Besuch beim Imker
Spannung durch Bienen-Krieg

Lienen -

Die Neugierde steht ihnen ins Gesicht geschrieben, den Respekt drücken sie durch ihr Verhalten aus: Im Rahmen des Ferienprogramms haben sich Mädchen und Jungen beim Imker Norbert Brockmann über Bienen informieren lassen.

Samstag, 04.08.2018, 06:20 Uhr

Am Schnittmodell einer Biene erklärt Norbert Brockmann den Aufbau des Körpers. Ein Bein mit Pollensack lässt sich abnehmen (Bild rechts). Mit Imkerhut ausgerüstet lässt sich das Flugloch an einem Stock aus der Nähe betrachten (rundes Bild).
Am Schnittmodell einer Biene erklärt Norbert Brockmann den Aufbau des Körpers. Ein Bein mit Pollensack lässt sich abnehmen (Bild rechts). Mit Imkerhut ausgerüstet lässt sich das Flugloch an einem Stock aus der Nähe betrachten (rundes Bild). Foto: Michael Baar

„Das sind aber viele Bienen!“ Fünf Worte, die zutreffen, aber nicht erklären können, warum das so ist. „In meinem Garten ist zurzeit Krieg der Bienen“, sagt Norbert Brockmann mit zerknirschter Miene. Dem Imker ist unangenehm, was ihm zugestoßen ist. Ein mit Honig beschmiertes Stück Knäckebrot ist vom Frühstückstisch gefallen. „Leider haben wir das nicht sofort bemerkt“, sagt er zu den Kindern, die durch die Gartenpforte schauen.

Dass der Besuch beim Imker – so steht es im Ferienprogramm – so spannend wird, haben sie nicht erwartet. Warum die Bienen so aufgeregt umherschwirren, hat Norbert Brockmann schnell erklärt. Der Honigduft hat die Tiere aus den drei Stöcken, die er im Garten stehen hat, angelockt. „Zunächst waren es Tausende Bienen, die hier herumgesaust sind“, erzählt er. Mittlerweile sind es „nur“ noch einige Hundert.

Einen Blick in einen Bienenstock werfen – „das geht heute nicht“, sagt der Imker. Wie alles an diesem Nachmittag erklärt er ruhig und leicht verständlich, warum bei ihm ein „Bienen-Krieg“ tobt: Nahrung für die Nektar-Sammler gibt es kaum noch. Da ist so ein Honigtropfen ein Signal wie aus dem Schlaraffenland.

Keine schnellen Bewegungen, nicht nach den Bienen schlagen – „dann können wir uns hier an den Tisch setzen“, schlägt er den sechs Mädchen und Jungen vor. Die willigen – teils mit großen Augen – ein. Auf dem Tisch stehen ein Schnittmodell einer Imme (so wird die Biene von Dichtern genannt) und das Modell einer Kirschblüte.

Dass die Tiere in Völkern leben, wissen die Kinder. Drei Stöcke im Garten von Norbert Brockmann – macht in der Summe je Stock rund 35 000 Tiere und große Augen bei den Gästen. Die Bienen krabbeln in Blüten, um dort Nektar zu sammeln. Den bringen sie in den Stock, wo daraus Honig wird. Was beim Nektarsammeln noch passiert? „Die Bienen bestäuben die Blumen“, weiß ein Mädchen.

Besuch beim Imker

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  • Blick auf das Flugloch eines Bienenstocks.

    Foto: Michael Baar
  • Mit Imkerhut ausgerüstet schauen diese beiden Kinder den Bienen beim Verlassen und Aufsuchen des Stocks zu.

    Foto: Michael Baar
  • Imker Norbert Brockmann erzählt den Kinder alles über Bienen.

    Foto: Michael Baar
  • Großformatige Fotos verdeutlichen die Erklärungen.

    Foto: Michael Baar
  • Ein Bienenauge setzt sich aus tausenden Facettenaugen zusammen.

    Foto: Michael Baar
  • Schnittmodell einer Biene, deren Hinterbein mit Pollensack sich ablösen lässt.

    Foto: Michael Baar
  • Jetzt gibt´s Imkerhüte, dann geht es zum Bienenstock.

    Foto: Michael Baar
  • Immer von der Seite beobachten, um die Bienen nicht zu irritieren.

    Foto: Michael Baar
  • Norbert Brockmann und die Kinder vor einem der drei Stöcke in seinem Garten.

    Foto: Michael Baar
  • Blick auf ein Flugloch.

