Kalkabgrabung im Teutoburger Wald
Der Widerstand wächst

Lienen -

Es ist eine sachlich-faire Veranstaltung. Vor 200 Besuchern tauschen Vertreter der Kalk- und Zementindustrie und Naturschützer ihre Argumente es. Es geht um eine Erweiterung der Abgrabungsgebiete.

Samstag, 25.08.2012, 11:08 Uhr

Kalkabgrabung im Teutoburger Wald : Der Widerstand wächst
Bürgermeister Dr. Martin Hellwig (stehend) freut sich über 200 Besucher in der Hauptschul-Aula. Offiziell geht es um die Änderung des Regionalplans Münsterland. Doch dahinter steckt die Absicht der Kalk- und Zementindustrie, weitere 52 Hektar Wald ab zu graben. Auf dem Rücken des Teutoburger Waldes. Foto: Wilhelm Schmitte

Größer kann der Gegensatz kaum sein. Hier Naturschutz – dort 44 Arbeitsplätze. Wertvoller Waldmeister-Buchenwald kontra Lebens- und Existenzgrundlage von Familien.

Was ist an diesem lauen Sommerabend los in der Hauptschul-Aula? Es geht um die Änderung des Regionalplans. Dahinter steckt Zündstoff, nämlich die Erweiterung der Abgrabungsflächen für die Zement- und Kalkindustrie. Calcis in Lienen und Dyckerhoff in Lengerich möchten insgesamt 54 Hektar im Teutoburger Wald für ihre Zwecke nutzen. Da kapitalintensiv, wollen die Unternehmen eine Perspektive. Doch dagegen formiert sich Widerstand.

Wäre nach der dreieinviertelstündigen und sehr sachlichen Bürgerversammlung – von Bürgermeister Dr. Martin Hellwig moderiert – von den 200 Teilnehmern abgestimmt worden, es wäre wohl der Einstieg in den Ausstieg gewesen. Zu groß die Befürchtungen, dass der Liener Berg weg gebaggert wird und freie Sicht bis zur Nordsee möglich ist. Zugegeben, eine überspitzte Formulierung. Aber so formulierten es Diskussionsteilnehmer.

Es geht – natürlich – um Calcis. Mitarbeiter sind gekommen, ebenso Dyckerhoff-Verantwortliche und viele Interessierte aus Lienen und Lengerich. Die Debatte ist von Fairness geprägt. Rüpeleien bleiben aus.

Den Auftakt macht Calcis. Geschäftsführer Detlev Wegener („Wir sind hier seit 60 Jahren und Natur und Umwelt verpflichtet“). Ein Film stellt den Betrieb und seine Absichten vor.

Per Wasner berichtet, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr Aufträge im Wert von 3,9 Millionen Euro an Zulieferer im Umkreis von 20 Kilometern vergeben hat. Abgebaut, so der Werksleiter, werden in Lienen jährlich 200 000 Kubikmeter Kalkgestein. „Wir hinterlassen keine Mondlandschaft, sondern einen Fußabdruck“, sagt er mit Blick auf die Renaturierung des Steinbruchs. Da es bei der Filmpräsentation zu einer technischen Panne kommt, kann die 3D-Animation zur Entwicklung des künftigen Steinbruchs nicht gezeigt werden. Der Film wird noch in den Lienener Filialen der Volksbank und Kreissparkasse zu sehen sein.

35 Hektar Gestein sind auf dem Kamm des Teutoburger Waldes abgebaut, zwölf Hektar genehmigt und 28 Hektar beantragt. Diese Zahlen nennt Sigrid Elling-Augé vom Vorstand der Bürgerinitiative (BI) Pro Teuto (Lengerich). Klipp und klar ihre Forderung: „Keine Ausweitung der Abbauflächen.“ Die Rednerin weist auf den Waldmeister-Buchenwald hin, der nach Europarecht geschützt ist. Später nennt sie Gründe gegen eine Abgrabung – unter anderem möglicher Verlust von Kalktuffquellen, Ausgleichsmaßnahmen, die andernorts Landwirtschaft und Naturschutz Flächen rauben, oder Schädigungen des Landschaftsbildes.

„Selbstverständlich wird der Kalkabbau in den nächsten Jahren beendet“, ist Rainer Seidl von der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) überzeugt. Für ihn ist die Frage, nur wann. Ein weiterer Abbau? „Nein,“ schüttelt er den Kopf. Sollte anders entschieden werden, dann wollen, so Seidl, die Naturschutzverbände in Brüssel ein Vertragsverletzungsverfahren anregen.

Altbürgermeister Horst Murken blickt in die Geschichte, erinnert an den Kompromiss von 1997. Für ihn sei die rote Linie das damalige Gutachten und die dort aufgezeigten Grenzen. Weitere Kompromisse lehnt er unter dem Beifall des Auditoriums ab. Er bittet Rat und Verwaltung einer Erweiterung einen Riegel vorzuschieben.

Den von der Verwaltung ausgearbeiteten Kompromiss-Vorschlag als Stellungnahme erläutert Günter Glose, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen. Da sind aber schon eine Reihe von Zuhörern gegangen.

Jetzt beginnt die Diskussion im politischen Raum und das Feilen an dem Papier. Martin Hellwig: „Ein Kompromiss tut an einigen Stellen immer weh.“

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