Schulbusverkehr in Lienen
Spätestens sechs Uhr aufs Rad

Lienen -

Wenn man in der Karrenbrock-Siedlung in Lienen wohnt, und um 7.40 Uhr die schule in Ibbenbüren anfängt, gibt es ein Problem, weil die (Schul)Busverbindungen schlecht sind. Aufstehen ist schon morgens um fünf Uhr angesagt.

Freitag, 30.09.2016, 18:09 Uhr

Die Bushaltestelle liegt für Luca Mentrup fast vor der Haustür. Einen Nutzen hat der Berufsschüler davon nicht, denn der erste Bus hält dort viel zu spät, als dass er noch pünktlich in der Schule sein könnte.
Die Bushaltestelle liegt für Luca Mentrup fast vor der Haustür. Einen Nutzen hat der Berufsschüler davon nicht, denn der erste Bus hält dort viel zu spät, als dass er noch pünktlich in der Schule sein könnte. Foto: Michael Baar

Fünf Uhr aufstehen, spätestens um sechs Uhr aufs Fahrrad und zur Grundschule gestrampelt. Dort in den Bus, der um 7.20 Uhr in Ibbenbüren ankommt. Früh genug, um zum Unterrichtsbeginn um 7.40 Uhr im Berufskolleg zu sein. Für Luca Mentrup der ganz normale Schulweg. Seit einem Jahr und noch für ein knappes weiteres Jahr.

Dass seine Schwester Lina vor dem gleichen Problem steht, tröstet den 19-Jährigen nicht. Der angehende Sozialassistent träumt von einem Bus, den er fast vor der Haustür besteigen könnte, um zur Schule zu gelangen. Die Haltestelle Karrenbrock an der Kattenvenner Straße ist nur wenige Meter von der Haustür entfernt.

Mutter Heike Mentrup hat sich vergeblich bemüht, für ihre Kinder eine einfachere Schulweg-Lösung als die Rad-Bus-Kombination zu finden. Bei der Regionalverkehr Münsterland (RVM) habe sie nachgefragt, ob ein zusätzlicher Bus eingesetzt werden könnte. „Man könne nicht für alle sorgen im Außenbereich, hat man mir gesagt“, erzählt sie im Gespräch mit den WN.

Den Hinweis, die Gemeinde könnte einen Zubringerbus bezahlen, hat sie nicht als wirklich hilfreich empfunden. Dass in diesem speziellen Fall wohl nur eine Ausdehnung des Ortsverkehrs die Lösung wäre, bestätigt Werner Ehrenberg. Er ist bei der RVM fürs Verkehrsmanagement zuständig. „Ich muss die Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen – und die geht nicht auf“, sagt er auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten . Zahlen müsste den Bus im Zweifelsfall die Gemeinde Lienen .

Die Bereitschaft dazu ist in der Verwaltung gleich Null. Zwar zahlt die Gemeinde als Schulträger die Fahrkosten für Grund- und Hauptschüler in Lienen und Kattenvenne. Wer außerhalb der Kommune eine Schule besucht, muss sich an den jeweiligen Schulträger halten. Zudem, so erläutert Christian Brüger im Gespräch mit den WN, würden die Schüler in Lienen nicht mit dem sogenannten Spezialverkehr, sondern im örtlichen Linienverkehr zu den Schulen gefahren.

Dass es für Luca Mentrup und seine Schwester Lina eine „völlig unbefriedigende Situation“ ist, versteht der Fachdienstleiter nur zu gut. Seine Tochter mache in Osnabrück eine Ausbildung. Um vom Wohnort Ledde dort hinzukommen, bleibe nur der Zug. Der nächste Bahnhof ist in Laggenbeck.

„Der Bus ist übervoll, die jungen Leute sollen eine Ausbildung machen, aber haben Probleme, das umzusetzen, wenn sie auf dem Land wohnen.“ Heike Mentrup ist sich darüber im Klaren, dass ihr Wunsch und der ihrer Kinder wohl nicht in Erfüllung geht. „Vielleicht melden sich ja Leute, die ebenfalls vor diesem Problem stehen und es könnte sich eine Fahrgemeinschaft bilden“, hofft sie.

Schließlich seien im Berufskolleg etliche Schüler aus Kattenvenne, erzählt Luca. So ein kleiner Funken Hoffnung scheint da zu sein – auf einen Bus, der in Kattenvenne startet und vor 6.24 Uhr an der Grundschule Lienen anhält. Verständlicherweise hat er keine große Lust, im Winter morgens um sechs Uhr mit dem Rad nach Lienen zu fahren. Seiner Mutter würde er diese Fahrt mit dem Auto gerne ersparen, „schließlich muss die ja wegen ihrer Arbeit eigentlich nicht ganz so früh aufstehen“.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4341446?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F4849576%2F4849579%2F
Turner-Ausstellung: Lange Schlangen am letzten Wochenende
An den letzten Tagen der Turner-Ausstellung bildeten sich rekordverdächtig lange Schlangen vor und im LWL-Museum für Kunst und Kultur.
Nachrichten-Ticker