Hauptschule Lienen
Auf dem Kirchplatz fing alles an

Lienen -

Der Blick in die Geschichte der (Haupt-)Schule birgt viele Facetten. Zum einen ist die Entstehung im Ort insgesamt interessant. Zum anderen feiert die Schule ihren 50. Geburtstag, zum anderen steht sie vor der Auflösung. Das ist eine besondere Geschichte, die wir in einer kleinen Serie beleuchten.

Dienstag, 20.03.2018, 07:03 Uhr

Die Schule auf dem Thieplatz, die 1964 abgebrochen wurde.
Die Schule auf dem Thieplatz, die 1964 abgebrochen wurde. Foto: Archiv Heinatverein

Als vor 50 Jahren die Hauptschule Lienen gegründet wurde, schlug die Gemeinde damit ein neues Kapitel in ihrer Schulgeschichte auf. Das Jubiläum und die zugleich bevorstehende Schließung der Hauptschule geben Anlass, den Blick zurückzuwerfen auf die Vorgänger dieser Einrichtung.

Die Geschichte des Schulwesens in Lienen lässt sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Die erste Lienener Schule befand sich auf dem Kirchplatz. In einem Bericht des damaligen Pfarrers Wilhelm Sneth­lage aus dem Jahr 1657 über die baulichen Maßnahmen an den kirchlichen Gebäuden der letzten zehn Jahre heißt es: „Die Schule ist neuwes gegründet, untermauret, gekleiwet, gedecket, an neuwen Glasefenstern, Thüren, Tischen und Bäncken, Offen etc. heil verneuwert.“ Auch den Namen des damaligen Lehrers erfahren wir aus dem Lagerbuch der Kirchengemeinde. Dort ist verzeichnet, dass der Lehrer Jürgen Johanning 1651 starb. Das Schulgebäude am Kirchplatz war allerdings gut 150 Jahre später mit 60 bis 70 Sitzplätzen für die Schulkinder zu klein geworden und derart baufällig, dass es, wie das Presbyterium 1816 angab, „keiner Reparatur mehr fähig“ sei. Deshalb wurde das alte Gebäude auf dem Kirchplatz abgebrochen und ein neues Schulhaus auf dem Thieplatz errichtet. Als Baumaterial dienten Reste des im Abbruch befindlichen Gutes Kirstapel. Die 1817 in Fachwerkbauweise errichtete einklassige Schule war bereits 20 Jahre später erneut zu klein geworden und wurde 1838 durch einen massiven Bau mit zwei Klassenräumen ersetzt. 1895 erhielt die Schule durch Umbau drei Klassenräume und im Dachgeschoss ein „Katechisierzimmer“ für den Konfirmandenunterricht. Im Jahr 1939 wurde die Lienener Volksschule dann in die neuen Gebäude an der Schulstraße, die heutige Grundschule, verlegt. Das alte Schulhaus auf dem Thieplatz wurde 1964 abgebrochen.

Das Schulwesen in den Lienener Bauerschaften beginnt erst gut 150 Jahre später als im Dorf Ende des 18. Jahrhunderts. Der damalige Lienener Pfarrer Friedrich Andreas Snethlage organisierte geeignete Räumlichkeiten und Lehrpersonal, um den Unterricht auch für die weit vom Dorf entfernt wohnenden Kinder zu gewährleisten. 1774 beginnen die Aufzeichnungen darüber. Bauerschaftsschulen entstanden damals in Wes­terbeck, Höste, Holzhausen, Meckelwege und Holperdorp. In Kattenvenne wurden 1775 sogar drei Unterrichtsstätten eingerichtet. Auch in Holperdorp waren vor dem Bau eines eigenen Schulhauses 1823 mehrere Lernorte vorhanden. Der Unterricht wurde anfangs nicht in eigenen Schulhäusern erteilt, sondern in Heuerhäusern oder Gebäuden größerer Höfe abgehalten.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es für die Dauer von ungefähr zwei Jahren in Lienen-Dorf eine Präparande für Volksschullehrer, die aber wieder aufgehoben wurde. Im Jahr 1903 gründete man in Lienen eine „Höhere Privatschule“, die zunächst nur von Mädchen, später auch von Jungen besucht wurde. Die Schüler erhielten dort Unterricht bis zur 9. Klasse. Mit Unterbrechungen bestand diese Einrichtung bis Ostern 1937. Die Unterrichtsräume befanden sich zuletzt im evangelischen Gemeindehaus. 1951 gelang es dann dem damaligen Pfarrer Otto Smend diese ehemalige „Höhere Privatschule“ als „Private Realschule Lienen“ ins Leben zu rufen. Die Schule betreute in vier Klassen bis zu 78 Schüler in einem Jahr. Da die Schülerzahl schließlich aber stark rückläufig war, musste diese Einrichtung am 1. April 1960 wieder geschlossen werden. Ihr Leiter war Oberregierungsrat und Schulrat a.D. Dr. H. Schweig.

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