Schule wächst
Waldorfschule bald mit 70 Kindern?

Lienen -

Der Trägerverein der Freien Waldorfschule Lienen hofft nach wie vor auf einen 30 000-Euro-Zuschuss von der Gemeinde Lienen. Die will auch helfen. Doch Lienen befindet sich in der Haushaltssicherung. Der Haushaltsetat liegt zur Prüfung beim Kreis.

Donnerstag, 13.04.2017, 11:04 Uhr

Der Unterricht in einer Waldorfschule unterscheidet sich von dem in Regelschulen. Schon die Atmosphäre in der Klasse ist eine andere.
Der Unterricht in einer Waldorfschule unterscheidet sich von dem in Regelschulen. Schon die Atmosphäre in der Klasse ist eine andere. Foto: Waldorfschule

Sie ist noch ein Kleinkind. Gerade mal zwei Jahre ist sie alt. Was das Besondere an ihr ist? Eine mögliche Antwort: Sie hat ganz viele Mütter und Väter. Einer dieser „Väter“ heißt Hermann Rutsch und hat selbst einmal – vor vielen Jahren – eine Waldorfschule besucht. „Wäre ich nicht dorthin gegangen – ich war auf einem Waldorfinternat – hätte ich menschlich und beruflich nicht die Entwicklung gemacht, die ich gemacht habe“, sagt er. Rutsch ist im Förderverein der Freien Walddorfschule Lienen für die Finanzen verantwortlich und sich ziemlich sicher, dass ab dem Sommer um die 70 Schülerinnen und Schüler die Einrichtung am Lührmanns Weg besuchen werden.

Derzeit zählt die junge Schule, die zum Schuljahr 2015/2016 ihre Arbeit aufgenommen hat, 36 Kinder. Sie verteilen sich auf vier Klassen. 21 Anmeldungen liegen für das Schuljahr 2017/2018 vor. Macht summa summarum 57 Schüler. Erfahrungsgemäß kämen auch im laufenden Schuljahr Schüler hinzu, erläutert Rutsch, warum er auf die Zahl 70 kommt. Ulrich Eickhoff , Ariane Sternke und Katja Borgelt stimmen zu.

Es ist Dienstag. In wenigen Tagen ist Ostern. Das Schulgebäude, das sich Haupt- und Waldorfschüler derzeit teilen, ist verwaist. Es sind Ferien. Eickhoff und Sternke, beide im Vorstand des Trägervereins der Freien Waldorfschule Lienen, sowie Waldorfpädagogin und -lehrerin Borgelt sitzen im Besprechungs- beziehungsweise Lehrerzimmer. Ein kleiner Heizofen ist an, ansonsten ist es in der Schule kalt. Die vier reden über die Förderung der Persönlichkeiten von Kindern, über ihre eigene Schulzeit, über die Römer, Geschichte und Mathematik – und auch über Geld. 30 000 Euro erhoffen sich Förder- und Trägerverein als Zuschuss von der Gemeinde Lienen. Doch ob die fließen werden, weiß immer noch keiner. Was bedeutet diese Planungsunsicherheit für die noch junge Schule?

„Wenn das Geld nicht kommt, bedeutet das, dass die Schule in ihrer Entwicklung in erheblichem Maße eingeschränkt wird“, bringt es Ulrich Eickhoff auf den Punkt. „Es bedeutet aber nicht, dass die Schule in ihrem Fortbestand gefährdet ist“, fügt er klar hinzu. Eickhoff verweist darauf, dass die 30 000 Euro im Haushaltsetat der Gemeinde Lienen festgeschrieben sind. „Diesen Haushalt hat der Rat vor gut einer Woche verabschiedet. Alle im Rat wollen den Zuschuss geben – das weiß ich“, sagt Eickhoff. „Partei­übergreifend“, ergänzt Rutsch. Doch die beiden wissen natürlich auch, dass sich Lienen in der Haushaltssicherung befindet, der Kreis Steinfurt als Kommunalaufsicht diesen Haushalt erst prüfen sowie genehmigen muss und gerade die sogenannten freiwilligen Leistungen einer Kommune bei der Prüfung gestrichen werden könnten. Die 30 000 Euro sind so eine freiwillige Leistung.

20 000 Euro gab es insgesamt für 2015 und 2016. Warum sie jetzt eine höhere Summe erbeten, begründen Rutsch, Eickhoff und Sternke damit, dass die Schule erfreulicherweise wächst – und unter anderem mehr Räume benötigt werden.

„Alle Möbel“, erzählt Ariane Sternke, „haben wir uns aus Münster – eine Nato-Schule ist dort aufgegeben worden – kostenlos geholt.“ „Wir sind schuldenfrei, haben keine Kredite laufen – und das soll auch so bleiben“, betont Rutsch. Von einer „Win-Win-Situation“ für die Schule und für Lienen spricht Eickhoff. Von den 21 Kindern, die gerade angemeldet worden seien, käme, anders als in der Verwaltungsvorlage für den Rat angegeben, circa die Hälfte aus Lienen. Die Schule nutze ein Gebäude, das sich im Besitz der Gemeinde befände, und halte es in Schuss. Wohlmöglich stünde es sonst irgendwann leer.

Unabhängig von dem Geld, das sich die Schule von der Gemeinde Lienen erhofft, wünschen sich Rutsch und seine Mitstreiter „ein Unternehmen, das die Idee der Waldorfschule unterstützt“, an ihrer Seite – kontinuierlich, als feste Größe.

Katja Borgelt hat die ganze Zeit zugehört. Als es um das pädagogische Konzept der Waldorfschule geht, ist das anders. Nicht der Lehrplan stehe in der Waldorfpädagogik im Vordergrund, erläutert sie, sondern das jeweilige Kind. „Der Lernplan richtet sich nach der Entwicklung des Kindes.“ Bruchrechnen lernten Waldorfschüler beispielsweise schon in der vierten Klasse, nicht erst, wie die Schüler an einer Regelschule, in der sechsten. „In diesem Alter sind die Kinder dafür viel aufnahmefähiger, sie haben richtig Spaß daran.“ Bei Sechsklässlern gehe der Lernstoff vollkommen an deren Lebenswirklichkeit vorbei. „Ein Lehrer begleitet ein Kind und seine Persönlichkeitsentwicklung von der ersten bis zur achten Klassen.“ Auch das sagt Katja Borgelt an diesem Morgen.

Ulrich Eickhoff ist sich sicher: „Es hat nie den Willen gegeben, den Zuschuss auf zwei Jahre zu begrenzen.“ Es seien zunächst nur für die Jahre 2015 und 2016 Summen festgelegt worden, um die Entwicklung der Schule zu beobachten und die Zuschüsse dieser entsprechend festzulegen.

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