Bedingungen wie in der Pfalz: Familie Brinkmann baut jetzt Wein an
Zarte Pflänzchen auf dem Urberg

Bad Iburg -

Das Hämmern der Pfahlramme ist auf dem gesamten Urberg zu hören. Routiniert umkurvt Jan Brinkmanns Mini-Traktor die zarten Weinpflänzchen. Es ist heiß, es ist trocken. Besser als hier im Teutoburger Wald können die Bedingungen für Regent, Solaris und Helios in der Pfalz auch nicht sein.

Freitag, 08.06.2018, 17:52 Uhr

Die Pfahlramme ist eine Leihgabe aus Süddeutschland. Das Spezialwerkzeug für den Weinbau ist in Norddeutschland Mangelware. Foto: Elvira Parton
Die Pfahlramme ist eine Leihgabe aus Süddeutschland. Das Spezialwerkzeug für den Weinbau ist in Norddeutschland Mangelware. Foto: Elvira Parton

Am Südhang baut Familie Brinkmann Wein an. Seit gur einer Woche: Da haben Sohn Jan , Vater Gerd Brinkmann und viele Helfer 5068 winzige Rebstöcke gesetzt. Schon schieben sich erste frischgrüne Blättchen aus dem dunkelgrünen Wachs, der Wild- und Pfropfrebe verbindet. Gepropft wird, weil die Wildrebe gegen die gefürchtete Reblaus resistent ist.

Als Pfropfrebe, aus der die Weintrauben entstehen, haben sich die Brinkmanns für den roten Regent und die weißen Sorten Helios und Solaris entschieden. „Die kennt zwar noch keiner“, sagt Jan Brinkmann, „aber diese Sorten sind frühreif, damit wir auf genügend Oechsle kommen, und sie sind piwi.“ Piwi? „Pilzwiderstandsfähig, so brauchen wir weniger Pflanzenschutz.“

Bei der Sortenauswahl der Winzer-Pioniere half Experte James aus Australien, heute in Cloppenburg gut erreichbar. „Wir haben gemeinsam eine Weinprobe gemacht. Das war ein schöner Abend“, erinnert sich Gerd Brinkmann, „sehr fruchtig“. Und Sohn Jan ergänzt: „Bei Solaris werden wir aufpassen müssen, dass er nicht zu süß wird.“ Diese Süße habe aber nichts mit dem späteren Trinkwein zu tun. Ob der trocken oder lieblich gerät, ist allein Sache des Ausbaus.

Jan Brinkmann hat sich schlaugemacht. Mit einer Handvoll zweiwöchiger Praktika an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Dort lernte er die Grundlagen des Anbindens, der Lese und der Kelterei. Und er kann jederzeit in Bayern anrufen, falls am Iburger Urberg Fragen auftauchen.

Eigentlich sind die Brinkmanns Schweinemäster. Auf ihrem im 13. Jahrhundert erstmals erwähnten Hof ziehen sie Borstenvieh groß. Doch die Zukunft der Branche ist mau. Und auch Ackerbau sichere die Existenz heute nicht mehr. Spargel und Erdbeeren gibt‘s an jeder Ecke. Tannenbäume auch. Warum also nicht mal etwas ganz anderes ausprobieren? Wein statt Schwein. Auf anderthalb Hektar. Und alles andere als eine Schnapsidee.

7,6 Hektar offizielle Weinanbaufläche waren Niedersachsen vor zwei Jahren zugeteilt worden, die verteilen sich auf zwölf Anbaugebiete. Die Brinkmanns hatten als einzige Bewerber eine echte Hanglage beantragt, mit bis zu 25 Prozent Steigung.

Hier schwitzen sie jetzt, Tag für Tag. Erst beim Setzen der Pflänzchen, jetzt beim Setzen der 5068 Pfähle, durch die jeweils sieben Drähte gezogen werden. Für ein Viertel der Pfähle haben sie vier Nachmittag gebraucht. Wenn endlich alle stehen, müssen sie den Draht von der Haspel rollen und in die Pfähle einziehen: „Macht 52 Kilometer Draht“, rechnet Vater Brinkmann aus, während er seinen Strohhut ausrichtet.

„Wein ist eben viel Handarbeit“, ergänzt Jan Brinkmann. Dabei sehen beide ganz fröhlich aus. Immerhin können sie zusehen, wie ihr neuer Betriebszweig wächst, bei guten Bedingungen zehn Zentimeter am Tag.

Nach dem Draht kommt das Gras, das zwischen den Rebstöcken ausgesät wird, um die Bodenerosion am Hang einzudämmen. Ruhe ist dann immer noch nicht: Denn dann müssen die Reben hochgebunden werden. Und im Winter? „Kommt der Rückschnitt.“

Zwischendurch wartet aber erstmal die Gerste. „Das ist ja das Praktische: Wenn auf dem Acker viel zu tun ist, ist auf dem Weinberg nichts zu tun – und umgekehrt.“ Die erste richtige Ernte erwarten Jan und Gerd Brinkmann in drei Jahren. In den nächsten beiden Jahren wollen sie Testballons starten, mit Wein aus dem Gärballon für den Hausgebrauch.

Spätestens wenn die ersten Trauben am Stock hängen, müsse dann auch der Wildschutzzaun stehen, denn „Wildschweine lieben Trauben“. Erst der Jahrgang 2021 kann professionell gepresst, vergoren und gekeltert werden. Gerd Brinkmann könnte erst einmal die Technik einer örtlichen Mosterei nutzen: „Hauptsache, der Wein schmeckt nicht nach Apfelsaft.“

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