Lienener Gespannfahrer bei der Telgter Kutschenwallfahrt
Mit dem Kutschbock verwachsen

Lienen/Telgte -

Die Andacht mit Münsters Bischof Dr. Felix Genn und dem Telgter Probst Dr. Michael Langenfeld war gerade zu Ende, da nahmen die Gespanne auch schon Stellung auf. Ganz vorne mit dabei: ein Zweispänner mit drei älteren Herren in grauen Anzügen, allesamt gut behütet: Heinz Beineke, Friedrich Hollenberg und Horst Schmidt.

Sonntag, 28.05.2017, 13:05 Uhr

Alles im Griff: Heinz Beineke, Friedrich Hollenberg (großes Bild, v.r.) und Horst Schmidt (kleines Bild) waren trotz eines schweren Unfalls im vergangenen November jetzt bei der Kutschenwallfahrt dabei.
Alles im Griff: Heinz Beineke, Friedrich Hollenberg (großes Bild, v.r.) und Horst Schmidt (kleines Bild) waren trotz eines schweren Unfalls im vergangenen November jetzt bei der Kutschenwallfahrt dabei. Foto: Michael Schwakenberg

Bei der Fahrt vorbei am Freiluftaltar durch das Spalier der Zuschauer wurden die Männer von Moderator Hermann-Josef Schulze Hobbeling kurz zum Anhalten aufgefordert und bekamen einen stattlichen Gutschein für den Besuch in einer Telgter Eisdiele überreicht – mit den Worten: „Liebe Zuschauer, hier sehen sie 240 Jahre, versammelt in einer Kutsche.“

Wirklich bemerkenswert war die Teilnahme des Lienener Trios, das eigentlich ein Quartett ist, aber aus einem anderen Grund: Ihr Gespann war im November vergangenen Jahres in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, bei dem alle außer Friedrich Hollenberg mit Knochenbrücken oder anderen schwereren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Immer noch nicht vollständig genesen ist Rudi Dölling, der deshalb am Donnerstag auch nicht dabei war. Friedrich Hollenberg blieb nur deshalb verschont, da er an diesem Tag keine Zeit hatte und deshalb bei der Unglücksfahrt ausnahmsweise nicht an Bord war.

Denkt man nach einem solchen Unfall nicht ans Aufhören? „Auf keinen Fall, wir sind seitdem schon öfter wieder gefahren“, sagte Horst Schmidt gegenüber den WN.

Die seit Ewigkeiten befreundeten Fahrer sind schon seit über 20 Jahren regelmäßige Teilnehmer der Kutschenwallfahrt. Früher, so Schmidt, seien sie ohne Hintransport von Lienen aus mit Pferd und Wagen nach Telgte gepilgert – und in den vergangenen Jahren immerhin noch von Ostbevern aus. In diesem Jahr sei es das erste Mal gewesen, dass die komplette Mannschaft samt Kutsche und Vierbeiner motorisiert angereist ist und erst in Telgte auf der Planwiese angespannt hat.

Eine Sache ist neben der Teilnahme nur einige Monate nach so einem schweren Unfall auch noch bemerkenswert: Alle drei Männer sind – wahrlich nicht ungewöhnlich für Eigengewächse des Tecklenburger Landes – evangelisch. Ist so eine Marien-Wallfahrt, traditionell eine Domäne der Katholiken, da nicht etwas Befremdliches? Für Horst Schmidt ist das Konfessionelle eher Nebensache: „Wir werden immer freundschaftlich aufgenommen. Und die Andacht unter freiem Himmel ist so schön, dass es jedes Mal wieder ein Reiz ist, dorthin zu fahren.“

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