Der Starkenhof beschäftigt die Heimatforschung
Ende einer wechselvollen Geschichte

Lienen -

Mit dem Abriss der maroden Gebäude an der Glandorfer Straße, die bereits am 3. Juni 2004 durch ein Feuer zur Brandruine wurden und über 13 Jahre dem weiteren Verfall preisgegeben waren, sind nun auch die letzten sichtbaren Spuren des Starken- oder Strakenhofes verschwunden. Vonseiten der Heimatforschung ist die ursprüngliche Relevanz des Strakenhoffs, so die frühere Bezeichnung, für die Lienener Ortsgeschichte bisher durchaus kontrovers diskutiert worden. Grund genug, noch einmal auf die Anfänge des Strakenhoffs zu schauen:

Samstag, 13.01.2018, 09:01 Uhr

Bilder vom 4. Juni 2004: Am Tag nach dem Brand gibt der Starkenhof mit der alten Fachwerk-Tenne und dem Wohnteil aus den 30er Jahren ein trauriges Bild ab . Die Brandruine wurde erst kürzlich, über 13 Jahre später, abgerissen.
Bilder vom 4. Juni 2004: Am Tag nach dem Brand gibt der Starkenhof mit der alten Fachwerk-Tenne und dem Wohnteil aus den 30er Jahren ein trauriges Bild ab . Die Brandruine wurde erst kürzlich, über 13 Jahre später, abgerissen. Foto: Dr. Christof Spannhoff

Die Idee, dass der Strakenhoff in der Vergangenheit eine besondere Bedeutung gehabt haben müsse, wurde durch eine Aussage des Lienener Amtmanns Johann Leonhard Arendt genährt. Auf eine behördliche Anfrage „was es mit dem Strakenhof in Hinsicht der adelichen Rechte für eine Bewandniß habe“, antwortete dieser am 16. Januar 1806: „Gedachter Strakenhof ist nicht ganz contributionsfrey, sondern es müssen von dem Besitzer nach dessen Angaben 5 Reichsthaler 6 Groschen Contribution jährlich entrichtet werden. Übrigens muß derselbe auch alle bürgerlichen Lasten tragen. In der älteren Zeit hat er zu dem sogenannten Straken-Erbe gehört, und glaube ich, von alten Leuten gehört zu haben, daß der Strakenhof davon der Stamm ist, da die übrigen zu gedachtem Straken-Erbe gehörigen Gründe vereinzelt sind.“

Anscheinend haben die vom Amtmann genannten „adelichen Rechte“ die Fantasie der Heimatforscher beflügelt. Folglich wurden die Anfänge des angeblich „freiadeligen“ Strakenhoffs einerseits mit der mittelalterlichen Adelsfamilie von Lienen, andererseits mit dem Fronhof der Herforder Äbtissin (dem sogenannten Ebdinghof), aber auch mit einem Edlen Ruothward, der 1097 der Osnabrücker Kirche einen Fronhof (curia) in Lienen schenkte, in Verbindung gebracht. Auch eine Zusammengehörigkeit mit einem bäuerlichen Anwesen nebst Mühle namens Strake (1280 „Strakenmolen“) in Glane am Remseder Bach oder einem Osnabrücker Bürger Rudolf Strake, der Mitte des 14. Jahrhunderts erscheint, ist erwogen worden, lässt sich allerdings nicht belegen. Auch dass der Hof ein ehemaliges gräfliches Forst- oder Jagdhaus oder von einer Gräfte umgeben gewesen sei, ist nicht nachzuweisen.

Die urkundliche Überlieferung spricht dagegen eine ganz andere Sprache: Erstmals erwähnt wird der Lienener Strakenhoff 1469. Am 25. Januar des Jahres verkaufte Graf Claes von Tecklenburg unter Vorbehalt der Wiederlöse einem Johann Struve ein wüstes Erbe mit Namen „Straken erve“, darüber hinaus einen Kotten genannt „de Deuenter“ (Denter) und einen Teich genannt „Erpesdyk“, die alle nicht weit „van dem dorpe to Lynen“ gelegen waren. 1497 wird besagtem Johann Struve die noch ausstehende Zehntschuld vom „Straken erve“ an das Kloster Iburg erlassen. Noch um 1550 mussten vom „Strakenhuess“ jeweils drei Scheffel Hafer, Gerste und Roggen als Zehntabgabe an die Iburger Mönche entrichtet werden. Die Bezeichnung als „Erbe“ (erve) und die Zehntpflicht legen nahe, dass es sich beim Strakenhoff um einen ganz „normalen“ Bauernhof und kein adeliges Gut gehandelt hat. Die Bauernstätte wurde bereits früh wüst, weil die wirtschaftende Bauernfamilie ausgestorben war oder den Hof verlassen hatte, und fiel an die Grundherren, die Tecklenburger Grafen, zurück. Deshalb war der Hof später auch gräflicher Domänenbesitz.

In der Folge veräußerten die Grafen stückweise Teile der Hof- und Ackerflächen, etwa 1469 an den genannten Johann Struve. Bereits um 1550 und 1610 ist ebenfalls von einem verkauften Grundstück (Kamp) die Rede, das „Strakenhuess hoffe“ beziehungsweise einfach „Strakenhoff“ genannt wurde und zum Besitz des Lienener Vogtes gehörte. Zwischen 1676 und 1707 wurden dann die verbliebenen Reste veräußert. Die mittlerweile verfallene Hofstelle erwarb 1707 der Lienener Pfarrer Eberhard Samuel Sneth­lage, der die Hofgebäude wieder herstellen ließ. In der Folge ging der Strakenhoff durch Heirat und Erbfolge an die Familien Kortmann, Berkemeyer, Stapenhorst und schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts an Heuschkel über, die letzte Besitzerfamilie des Strakenhoffs.

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