    Foto: Michael Baar
  • Die Kinder finden´s faszinierend.

    Foto: Michael Baar
  • Aus dem Hintergrund überblickt Norbert Brockmann die Aktivitäten.

    Foto: Michael Baar
  • Noch einige Erläuterungen zum Bienenstock, in dem 35 000 Tiere leben.

    Foto: Michael Baar

Bleibt die Frage, wie der Honig aus dem Bienenstock kommt. Mit einem Löffel? Nein. „Wenn die Blütenzeit vorbei ist, nehme ich die Waben aus dem Stock und stecke sie  in eine Schleudermaschine“, erzählt Norbert Brockmann. Die dreht sich dann rasend schnell. Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Waben gedrückt und sammelt sich unten in der Maschine.

Durch einen Hahn wird der Honig abgelassen. 30 bis 40 Kilogramm Honig produziert ein Volk im Jahr, berichtet der Imker. Der in einem großen Eimer gesammelte Honig wird auf Gläser aufgeteilt, die Norbert Brockmann dann verkauft. Vorwitzige Frage eines Jungen: „Warum essen Sie den nicht selbst auf?“ Weil es viel zu viel ist. Es sind ja nicht nur die drei Bienenstöcke im Garten, sondern noch weitere außerhalb.

Wer denn schon einmal von einer Biene gestochen worden sei, will der Fachmann wissen. Fünf von sechs Kindern zeigen auf. Schon der erste Junge, der von dem Zwischenfall erzählt, ist vermutlich von einer Wespe gestochen worden – beim Essen eines Müsliriegels. „Da gehen Bienen nicht ran, das ist denen nicht gut genug“, erklärt Norbert Brockmann.

Er greift zu einem Stapel großformatiger Fotografien. Waben sind zu sehen, mit kleinen Punkten darin: Eier. Auf dem nächsten Bild haben die Waben einen Deckel – dahinter stecken die sich aus den Eiern entwickelnden Maden. Dann sind die Deckel weg und viele kleine Bienen zu sehen. „21 Tage nach der Eiablage fressen sich die jungen Tiere durch den Deckel der Wabe“, erklärt der Imker den Vorgang.

Und was ist mit dem großen gelben Tropfen auf dem einen Bild? Darin wächst eine Königin heran. Die braucht keine 21 Tage, bis sie schlüpft, sondern nur 16. Was an der Ernährung liegt. „Eine heranwachsende Königin wird nur mit dem Besten gefüttert.“ In der Fachsprache Gelee Royal genannt. Und damit wird sie ein Leben lang verpflegt.

Ein anderes Foto zeigt das Auge einer Biene. Das heißt, eigentlich sind es Tausende von Facettenaugen. „Langsame Bewegungen können sie damit nicht sehen, aber schnelle“, erklärt der Imker, warum man nicht nach den Insekten schlagen soll. Das reizt sie, dann könnten sie zustechen – und damit ihr Todesurteil unterschreiben. Denn aus der elastischen Menschenhaut können die Tiere ihren Stachel nicht mehr herausziehen.

„Die reißen sich den Hinterleib ab und sterben“, erklärt Norbert Brockmann, dass die winzigen Widerhaken am Stachel in der Haut stecken bleiben und das Herausziehen verhindern. Dass ein Bienenstich so weht tut, liegt nicht nur am Stich. Der Stachel ist hohl und dadurch injiziert die Biene ein Gift. Tut weh, lässt sich aber auch für medizinische Zwecke nutzen. Die Kinder staunen.

Warum die Bienen summen, ist schnell erklärt. Ihre Flügel schlagen bis zu 250 Mal – in der Sekunde. Nur die Königin fliegt nicht. Vollgestopft mit Gelee Royal legt sie unentwegt Eier – bis zu 2000 Stück am Tag.

Immer wieder hat Norbert Brockmann zu den Bienenstöcken geschaut. Jetzt verteilt er Imker-Hüte an die Kinder. Dann dürfen sie sich langsam an die Bienenstöcke heranpirschen. „Nicht direkt davor stellen, das werten die Bienen als Angriff“, lenkt er die Kids zur Seite. Die gehen in die Knie, staunen über den regen Betrieb am Flugloch.

Langsam geht´s wieder zurück zum Gartentisch. Die Hüte ab und dann in den Keller, die Schleudermaschine in Augenschein nehmen. Ein spannender und lehrreicher Nachmittag geht zu Ende.

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