Biker nutzen Motorradgottesdienst zum Innehalten
Dem Schutzengel eine Chance lassen

Lienen -

Beim Gottesdienst entspannt an der Kaffeetasse nippen oder sogar eine Zigarette rauchen. Was sonst für tadelnde Blicke sorgen würde oder sogar eine handfeste Maßregelung zur Folge hätte, gehört beim Lienener Motorradgottesdienst schon fast dazu. Wieder einmal hatten sich gestern Morgen zahlreiche Einheimische und Hunderte Biker aus der näheren und weiteren Umgebung im Schatten der evangelischen Kirche versammelt.

Sonntag, 29.04.2018, 17:04 Uhr

Eingespieltes Team: Pfarrerin Verena Westermann und Pastoralreferent Norbert Brockmann leiteten den Gottesdienst und appellierten an die Biker zu Mitmenschlichkeit im Straßenverkehr.
Eingespieltes Team: Pfarrerin Verena Westermann und Pastoralreferent Norbert Brockmann leiteten den Gottesdienst und appellierten an die Biker zu Mitmenschlichkeit im Straßenverkehr. Foto: Michael Schwakenberg

Trotz der gewohnt lockeren Atmosphäre mangelte es nicht an innerer Einkehr. In ihrer Predigt nahm sich Pfarrerin Verena Westermann des Aufkleber mit dem Spruch „Fahre nicht schneller, als dein Schutzengel fliegen kann!“ an und warnte die Motorradfahrer vor Gedankenlosigkeit, Selbstüberschätzung oder gar Rücksichtslosigkeit. „Das macht es Gott zwar nicht unmöglich, aber schwierig, die Wege zu behüten“, sagte Westermann in Anlehnung an Psalm 91.

  Foto: Michael Schwakenberg

Sie ging auch auf die zwei schweren Verkehrsunfälle ein, die sich in jüngster Vergangenheit auf Kattenvenner und Lienener Terrain ereignet haben. Zwar könne man Gefahrenstellen entschärfen, doch die Verantwortung für den Einzelnen bleibe. „Gott hat den Menschen so gemacht, das er selbst entscheiden kann.“ Doch ab Tempo 130 komme der Schutzengel nicht mehr hinterher. Geschieht ein Unglück, stelle sich unweigerlich die Frage nach dem Warum. „Dann sind auch wir oft sprachlos – und es bleibt uns nur, Mitgefühl und Solidarität zu zeigen.“

Spontanen Applaus gab es, als Westermann ankündigte, die Kollekte werde den hiesigen Notfallseelsorgern zugutekommen. Brockmann sprach sich mit einen Augenzwinkern für eine „lautlose Kollekte“ aus: „Dazu brauchen wir Scheine, nicht Münzen.“

  Foto: Michael Schwakenberg

Nach dem Appell zu Vernunft und Mitmenschlichkeit auf den Straßen sowie Spendenbereitschaft für die Notfallseelsorger ging Brockmann zu seiner „Lieblingsaufgabe“ über und segnete die Gottesdienstbesucher mit Weihwasser. „Wasser“, so Brockmann, „steht für das Leben.“ Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Duo „Zweiwandfrei“, das aktuelle Lieder für diesen Anlass passend arrangierte.

Auf die Andacht folgte der gesellige Teil: Geplant war eine Ausfahrt durch das Tecklenburger Land sowie eine Trial-Show auf dem Kirchplatz, ehe der Tag mit Live-Musik und Bratwurst ausklang.

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