellten Abgrabungsbereiche festgelegt worden. Der Verfasser empfahl seinerzeit, „schon heute wirtschaftliche Umstrukturierungsüberlegungen vor allem für Lengerich und Lienen anzustellen“, da „bei Inanspruchnahme weiterer Flächen für Abgrabungen in Bereichen des Teutoburger Waldes die ökologische Problematik noch größer wird“.

Die Gemeinde Lienen, so die Verwaltung in der Sitzungsdrucksache für den Bauausschuss, ist davon ausgegangen, das keine weiteren Abgrabungen vorgesehen sind und nach dem Auslaufen der Abgrabungsgenehmigungen, für die Firma Calcis 2017 und für die Firma Dyckerhoff 2027, der Abbau von Gestein eingestellt wird. Doch in der seinerzeit erteilten Abgrabungsgenehmigung findet sich davon nichts.

Als Kompromiss empfiehlt die Verwaltung, der Firma Calcis höchstens die Hälfte der geforderten Fläche (also 14 Hektar) zuzugestehen. Damit wäre die Rohstoffgewinnung für 23 Jahre gesichert. In Sachen Dyckerhoff (dort ist eigentlich die Stadt Lengerich zuständig) verlangt Lienen eine Reduzierung der Abgrabungsfläche rund um den Hohner Berg. Der derzeitige Abstand zwischen den Steinbrüchen Lengerich-Hohne und Lienen-Höste solle beibehalten werden.

„Mit diesem Kompromiss trägt die Gemeinde den wirtschaftlichen Interessen der Abgrabungsunternehmen, den Natur- und Landschaftsschutzbelangen sowie den Anforderungen an die Erholungs- und Freizeitfunktion der Gemeinde als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ weitestgehend Rechnung. Sie ermöglicht den Betrieben unter Zurückstellung berechtigter gemeindlicher Bedenken die Rohstoffgewinnung für einen ausreichenden Planungszeitraum. Die Gemeinde erklärt sich bereit, gemeinsam mit den Betrieben und gegebenenfalls anderen örtlichen und überörtlichen Akteuren, alternative wirtschaftliche Betätigungsfelder für die Zeit nach der Abgrabung zu entwickeln“, heißt es abschließend in dem Verwaltungsvorschlag.

Das letzte Wort zur Stellungnahme spricht der Gemeinderat.

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