Prozess wegen Unterschlagung
Wer spielt welches Spiel?

Lienen -

Anzeige hatte im vergangenen Jahr ein Lienener gegen einen Mann erstattet, der Interesse an seinem Auto hatte. Nun muss sich der potenzielle Käufer vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten. Der Vorwurf: Unterschlagung. Das Problem: Der Lienener, der als Zeuge aussagen müsste, ist am Mittwoch schon zum zweiten Mal nicht zum Prozess erschienen.

Freitag, 12.01.2018, 05:01 Uhr

 
  Foto: dpa

Das wird teuer werden. Ein Zeuge war schon im November nicht zur Hauptverhandlung gekommen und hatte vom Amtsgericht Tecklenburg ein Ordnungsgeld von 200 Euro aufgebrummt bekommen. Am Mittwoch fehlte er erneut. Eine polizeiliche Vorführung scheiterte, weil der Mann nicht zu Hause war. Gegen ihn wird nun ein Ordnungsgeld in Höhe von 600 Euro oder alternativ ein Tag Ordnungshaft pro 50 Euro verhängt. Beim dritten Versuch soll er am kommenden Mittwoch zur Hauptverhandlung polizeilich vorgeführt werden.

„Ich frage mich auch, warum die Leute Anzeige erstatten, wenn sie nicht zu Gericht kommen wollen“, überlegt der Richter in einer Sitzungspause. „Entweder Freispruch oder Einstellung des Verfahrens“, formuliert der Angeklagte forsch, was ihn am Fortsetzungstermin nervt. Er müsse arbeiten, fahre jedes Mal eine Stunde nach Tecklenburg, und wenn der Zeuge nicht kommen wolle, müsse ja etwas dran sein, erklärt er.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 35-Jährigen der Unterschlagung. Er soll im März des vergangenen Jahres in Lienen ein Auto besichtigt und es für eine Probefahrt mitgenommen haben. Laut Vereinbarung mit dem Verkäufer, dem bereits zweimal nicht erschienenen Zeugen, sollte er den 13 Jahre alten BMW 520 am Folgetag abends zurückbringen. Seinen Führerschein und Schlüssel hatte er hinterlegt, sein Auto, einen alten Opel Astra, in Lienen stehen lassen. Warum es nicht zur Rückgabe kam, konnte der Angeklagte genau erklären.

Nachdem das Auto schon beim Start in Lienen kaum in Fahrt gekommen sei, habe es unterwegs endgültig den Geist aufgeben. Er habe es auf einem Parkplatz in Selm abgestellt und den Verkäufer informiert. Die von seinem Cousin, einem Autohändler, ausgeliehenen roten Kennzeichen habe er wieder abmontiert und zurückgegeben.

Wenige Tage später sei er nach Lienen gefahren, um mit dem Verkäufer über den Kaufpreis von 5000 Euro zu verhandeln. Das wollte dieser aber nicht. Stattdessen habe er ihn beschuldigt, den BMW verkauft zu haben, erinnert sich der 35-Jährige. Daraufhin habe er den BMW-Schlüssel in den Briefkasten geworfen und sei in seinem Auto nach Hause gefahren.

Der BMW wurde einen Tag später von der Polizei in Selm sichergestellt. Der Lienener soll nun am kommenden Mittwoch zur Sache gehört werden. Dann soll auch die Lebensgefährtin des Angeklagten aussagen. Sie war dabei, als dieser den Schlüssel im März vergangenen Jahres in den Briefkasten des gesuchten Zeugen in Lienen geworfen hat.

Ich frage mich, warum die Leute Anzeige erstatten, wenn sie nicht zu Gericht kommen wollen.

Richter während der Sitzungspause
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