Summerwinds-Festival im Heckentheater
Kalter, aber stimmungsvoller Abend

Lienen-KatteNvenne -

Der Wettergott meinte es am Samstagabend nicht gerade gut mit Jutta Richter und dem „Xenon Saxophon Quartett“. Im Rahmen der 50 Konzerte des renommierten Festivals Summerwinds Münsterland war die Veranstaltung im Heckentheater die einzige „open air“ – und ausgerechnet an diesem Abend entwickelten sich die lauen Sommerwinde zu einem ausgewachsenen Sommergewitter. Trotzdem wurde es ein stimmungsvoller Abend.

Montag, 27.08.2018, 17:26 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 27.08.2018, 06:12 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 27.08.2018, 17:26 Uhr
Das „Xenon Saxophon Quartett“ mit Lukas Stappenbeck, Anze Rupnik, Adrian Durm und Benjamin Reichel durchstreifte am Samstagabend gleich mehrere Jahrhunderte der Musikgeschichte.
Das „Xenon Saxophon Quartett“ mit Lukas Stappenbeck, Anze Rupnik, Adrian Durm und Benjamin Reichel durchstreifte am Samstagabend gleich mehrere Jahrhunderte der Musikgeschichte. Foto: Axel Engels

Anhaben konnte dies den Besuchern des ausverkauften musikalisch-literarischen Abends aber nichts. Sie saßen beieinander und zum Teil in Decken gehüllt im überdachten Vorraum, und zur inneren Aufwärmung gab es in der Pause sogar einen Teller köstlicher Gemüsesuppe. Auch wenn also die äußeren Bedingungen nicht so waren, wie es sich die Festival-Leiterin Susanne Schulte gewünscht hätte, inhaltlich war der Abend sicherlich ein ganz bewegendes Erlebnis für die Besucher.

Die sympathische Schriftstellerin Jutta Richter zog die Gäste mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und sensiblen Rezitation aus ihrem Buch „Der Anfang von allem“ in ihren Bann. Sie hatte sich der Geschichte des ersten Menschenpaares, dessen Sündenfalls und des ersten Mords der Menschheitsgeschichte angenommen. Vom grübelnden Gespräch Adams mit einer Katze im Mondschein bis zum Sündenfall entführte sie die Zuhörer in eine von existenziellen Fragen durchdrungene Welt.

Dazu passend bot das „Xenon Saxophon Quartett“ einen musikalischen Gegenpart, der gleich mehrere Jahrhunderte durchstreifte. Aus dem Oratorium „Salomon“ von Georg Friedrich Händel hatten sie die „Ankunft der Königin von Saba HWV 67“ eigens arrangiert, es verbreitete sich barocker Glanz in filigraner Spielweise im Heckentheater. Lebendigkeit und Spritzigkeit dieser Sinfonia spiegelten sich in der von Brillanz und Eleganz vorgetragenen Musizierweise von Lukas Stappenbeck, Anze Rupnik, Adrian Durm und Benjamin Reichel wider.

Die klangmalerische Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg war ursprünglich für Klavier solo geschrieben worden, die der Komponist selber für Streichorchester umgeschrieben hatte. Bei der Fassung für vier Saxofone vermisste man als Pianist sicherlich die unterschiedlichen Klangfarben, die den Reiz der einzelnen Tänze ausmachen. Das „Xenon Saxophon Quartett“ spielte die fünf Sätze der Suite mit stilistischer Sicherheit und spieltechnischer Finesse, besonders bei der melodisch dominierten Sarabande und dem ruhig dahinfließenden Air gelangen dem Quartett zauberhafte Momente.

Nach einem der musikalischen Gestaltung des Quartetts sehr entgegenkommenden Ausflug in die Moderne mit „XAS“ von Jannis Xenakis ging es mit „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky wiederum in eher programmatische Musikwelten. Auch diesen Klavierzyklus hatte das Quartett selbst arrangiert. Die einzelnen Teile wirkten dabei recht unterschiedlich. Während „Der Gnom“, das „Ballet der Kücklein in ihren Eierschalen“ sowie „Samuel Goldenberg und Schuyle“ bestens die in Musik gesetzten Bilder wiedergaben, wirkten die „Katakomben“, Das Alte Schloss“ sowie am Ende das „Große Tor von Kiew“ doch etwas klangarm. Dafür entschädigte das Quartett mit zwei innigen Zugaben. Von Astor Piazzolla gab es das berühmte „Adiós Nonino“ und mit Johannes Brahms Wiegenlied „Guten Abend, gut’ Nacht“ endete ein stimmungsvoller Abend im Heckentheater.

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