Landkreis Osnabrück im Visier der Gegner
Geplanter Windpark sorgt für Frust

Lienen -

Vier neue Windkrafträder, die in der Glandorfer Bauerschaft Averfehrden errichtet werden sollen, sorgen für reichlich Unmut – vor allem bei Lienenern, die im Grenzgebiet zu Glandorf wohnen. Sie befürchten Beeinträchtigungen durch Schallimmissionen und Schattenwurf sowie weitere negative Folgen.

Mittwoch, 13.12.2017, 19:12 Uhr

 
  Foto: dpa

Zahlreiche Gegner der geplanten Anlagen erschienen am Montagabend bei der Ratssitzung im Kattenvenner Feuerwehrhaus. Die zweite Vorsitzende des Vereins „Lebensraum erhalten“, Mirjam Reischert , nutzte die Einwohnerfragestunde um Rat und Verwaltung einerseits für ihre kritische Stellungnahme (die WN berichteten) zu danken, anderseits aber noch einmal den Blick für die Gesamtproblematik zu schärfen.

Denn für die Gegner gibt es „zahlreiche gewichtige Gründe für die vollkommene Ablehnung der vorliegenden Planungen“. In einem Brief kritisieren sie vor allem den Landkreis Osnabrück , der Einwände aus Lienen gegen inzwischen errichtete Windkrafträder immer ignoriert oder als „nicht relevant“ eingestuft habe. Auch seien ausführliche Stellungnahmen der Gemeinde Lienen mit zahlreichen Einwänden bei der Flächennutzungsplan-Änderung der Gemeinde Glandorf vom Landkreis Osnabrück „weder entkräftet noch gemindert worden, sondern vielmehr wurden die Planungen unverändert durchgesetzt“, heißt es in dem Brief.

Eine Errichtung der Anlagen würde den Status Lienens als staatlich anerkannten Erholungsort gefährden. „Wie die Unterlagen des Landkreises zeigen, würde das südliche Gemeindegebiet Lienens als Erholungsgebiet komplett entfallen. Vom Kreis Steinfurt offiziell ausgewiesene Reitwege sind von Schallimmissionen und Schlagschatten voll betroffen.“ Naturschutz- und artenschutzfachliche Aspekte für das Gemeindegebiet Lienen seien „nur vollkommen unzureichend“ geprüft worden. Die Auswirkungen auf Fauna und Flora und auf das Landschaftsbild Lienens seien teilweise nicht einmal untersucht worden.

Dabei, so die Kritiker, werde die Zerstörung des bestehenden Landschaftsbildes in den Antragsunterlagen ausdrücklich eingestanden. Und so sei bereits eine Zahlung von 602 400 Euro an den Landkreis Osnabrück als „Kompensationszahlung“ errechnet worden. „Die Nachteile einer solchen Genehmigung, bei der man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sie letztlich auf Kosten der Bürger erkauft wird, hat jedoch beinahe ausschließlich Lienen zu tragen“, stellen die Gegner fest.

Reischert und ihre Mitstreiter fordern deshalb von der Gemeinde und dem Kreis Steinfurt, die geplante Errichtung der Windräder komplett abzulehnen und rechtliche Schritte anzukündigen. Eine Formulierung, die nach dem Willen des Rets auch in das Anschreiben der Stellungnahme der Gemeinde an die Genehmigungsbehörden auf niedersächsischer Seite mitaufgenommen werden soll.

Die WN fragten gestern in der Glandorfer Gemeindeverwaltung nach, wie man dort zu dem Sachverhalt steht. Bauamtsleiter Frank Scheckelhoff: „Die grundsätzlichen Planungen dazu sind bei uns im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. Und rein aus planerischer Sicht sehen wir nichts, was gegen die Anlagen spricht.“ Eine gemeindliche Stellungnahme an den Landkreis Osnabrück als Genehmigungsbehörde sei aber noch nicht erarbeitet worden.

Apropos Landkreis Osnabrück. Eine Sache ist da noch, die die Betroffenen auf Lienener Seite besonders wütend macht. Reichert: „Der Landkreis Osnabrück ist mit 49 Prozent an den Anlagen beteiligt und somit seine eigene Genehmigungsbehörde. Wo bleibt da der Rechtsstaat?“ Auf diese Frage hatte bei der Ratssitzung niemand eine Antwort.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5356491?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Nachrichten-Ticker