Bündnis-Veranstaltung zum Thema Kalkabbau
Schlagabtausch bei Opa Joe‘s

Lienen -

Wenn am Montagabend in der Sondersitzung des Rates zur Zukunft des Kalkabbaus in Lienen über die Stellungnahme der Gemeinde verhandelt und abgestimmt wird, dann ist doch sehr fraglich, ob die Vertreter des Bündnisses für Ökologie und Demokratie dem Entwurf der Verwaltung zustimmen, der in den vergangenen Tagen noch um Vorschläge aus den Fraktionen ergänzt wurde. Im Kern heißt es darin, dass Calcis die Möglichkeit eingeräumt werden soll, nach weiteren Abgrabungsflächen für die kommenden Jahren zu suchen.

Freitag, 17.03.2017, 17:03 Uhr

Fair im Ton, kontrovers in der Sache: Helmut Fehr (links), grünes Mitglied im Regionalrat, sprach im Fall von Calcis in Lienen von „unvereinbaren Interessen“ zwischen Kalk-Industrie und Umweltschutz, Bündnis-Fraktionssprecher Georg Kubitz (rechts) forderte die baldige Einstellung der Abgrabungen. Calcis-Werksleiter Per Wasner und Geschäftsführer Detlev Wegner hielten dagegen.
Fair im Ton, kontrovers in der Sache: Helmut Fehr (links), grünes Mitglied im Regionalrat, sprach im Fall von Calcis in Lienen von „unvereinbaren Interessen“ zwischen Kalk-Industrie und Umweltschutz, Bündnis-Fraktionssprecher Georg Kubitz (rechts) forderte die baldige Einstellung der Abgrabungen. Calcis-Werksleiter Per Wasner und Geschäftsführer Detlev Wegner hielten dagegen. Foto: Michael Schwakenberg

Am Donnerstagabend hatte das Bündnis zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in Opa Joe‘s Roadhouse eingeladen, zu der gut ein Dutzend Interessierte kamen. Eie Einführung mit ausführlichen Erläuterungen zum weiteren Prozedere gab Helmut Fehr, grünes Mitglied im Regionalrat. Was Calcis in Lienen betrifft, sprach er von „unvereinbaren Interessen“ von Kalk-Industrie und Umweltschutz. Eine Aussage, der Calcis-Geschäftsführer Detlev Wegner umgehend widersprach: „Unvereinbare Interessen gibt es nicht. Deshalb stehen wir ja im Dialog.“ Wegner zweifelte auch das vielfach angeführte Argument an, dass die Eigentumsverhältnisse bei der Sicherstellung der Versorgungssicherheit für die nächsten 35 Jahre keine Rolle spielen würden und verwies in diesem Zusammenhang auf anderslautende Gerichtsentscheide.

Im zweiten Teil des Abends begründete Bündnis-Fraktionssprecher Georg Kubitz , warum seine Fraktion gegen jegliche weitere Abgrabungsgenehmigungen ist. Zunächst ging er auf die zuerwartenden finanziellen Folgen für die Gemeinde ein und rechnete vor, dass der Wegfall von 100 Arbeitsplätzen – Calcis in Lienen hat nur rund 50 Beschäftigte – die Gemeinde im Haushalt mit nicht einmal 50 000 Euro pro Jahr träfe, da die Verluste beim Einkommens- und Gewerbesteueranteil durch höhere Schlüsselzuweisungen weitgehend kompensiert würden – wenn auch ein Jahr zeitversetzt. Kubitz wörtlich: „Wer behauptet, Lienen würde durch die Schließung von Calcis kaputt gehen, hat keine Ahnung von Gemeindefinanzierung.“

Kubitz führte zudem eine Statistik der Industrie- und Handelskammer an, wonach schon seit Jahren die überwiegende Zahl der Lienener Erwerbstätigen ihren Arbeitsplatz auswärts hat. Seine Schlussfolgerung: „Die Leute wohnen nicht wegen der Arbeitsplätze in Lienen, sondern wegen der Lage. Lienen galt ja auch mal als Perle am Südhang des Teutoburger Waldes. Und wir befürchten, dass ein weiterer Abbau in Richtung Dorf negative Folgen hat.“ Dass auch er mit seinen Thesen auf Widerspruch stoßen würde, war Kubitz wohl klar, räumte er doch im gleichen Atemzug ein: „Man kann das natürlich auch anders sehen. So wie die Firma Calcis zum Beispiel. Das ist ja auch verständlich.“

In der Tat ließ die Gegenrede nicht lange auf sich warten. Wegner konterte: „Wenn alle so denken würden wie Herr Kubitz, dann wäre Deutschland bald pleite. Die Erde ist halt keine Scheibe, sondern eine Kugel.“ Wegner erinnerte auch an die geschätzt rund 300 Arbeitsplätze bei anderen Arbeitgebern, die an Calcis dranhängen. Er führte zudem an, dass die in Lienen möglicherweise wegfallenden Arbeitsplätze nicht zwangsläufig anderswo neu entstehen, sondern die in Lienen wegfallende Menge Kalk in andere Werken womöglich nur durch eine höhere Auslastung zusätzlich produziert werde.

Ein interessierter Bürger sah sich durch Kubitz‘ Ausführungen zu der Feststellung genötigt: „Wenn alle so denken würden wie sie, dann würde bald keiner mehr etwas produzieren.“ Die wirtschaftliche Lage in Lienen sei jetzt schon katastrophal.

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