Sozialseminar in Lienen
„Diese Traditionen sind uns verloren gegangen“

Lienen -

Auf Einladung des Evangelischen Sozialseminars sprach Dagmar Spelsberg-Sühling, Pfarrerin und Beauftragte für Spiritualität und Geistliches Leben im benachbarten Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken, vor rund einem Dutzend Frauen und Männer über mystische Erfahrungen und Traditionen.

Freitag, 14.09.2018, 17:04 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.09.2018, 18:36 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 14.09.2018, 17:04 Uhr
„Endlich geht es los“, freute sich Pastorin Susanne Nickel (rechts) über den Auftakt der Veranstaltungsreihe zum Thema „Christliche Spiritualität und Mystik“ mit ihrer Kollegin Dagmar Spelsberg-Sühling, Beauftragte für Spiritualität und Geistliches Leben im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken.
„Endlich geht es los“, freute sich Pastorin Susanne Nickel (rechts) über den Auftakt der Veranstaltungsreihe zum Thema „Christliche Spiritualität und Mystik“ mit ihrer Kollegin Dagmar Spelsberg-Sühling, Beauftragte für Spiritualität und Geistliches Leben im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken. Foto: Dietlind Ellerich

„Endlich geht es los“. Was für die Lienener Pastorin Susanne Nickel der lang ersehnte Auftakt einer von ihr schon vor zwei Jahren angeregten Veranstaltungsreihe zum Thema „Christliche Spiritualität und Mystik“ war, lockte nur wenige Interessenten ins Gemeindehaus.

Sich beim Sonnenuntergang am Strand eins mit der Natur zu fühlen oder am heimischen Herd mit einem schreienden Kind auf dem Arm einen Sonnenstrahl wahrzunehmen, kleine Erfahrungen wie diese, oder ein großes Erlebnis wie ein Nahtod mit hellem Licht seien solche ersten Erfahrungen mit Gott, ist die Fachfrau überzeugt. „Die mystischen Traditionen sind uns leider ein wenig verloren gegangen“, bedauert sie.

Das sei nicht nur deshalb schade, weil die Fähigkeit, Erlebnisse hinter dem Vorhang des Bewusstseins wahrzunehmen, alle Religionen verbinde, sondern auch weil die Sehnsucht der Menschen nach solchen Erfahrungen groß sei. „Wir müssen wieder lernen, viele kleine Dinge wahrzunehmen, die uns weiterhelfen“, bestätigte ein Teilnehmer.

Gotteserfahrungen und Alltag miteinander in Einklang zu bringen, hat sich Spelsberg-Sühling auf die Fahne geschrieben.

Angebote wie Meditationen, sogenannte Lebenswortgruppen, in denen die Menschen sich über Wörter austauschen, die ihr Herz berührt, Handauflegen, Salbungen oder Singen machten es möglich, den eigenen Glauben zu erfahren.

So hatte es auch Pastorin Nickel im Gottesdienst zum 111-jährigen Bestehen des Posaunenchors empfunden, als die Bläser „Highland Ca­the­dral“ anstimmten. „Wahnsinn“, kommentierte sie die Einheit aus Raum und Klang.

Was für die eine Sehnsucht bedeutet, ist für andere überflüssig. Er suche keine mystischen Erfahrungen in der Kirche, stellte ein Mann klar.

Andere Teilnehmer fragten sich, wie man schlimmste Katastrophen positiv auslegen könne. „Warum greift Gott so unterschiedlich ein“, überlegten sie angesichts des großen Leids auf der Welt wie im Privaten.

Einig war sich die Runde, dass sie nicht nur aus der Natur, sondern auch aus der Musik viel Kraft schöpfen. Das gemeinsam angestimmte bekannte Kirchenlied „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten“ aus der Feder des Mystikers Gerhard Ter­steegen gab davon eindrucksvoll Zeugnis.

Mit einem Exkurs über die Wüstenväter und Wüstenmütter und deren Unterscheidung der Geister beendete Pfarrerin Dagmar Spelsberg-Sühling den spannenden Abend im Lienener Gemeindehaus.

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