Sozialseminar Lienen
Zahl der Urnengräber steigt

Lienen -

Wie hat sich die Bestattungskultur gewandelt? Und kann man das auch vor Ort sehen? Diese und andere Fragen beantwortete Reinhard Schmitte den Teilnehmern des Sozialseminars bei einem Rundgang über den Friedhof

Dienstag, 25.09.2018, 17:25 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 22.09.2018, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 25.09.2018, 17:25 Uhr
Reinhard Schmitte und Dr. Rudolf Holtkamp (von links) vom Sozialseminar begrüßten die Teilnehmer zur Führung über den Friedhof in Lienen. Dabei wurde der Wandel in der Bestattungskultur anschaulich erläutert.
Reinhard Schmitte und Dr. Rudolf Holtkamp (von links) vom Sozialseminar begrüßten die Teilnehmer zur Führung über den Friedhof in Lienen. Dabei wurde der Wandel in der Bestattungskultur anschaulich erläutert. Foto: Anne Reinker

Viele vermeiden es, sich mit dem Thema Tod und Bestattung intensiv auseinanderzusetzen. Aber: das Interesse ist da. Das zeigen die Anfragen nach Führungen über den hiesigen Friedhof.

Am Donnerstag berichtete Reinhard Schmitte über Geschichtliches und informierte die Teilnehmer über die Möglichkeiten und die aktuelle Entwicklung in der Bestattungskultur. Eingeladen hatte dazu das Sozialseminar in seiner Veranstaltungsreihe „Sterben – Tod – Bestattung – Trauer“.

Schon vor zwei Jahren organisierte die Vereinigung eine solche Veranstaltung, damals mit etwa 70 Teilnehmern, wie Dr. Rudolf Holtkamp sagte. Der Wunsch nach einer Wiederholung sei da gewesen, so der Initiator. Zumal das Thema „hochspannend“ sei, ergänzte er.

Mit Zahlen und Fakten startete Reinhard Schmitte in die Führung und zeigte damit auch die Veränderungen in der Bestattungskultur vor Ort auf. Wurden so im Jahr 2007 etwa 25 Prozent der Verstorbenen in Lienen in einer Urne bestattet, waren es zehn Jahre später bereits 33 Prozent. „Dieses ist ein Ausnahmejahr“, führte Schmitte weiter aus. Denn bis zum jetzigen Zeitpunkt liege man in der Statistik schon bei 52 Prozent. Es gebe in Deutschland 160 Krematorien und damit „Kapazitäten genug“, wie Reinhard Schmitte sagte. Die meisten seien in Privatbesitz und für die Betreiber reine Wirtschaftsfaktoren.

Auch die Gestaltung der Beerdigungen ändere sich, nicht immer werden sie von Geistlichen geleitet. „Freie Redner können sich vor Nachfrage nicht mehr retten“, meinte Reinhard Schmitte. Sieben Prozent der Beerdigungen fänden gänzlich ohne Trauerrede statt. Aber es gebe auch Beisetzungen, an denen nur ein oder zwei Angehörige teilnehmen. „Das ist keine Seltenheit mehr“, erklärte Schmitte, der neben vielem anderen auch die Bedeutung anonymer Beerdigungen erläuterte. Diese könnten für die Angehörigen auch noch viele Jahre später belastend sein.

Viele Fragen richteten die Teilnehmer an den Referenten. Bei seiner Führung über das Gelände erläuterte er das Thema noch umfassender.

Die Veränderungen im Rahmen der Bestattungen haben Einfluss auf die Gestaltung der Friedhöfe, immer mehr freie Stellen, auch ironisch „Zahnlücken“ genannt, bilden sich.

Eine Idee, diese zu schließen, hat Rudolf Holtkamp: kleine Blumenwiesen, die nicht nur der Optik, sondern auch gleichzeitig der Natur gut tun könnten.

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